G20-Beschluss: Weltgrößte Banken müssen für Krisenfall vorsorgen

G20-Beschluss
Weltgrößte Banken müssen für Krisenfall vorsorgen

Die weltweit größten Banken können nicht mehr darauf vertrauen, dass sie im Krisenfall vom Steuerzahler gestützt werden. Institute wie die Commerzbank müssen sich nach dem Willen der G20-Staaten künftig selbst helfen.
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CannesDie führenden Industriestaaten der Welt (G20) wollen, dass die weltweit größten Banken ihr Geschäfte sicherer machen. Diese sogenannten systemrelevanten Banken sollen so umgebaut werden, dass Steuerzahler nicht mehr für Verluste aufkommen müssten, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag nach dem G20-Gipfel in Cannes. Zu den 29 weltweit betroffenen Finanzinstituten, die ihr Kapital stärken müssen, gehören laut Merkel die Deutsche Bank und die Commerzbank. Der Finanzstabilitätsrat wollte zum Abschluss des Gipfels die komplette Liste der 29 global systemrelevanten Banken veröffentlichen.

In einem Entwurf für eine gemeinsame Erklärung werden noch weitere Maßnahmen zur besseren Kontrolle der Finanzmärkte genannt. Demnach soll der Bereich der sogenannten Schattenbanken künftig überwacht werden. Dabei handelt es sich um Institutionen, die - wie einige Hedgefonds - im Prinzip wie Banken handeln, aber nicht wie Banken beaufsichtigt werden.

Vorerst soll der Finanzstabilitätsrat (FSB) bis Ende 2012 Methoden entwickeln, um diesen Bereich einkreisen zu können. So sollen riskante Spekulationsgeschäfte künftig besser kontrolliert werden können. Generell wollen die G-20 den FSB „reformieren“ und dessen Möglichkeiten und Ressourcen stärken. Der Finanzstabilitätsrat soll dem Entwurf zufolge mit einer „rechtlichen und einer größeren finanziellen Unabhängigkeit“ ausgestattet werden. Chef des FSB war bisher Mario Draghi, der in dieser Woche an die Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) wechselte. Den Nachfolger müssen die G-20-Länder benennen.

Dem Abschlussentwurf zufolge wollen die G-20 zudem auch fortlaufend die von Banken gezahlten Boni überprüfen. Dazu soll der FSB entsprechende Ergebnisse regelmäßig öffentlich machen. Außerdem soll der Derivatemarkt stärker kontrolliert werden. Derivate sind eine Art Wetten auf die Preisentwicklung und eigentlich dazu gedacht, sich vor großen Kursschwankungen zu schützen. Zudem wollen die G-20 eine Evaluierung der Funktionsweise der Märkte für Kreditausfallversicherungen, den sogenannten Credit Default Swaps (CDS). Sie werden teilweise für Spekulationen gegen Staaten genutzt.

Die Staats- und Regierungschefs der 20 Länder begnügten sich indes damit, die elf Länder, denen Verstöße gegen die Regeln gegen Steuerflucht vorgeworfen werden, zu Maßnahmen gegen diese Verstöße aufzufordern. Nach Angaben von Nichtregierungsorganisationen sind die Schweiz, Panama, die Seychellen, Uruguay und Liechtenstein im Visier.

Geplant war am Freitag auch die Unterzeichnung einer Vereinbarung der G-20-Länder gegen Steuerflucht, die unter anderem den automatischen Austausch von Informationen und gleichzeitige Finanzkontrollen vorsieht. Außerdem soll es „Garantien“ für die Vertraulichkeit ausgetauschter Informationen geben.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " G20-Beschluss: Weltgrößte Banken müssen für Krisenfall vorsorgen"

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  • Wie immer: Alles wird zu einem "Brei verquirlt" und so kompliziert dargestellt, dass es auch ja keiner versteht.

    Mal ein Versuch: Es gibt ...
    > eine Finanzkrise, seit 2007 merklich spürbar, ausgelöst durch maßloses Profitstreben der verschiedensten "Spieler" am Finanzmarkt (Motto: Gier frißt Hirn), abgekoppelt von der Realwirtschaft
    - eine Staatsschuldenkrise, u.a. Griechenland
    Alle operativen Aktivitäten der Regierungschefs versuchen nun Lösungen zu finden, in dem an den Erscheinungen gedoktert wird, aber nicht an die Ursachen gegangen wird (ist vielleicht auch garnicht ihr Job?).
    Zur Schuldenkrise, die Schulden (sicher eher zu gering) ...
    - Griechenland ca. 345.000.000.000 Euro
    - Portugal ca. 130.000.000.000 Euro
    - Itlien ca. 1.900.000.000.000 Euro
    - Deutschland ca. 1.900.000.000.000 Euro
    - USA über 10.000.000.000.000 Euro
    - ...
    Wer sind denn nun die Gläubiger diese Geldmengen? Banken, Versicherungen, Pensionfonds, Investmentgesellschaften, private Kleinanleger, kummunale Einrichtungen, andere Staaten, Firmen usw.
    Und die Anleihen sind frei handelbar. Wer hat jetzt welche Anleihen, in welcher Höhe, mit welchen Fälligkeiten?
    Und nun kümmern sich die Schuldner darum, die Gläubiger sicherer zu machen, damit mit die nicht "zusammenfallen", anstatt dafür zu sorgen, dass Schluß ist mit der Schuldenmacherei!
    Welche Wirtschaftstheorie besagt, dass noch mehr Schulden gegen Schulden helfen?
    Die Geister die ich rief ...

    Auch eine Darstellung:
    http://www.youtube.com/watch?v=C1dZJlp1zOA
    http://www.youtube.com/watch?v=6Ir4-Ytu2vs&feature=related

  • Nur für diejenigen, die es noch nicht gemerkt haben: Italien ist heute aufgrund der G20 Beschlüsse unter den Rettungsschirm des IWF gekrochen, denn die Liquiditätshilfen sind mE speziell auf Italien zugeschnitten, dass sich am Kapitalmarkt bald nicht mehr refinanzieren kann. Ohne das Theater um Papandreou wäre das sicher die Schlagzeile der Woche, aber dank dem (bewußt inszenierten und beauftragten???) Schauspiel um Papandreou ist es Berluscoi nun ohne Ansehensverlust und ohne Aufschrei der Märkte möglich, den IWF anzuzapfen. Man beachte auch, dass Berlusconi sich "freiwillig" KOntrollen des IWF unterziehen wolle. Übersetzt heisst das: MAn traut den Zahlen Italiens genau so wenig wie denen Griechenlands, aber man würde hier nie so eindreschen wie auf Griechenland. Darum die geschickte Sprachregelung. Bislang sind ja auch alle druf reingefallen, dank Papandreou und den unbekannten Theaterregisseuren

  • Haben wir heute das Jahr 2009???

    Komisch, haben wir nicht vor 2 Jahren genau das gleich Geschwafel gehört, wie "Banken müssen kleiner werden, dürfen nicht mehr systemrelevant sein, Hedgefonds and die Kandarre nehmen, keine Derivate- und Leergeschäfte mehr, usw. usw.

    Und was ist passiert? Genau das Gleiche, was auch jetzt passieren wird, nämlich nichts!

    Ach ja, und war Griechenland nich mal vieeeeel zu klein, um den Euro, die Euro-Zone in Gefahr zu bringen??

    Märchen und Sagen, sonst nichts!

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