G20 diskutieren über Zinspolitik
Schäuble warnt vor Blasenbildung

Die Finanzminister und Notenbankchefs der Top-Wirtschaftsmächte wollen die Konjunkturflaute in China beleuchten. Alarmierende Worte sind aber nicht zu erwarten. Für Gesprächsstoff sorgt auch die laxe US-Geldpolitik.

AnkaraDie führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) bereiten sich auf die Zinswende in den USA vor und wollen sich gegen etwaige Negativfolgen wappnen. Mit besser werdenden Wachstumsaussichten werde in einigen Industrieländern eine Straffung der Geldpolitik wahrscheinlicher, heißt es im Entwurf der Abschlusserklärung zu einem G20-Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs, der Reuters am Freitag vorlag. Die USA werden zwar nicht konkret genannt, doch steht seit geraumer Zeit die Möglichkeit im Raum, dass die Zinsen dort in Kürze angehoben werden. So hatte vor kurzem auch IWF-Chefin Christine Lagarde davon gesprochen, dass die Wirtschaft in den USA sich etwas besser entwickelt als erwartet. Andererseits fürchten manche Entwicklungsländer wie etwa Brasilien und Indien, dass ihnen diese Zinswende wirtschaftliche Probleme bereiten könnte. Sie raten daher den USA, damit noch zu warten.

Die G20 fordern eine sorgfältige Vorbereitung der absehbaren geldpolitischen Straffung und eine klare Kommunikation. Was die Wechselkurspolitik anbelangt, versprechen die G20-Länder in dem Kommunique-Entwurf, sich nicht auf einen Abwertungswettlauf einzulassen und sich jeder Form von Protektionismus zu enthalten. Offenbar mit Blick auf China, aber ohne das Land zu nennen, plädieren sie für eine marktorientierten Wechselkurspolitik und -flexibilität. Verhindert werden sollten damit Währungsverzerrungen. Insgesamt sehen die G20 in einigen wichtigen Regionen der Welt eine Besserung der Wirtschaftsentwicklung. Allerdings bleibe das globale Wachstum hinter den Erwartungen zurück.

Die Zinspolitik und die von China ausgehenden Risiken stehen bei dem bis Samstag dauernden G20-Treffen im Vordergrund. Einige Schwellenländer sehen den in den USA anstehenden Abschied von der ultra-lockeren Geldpolitik als größtes Risiko für die internationale Wirtschaftsentwicklung. Sie konnten sich mit dieser Position aber nicht durchsetzen. Länder wie Brasilien fürchten nach einer US-Zinserhöhung den Abfluss von Kapital und wachstumsbremsende höhere Kreditkosten. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und Bundesbank-Präsident Jens Weidmann äußerten hingegen Vorbehalte gegen die andauernde extrem laxe Geldpolitik. „Ich glaube, wir haben nicht zu wenig Liquidität in den Märkten und auch nicht zu wenig Schulden, sondern wir haben eher die Gefahr von Blasenbildung“, sagte Schäuble. Weidmann äußerte im Reuters-Interview, mit einer Politik das ultra-billigen Geldes lasse sich nicht dauerhaft mehr Wachstum schaffen.

Für große Unruhe an den Finanzmärkten sorgen derzeit auch Chinas Wirtschaftsprobleme und Börsenturbulenzen. Die G20 werde darüber intensiv diskutieren, kündigte Schäuble an. Für Weidmann gibt es aber keinen Anlass für Alarmstimmung. "Eine dauerhafte Gefahr für die Weltwirtschaft sehe ich darin nicht", sagte er.

Im Bemühen, die Landeswährung Renminbi in den Währungskorb des Internationalen Währungsfonds (IWF) aufnehmen zu lassen, kann China auf Unterstützung in der G20 rechnen. Schäuble sieht die Volksrepublik auf dem richtigen Weg, um sich dafür zu qualifizieren. Auch Weidmann äußerte sich offen zur Debatte über eine Renminbi-Aufnahme, denn schließlich sei der Renminbi die Währung der eines der Schwergewichte der Weltwirtschaft.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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