G20-Berater
Neuer Job für Ex-Bundespräsident Köhler

Seit seinem Rücktritt am 31. Mai war es ruhig geworden um Horst Köhler. Der ehemalige Bundespräsident war abgetaucht. Nun hat er einen neuen Job. Köhler berät die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) zum Weltwährungssystem.
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HB BERLIN. Fünf Monate nach dem Rücktritt als Bundespräsident arbeitet Horst Köhler in einer informellen Expertengruppe mit, die sich mit Konzepten für eine Reform des Weltwährungssystems befasst. Die Gruppe habe sich am vergangenen Wochenende im Umfeld der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in der Nähe von Washington erstmals getroffen, sagte der Leiter des Berliner Büros Köhlers am Mittwoch in Berlin. Köhler war am 31. Mai wegen Kritik an missverständlichen Äußerungen zum Einsatz der Bundeswehr im Ausland zurückgetreten.

Köhler stand vor seinem Wechsel ins höchste deutsche Staatsamt 2004 an der IWF-Spitze. Zu der Gruppe von währungspolitisch erfahrenen Experten gehören demnach neben ihm auch der ehemalige IWF-Chef Michel Camdessus und der frühere US-Notenbankchef Paul Volcker an. Nach Auskunft von Köhlers Büro wird es voraussichtlich weitere Zusammenkünfte der Expertenrunde geben.

Auch die Wochenzeitung "Die Zeit" hatte zuvor darüber berichtet. Die Einrichtung des Gremiums sei Teil der Pläne Frankreichs für eine Reform der internationalen Währungsordnung im Rahmen der G20. Frankreich übernimmt 2011 die Präsidentschaft in der Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer. Staatspräsident Nicolas Sarkozy will die Währungen zu einem Topthema seiner Präsidentschaft machen.

Nach "Zeit"-Informationen soll der Wirtschaftsberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Jens Weidmann, eine Arbeitsgruppe innerhalb der G20 leiten, die sich mit Wechselkursen, Devisenreserven und Kapitalverkehrskontrollen befassen soll.

Köhler war vor seinem Wechsel ins höchste deutsche Staatsamt im Jahr 2004 politisch als Finanzexperte tätig. Auf den Vorschlag des damaligen Finanzministers Gerhard Stoltenberg wechselte Köhler 1982 ins Bundesfinanzministerium, von 1990 bis 1993 war er dort Staatssekretär als Nachfolger von Hans Tietmeyer und maßgeblich an der Gestaltung der Währungsunion beteiligt.

1993 bis 1998 leitete er als Präsident den Deutschen Sparkassen- und Giroverband und anschließend zwei Jahre lang die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE), ehe er auf auf Vorschlag von Bundeskanzler Gerhard Schröder von 2000 bis 2004 an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) stand. Am vergangenen Wochenende war er bereits zur Jahrestagung von IWF und Weltbank nach Washington gereist.

Kommentare zu " G20-Berater: Neuer Job für Ex-Bundespräsident Köhler"

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  • War der wirkliche Grund für Horst Köhlers Rücktritt sein neuer Job, der einfach wichtiger ist als das Amt des bundespräsidenten.Wir dürfen auf seine Memoiren gespannt sein.

  • http://www.wallstreet-online.de/diskussion/1145369-1-10/amero-das-dramatische-aus-fuer-den-dollar

    Kann dass so kommen?

  • Die blogs und unabhängigen Seiten hatten es ja im Juni schon von den Dächern gepfiffen. Nachdem er die pro-iWF (Ermächtigungs-)Arbeit in Deutschland durchgebracht und sich wieder aus dem Staub gemacht hat, wird er nun von seinem alten Arbeitgeber mit offenen Armen für das nächste Husarenstück "Weltwährung" empfangen. Hier mehr zu Köhler's iWF Connection: http://unser-politikblog.blogspot.com/2010/06/rucktritt-des-bundesprasidenten-wegen.html

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