G-8-Gipfel in den USA
Europäer fürchten Strafpredigt wegen Schuldenkrise

EU-Vertreter erwarten zum G-8-Gipfel harsche Kritik aus den USA. Denn die letzten Entwicklungen in der Schuldenkrise haben die Lage verschärft. Mit einer Doppelbotschaft sollen die enttäuschten Partner besänftigt werden.
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Brüssel/Washington"Natürlich erwarten wir Beschwerden der Anderen", sagt ein hoher EU-Diplomat vor seiner Abreise zum G-8-Gipfel nach Camp David. Die Eurozone in der Rezession. Spanien vor dem Griff zum Rettungsschirm. Und Griechenland vor der Selbstzerstörung: Auch mehr als zwei Jahre nach Aufflammen der Schuldenkrise haben es die Europäer nicht geschafft, den Brand zu löschen. Im Gegenteil: Das Chaos in Athen, die Unsicherheit, ob das Land nach der Neuwahl am 17. Juni den Euroclub verlassen muss, hat die Märkte am Mittwoch - mal wieder - zum Beben gebracht.

"Schon seit Beginn der Krise werden wir aus den USA und von anderen Ländern gedrängt, mehr zu tun", sagt der Brüsseler Diplomat. "Dass in Griechenland jetzt noch mal gewählt werden muss, wird die Sorgen noch größer machen." Und das werden Barack Obama und Co. ihre Partner aus Berlin, Paris und Rom beim G-8-Gipfel hören lassen.

Die Kernfragen: Nehmen die Euroländer, allen voran Berlin, genug Geld in die Hand, um die Lage zu beruhigen, um wieder Wachstum freizusetzen? Und warum lassen sie sich von einem Land, dessen Volkswirtschaft nicht größer ist als die Bayerns, auf die Zerreißprobe stellen? Washington pumpt über seine Notenbank Milliarden in die Konjunktur. "Die USA gehen wirtschaftspolitisch einen anderen Weg", heißt es in Berliner Regierungskreisen. "Da wird in Camp David eine interessante Diskussion vonstattengehen."

Die USA haben in den vergangenen Monaten immer wieder an Europa appelliert, die Konjunktur nicht mit zu harten Sparpaketen abzuwürgen. Obamas Regierung setzt auch im eigenen Land trotz horrender Staatsverschuldung auf staatliche Konjunkturprogramme, die von einer lockeren Geldpolitik der Notenbank

US-Außenministerin Hillary Clinton hat sich im Vorfeld des Treffens bereits erfreut über die stärkere Betonung von Wachstum beim Kampf gegen die europäische Schuldenkrise gezeigt. In einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der Zeitung "USA Today" sagte Clinton, sie sei "ermutigt" über die jüngsten Äußerungen aus Europa, wonach der Schwerpunkt neben Sparprogrammen auch auf Wirtschaftswachstum gerichtet werden solle. Innerhalb der europäischen Debatte könnten "Stimmen für Wachstum" nun lauter sein als vorher.

Die Wachstumsfrage ist ein Anliegen des neuen französischen Präsidenten François Hollande, den US-Präsident Barack Obama am Freitag im Weißen Haus in Washington empfängt. "Wir wissen, dass er eine andere Herangehensweise" als sein Vorgänger Nicolas Sarkozy habe, sagte Clinton in dem Interview über Hollande.

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  • aber klar in europa sind ja die problem grösser. alles lügen aus uk und usa. die eurozone und eu hat als ganzes kein leistungsbilanzproblem und eine zentraleuropäische industie (frankreich, deuschland, belgien, niederlande, österreich, polen, tschechien, slowakei und ober italien, dänemark, schweden, finnland sowie die schweitz mit der funktion in zukunft die zeitweise freien einlagen vor der starken inflation zu schützen), die zu den wettbewerbsfähigsten in der welt gehört. wie können "die amerikaner" so viel vertrauen und freundschaft verspielen. ich fordere ein "neues rapollo" und "wirtschaftmanager von dem format eines rathenau" im idealfall für ganz kontinentaleuropa und nicht nur für die brd. wenn die eu nun mal anfängt ihre "graue hirn masse zu benutzen", sieht die zukunft glänzend aus. jede krise hat auch ihre chancen. ob nun mit abgewertetem euro oder nach schuldenschnitt und nationalen währungen ist egal. vorrausgesetzt mann/frau handelt, lasst usa und uk reden und lamentieren und schulden aufbauen - handeln ist gefragt. in verehrung von volkswirten und politikern mit weltformat: rathenau und stresemann.

  • usa und uk lenken nur ab von ihren selbstverursachten problemen. die genaue höhe der verluste von jpm - ? dem neuen 2008 ? - kann noch kein mensch kennen. aussedem haben die einen großteil der europäischen schulden mit den "tollen" derivaten versichert - viel spass. quartal läuft noch. gewaltige hebel zur marktmanipulation aus londoner niederlassung - wo auch sonst - wurde "gegen alle kontinentaleuropäer" und "gold- und silberkäufer" eingestetz. erste abschätzungen gehen von maximal möglichen verlusten in der höhe von 20 Milliarden dollar aus. akuell liegt die veröffentlichte summe bei 3 milliarden - wette fortsetzung folgt anfang nächste woche. vergleiche eigenkapital der DB in 2008 von ca. 25 Milliarden. quellen: http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/05/42498/
    oder http://www.zerohedge.com/news/jpm-staring-another-3-billion-loss
    hoffentlich ist der laden jpm nicht insolvent und gibt dem us fiatsystem den rest.

  • uk und usa sollen erst mal den noch nicht "exportierten teil" ihrer problem (derivate usw.) analysieren und lösen. mann/frau schaue nur mal hier rein und alles ist klar:

    http://www.zerohedge.com/news/chris-martenson-we-are-about-have-another-2008-style-crisis

    fazit: banken verstaatlichen, intelliegent abschreiben und rekapitalsieren und ein "grosse entschuldidung der verantwortlichen" an die weltbevölkerung. eine globalisierte weltwirtschaft funktioniert nicht, wenn wichtige akteure im finanzwesen quasi per system "bescheissen".

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