Fußball-WM 2018 in Russland
„Wir müssen dorthin – auch wenn es weh tut“

Ein WM-Boykott würde Moskau hart treffen. Dennoch lehnt es Fifa-Funktionär Theo Zwanziger ab, die WM 2018 neu zu vergeben. Politisch einmischen sollten sich Sportler – nur nicht so wie Siemens-Chef Joe Kaeser.

DüsseldorfHäppchenweise verschärft der Westen die Sanktionen gegen Russland. Bis Donnerstag soll die EU-Kommission Vorschläge für gezielte Maßnahmen vorlegen, die erstmals direkt die russische und europäische Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen könnten. Doch bislang haben alle Strafmaßnahmen Moskau wenig beeindruckt. Daher fordern deutsche Politiker vom Fußballweltverband Fifa, Russland wegen dessen möglicher Verwicklung in den mutmaßlichen Abschuss eines malaysischen Passagierflugzeugs über dem Osten der Ukraine die Gastgeberrolle bei der Fußball-WM 2018 abzuerkennen.

Für Theo Zwanziger, Mitglied im Exekutivkomitee der Fifa und Ex-DFB-Präsident, ist eine solche Bestrafung wenig sinnvoll. „Der Ruf nach einem Einschreiten der Fifa kommt immer sehr schnell. Dabei hat ein Boykott im Sport nur selten etwas gebracht und deshalb halte ich von einem solchen Vorschlag auch nichts“, sagte Zwanziger im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Die WM ist nach Russland vergeben worden, es wurden Verträge unterschrieben und Rechte vergeben.“

Angesichts der jüngsten Zuspitzung im Ukraine-Konflikt hatte der Vize-Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Michael Fuchs, den Fußball-Weltverband Fifa aufgefordert, die geplante Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland neu zu vergeben. „Die Fifa sollte sich Gedanken darüber machen, ob Russland ein geeignetes WM-Land ist, wenn es noch nicht einmal sichere Luftwege garantieren kann“, sagte der CDU-Politiker Handelsblatt Online.

Deutschland könne zusammen mit Frankreich und Italien „ohne Probleme“ das Turnier übernehmen. „Wir haben genügend Stadien, die WM-tauglich sind.“ Fuchs betonte, dass eine Neuvergabe der WM als Strafmaßnahme wesentlich wirkungsvoller sei, als die Verhängung harter Wirtschaftssanktionen.

Dass Deutschland bereits als Ersatz-Austragungsort genannt wird, klingt für Zwanziger „sehr populistisch“. Nach dem Motto: „Jetzt sind wir schon Weltmeister, dann wollen wir auch die Weltmeisterschaft. Mit einem solchen Vorstoß erweckt man bei einer weltumspannenden Organisation wie der Fifa keine Sympathien.“

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