Fußballverband in der Krise
Politik zeigt Fifa-Chef Blatter die gelbe Karte

Aller Krisen zum Trotz wird Sepp Blatter wohl an der Fifa-Spitze bleiben. Doch der Reformdruck, der auf dem Fußballweltverband lastet, ist immens. Die Politik fordert Aufklärung über Korruptionsvorwürfe.
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Düsseldorf/ZürichMit radikalen Reformen will Verbandschef Joseph Blatter seine taumelnde FIFA vor dem Untergang retten. So soll in Zukunft nicht mehr das skandalumtoste Exekutivkomitee über die WM-Vergaben abstimmen, sondern alle Mitgliedsverbände beim Kongress. Zudem dürfen bei Korruptions- und Bestechungsvorwürfen erstmals auch externe Experten dabei helfen, im Fußball-Weltverband aufzuräumen.

"Ich bin ein Kapitän in turbulenten Zeiten. Wir haben Schläge eingesteckt und ich persönlich einige Ohrfeigen", sagte Blatter am Mittwoch in seiner mit Spannung erwarteten Grundsatzrede auf dem Kongress des Fußball-Weltverbandes in Zürich. Der Antrag seiner englischen Kritiker, die Wahl des Präsidenten zu verschieben, war zuvor mit klarer Mehrheit abgeschmettert worden. Der erneuten Inthronisierung des angeschlagenen Königs stand nichts mehr im Weg.

Doch Blattes Ruf ist schwer angekratzt. Die Vorwürfe der Korruption gegen seine Person, gegen hochrangige Mitglieder des Exekutivkomitees, all die Gerüchte um Bestechung bei der Vergabe der WM 2022 an Katar lasten wie Bleigewichte auf den Schultern des kleinen Mannes. Kritik von Sponsoren, der Öffentlichkeit, einiger Regierungen und die Rufe nach einer kompletten personellen Erneuerung in der schlimmsten Krise der 107-jährigen FIFA-Geschichte haben Blatter geschwächt.

Und die Kritik an ihm und seinem Verband reißt nicht ab. Deutsche Politiker aus Koalition und Opposition äußerten jetzt deutliche Zweifel am WM-Vergabeverfahren der Fifa und Konsequenzen forderten Konsequenzen. "Die Vergabe der WM an Katar zu überprüfen ist im Angesicht der dazu erhobenen massiven Korruptionsvorwürfe der letzten Tage unverzichtbar", sagte die Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Dagmar Freitag (SPD), Handelsblatt Online.

Auch die Vize-Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Gisela Piltz, sieht den Weltverband in der Pflicht. "Die Fifa sollte ein ureigenes Interesse an einer lückenlosen Aufklärung der Ungereimtheiten rund um die Vergabe der WM in Katar haben", sagte Piltz Handelsblatt Online. Die Vergabe eines solchen Großereignisses müsse prinzipiell frei von jeglichem Verdacht der Einflussnahme sein. "Sollte sich die bislang noch lückenhafte Faktenlage als wahr herausstellen, muss ohne Frage der gesamte Vergabeprozess auf den Prüfstand", betonte die FDP-Politikerin.

Bei der Vergabe der WM 2022 an Katar sollen Schmiergelder in Millionenhöhe gezahlt worden sein.

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