Fußball-EM
Das Eigentor der Ukraine

Die Fußball-Europameisterschaft sollte der Ukraine einen Imagewandel bescheren. Doch sechs Wochen vor dem Spektakel bestimmen vor allem die Inhaftierung Timoschenkos, Korruption und Armut die Schlagzeilen.
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Charkiw, MoskauDer „König von Charkiw“, wie er in der Millionenstadt im Osten der Ukraine genannt wird, entspannt sich im Konferenzraum seines Stadions. Aus eigener Tasche habe er die Spielstätte finanziert, erzählt Alexander Jaroslawskij. Hier sollen die ausländischen Gäste der Fußball-Europameisterschaft im Sommer seine Stadt kennenlernen. Hier will er sich präsentieren, der Mann, der weit mehr als 200 Millionen Euro in die Infrastruktur für die Fußball-Festspiele investiert hat. Hier will er für die Besucher aus dem Westen den Imagewandel vom Oligarchen hin zum Unternehmer schaffen.

Auch Gennadij Kernes hofft auf ein besseres Image. Er ist Oberbürgermeister der Stadt und könnte sich eigentlich freuen: In seine Regentschaft fällt der Bau des Stadions, eines Fünf-Sterne-Hotels, eines Flughafens. Aber es gibt da noch ein paar unschöne Geschichten aus seiner Vergangenheit, die Sache mit den Hütchenspielen etwa, wegen derer er 1991 verurteilt wurde. Deswegen ist nicht sicher, ob Kernes als Guter in die Historie seiner Stadt eingehen wird. Eine gut absolvierte Zeit als EM-Gastgeber könnte ihm da sicher helfen.

Eine Oppositionsführerin, hungerstreikend im Gefängnis, Oligarchen als Hauptinvestoren, vorbestrafte Politiker als Gastgeber - die Ukraine sollte eigentlich als Polens Co-Ausrichter des milliardenschweren Sportspektakels glänzen. Stattdessen aber drehen die Scheinwerfer ihr Licht vor allem auf die Schwächen des Landes.

Die Verflechtungen zwischen Politik, Wirtschaft und Macht sind undurchsichtig, persönliche Interessen wichtiger als das Gemeinwohl. In einem nahezu rechtsfreien Raum entscheiden ein gutes Dutzend Politiker und Unternehmer, was ein ganzes Land betrifft. Es geht um Eitelkeiten und viel Geld. Und es geht darum, ob der europäische Fußballverband Uefa gut daran getan hat, sein Milliardenspektakel an ein Land zu vergeben, in dem Vetternwirtschaft und Oligarchie noch immer die vorherrschenden Prinzipien des Wirtschaftens sind.

Wandel durch Investition, das war eine der Hoffnungen der Sportfunktionäre, mit der sie sich gegen Kritik an dem Gastgeber ihrer EM verteidigen. Die öffentliche Aufmerksamkeit, die Milliarden in die Infrastruktur, sollten die Ukraine stärker an Europa führen. Das Gegenteil ist der Fall: immer mehr Politiker wollen die EM meiden - jetzt entscheid sich die gesamte EU-Kommission publikumswirksam für einen Boykott.

Kommentare zu " Fußball-EM: Das Eigentor der Ukraine"

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  • Oje, dass klingt nach Freifahrschein für Politiker. Wenn alle Minister der EU zusammenhalten, dann ist dass schon sehr verdächtig! Was passiert wenn Frau Merkel Europa in den Abgrund stürzt, wird Sie wohl den Krisennobelpreis bekommen und keine gesiebte Luft atmen. So ist Politik, die dürfen alles selbst Kriege beschliesen, korrupt sein und vieles andere, aber sie sind so unantastbar wie ein Mafiaboss. Tolles Europa !!!

  • Falsch! Das bringt eine ganze Menge und zeigt, dass man den UEFA Mist nicht sehen will.

  • Sport und Spiele der Neuzeit haben gewiß, sehr wenig bis nichts, mit Korruption zu tun. Ich frage mich immer wieder, wie machen die das, daß einer unbehindert einsacken darf und andere noch nachträglich für solch ein Vergehen haftbar gemacht werden.

    Ein unüberhörbarer Aufschrei in EUropa. Wahrscheinlich waren die Granden bereits reihenweise zur Audienz beim Papst, um sicherzustellen, sie können nicht anders. Herr verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.

    Die Befindsamkeiten von "Otto Normalverbraucher" nach dem Motto, die tun doch was, wird genüßlich und medienwirksam ausgeschlachtet, ansonsten bleiben BürgerINnen einsam in EUropa.

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