Fußball-WM
Südafrika spielt Kriminalitätsrate herunter

Kriminalitätshochburg Südafrika: Nirgends auf der Welt gibt es mehr Gewaltverbrechen. Selbst die Mächtigen des Landes sind vor Überfällen nicht sicher, die Angst vor Gewalt ist allen Bevölkerungsgruppen gemeinsam. Die Regierung ist im Hinblick auf die WM 2010 um Schadensbegrenzung bemüht.

KAPSTADT. Judy Sexwale, die Frau von Südafrikas mächtigstem schwarzen Geschäftsmann Tokyo Sexwale, hatte noch Glück. Ihr nahmen bewaffnete Verbrecher nur das Auto ab, als sie ihren Sohn von der Schule abholte. Südafrikas Uno-Botschafter Dumisani Kumalo, dem es ähnlich erging, klagt: „Ich hatte schreckliche Angst. Diese Typen sind total rücksichtslos. Man weiß nie, ob sie einen einfach töten.“

Jeden Tag berichten Südafrikas Blätter von bewaffneten Überfällen auf Wohnhäuser, Banken, Geldtransporter und Autos. Kleinere Fälle, wie der bewaffnete Überfall auf zwei Mitarbeiter des Hamburger Architektenbüros GMP, die das neue Fußballstadion in Kapstadt konzipieren, schaffen es da gar nicht mehr in die Zeitungen.

Die Regierung spielt diese Berichte meist herunter. Als Südafrikas Tourismusminister Marthinus van Schalkwyk monierte, die hohe Kriminalität könne ausländische Touristen vom Besuch der Fußball-WM 2010 in Südafrika abhalten, distanzierte sich sein Ministerium umgehend von dem Bericht. Dabei hatte van Schalkwyk nur das gesagt, was die meisten Südafrikaner empfinden.

Die Regierung von Präsident Thabo Mbeki ist unter Druck, vor dem Fußball-Großereignis mit weit mehr Nachdruck als bisher gegen die Gewalt vorzugehen. Immerhin ist das Polizeibudget in den vergangenen sechs Jahren verdoppelt und die Zahl der Polizisten um 40 Prozent erhöht worden – allerdings ohne größeren Erfolg. Es hat Präsident Mbeki auch wenig geholfen, dass er noch zu Jahresbeginn behauptete, es scheine nur so, als ob die Gewalt am Kap aus dem Ruder gelaufen sei.

Denn die aktuelle Verbrechensstatistik spricht eine andere Sprache. Bezeichnenderweise wird sie nur noch einmal im Jahr vorgelegt, weil die Medien die Zahlen angeblich missbrauchen. Die Gewalt hat demnach in den entscheidenden Verbrechenskategorien zugenommen. Besonders schockierend ist der Anstieg um 26 Prozent bei bewaffneten Überfällen auf Wohnhäuser. Weil ausgeklügelte Alarmanlagen den Tätern ihre Arbeit zunehmend erschweren, stürmen diese nun immer öfter in Wohnhäuser, wenn die Bewohner etwa gerade beim Abendessen sind.

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