G20-Gipfel
Chinesische Mauer gegen Dollar-Flut

Kräftemessen zwischen China und den USA: Anlässlich des G20-Gipfels hat sich China mit einer Änderung der Geldpolitik demonstrativ gegen die Geldschwemme aus den USA gewappnet. Die Amerikaner wiederum verweisen auf den künstlich niedrig gehaltenen Wechselkurs – und setzen die Exportnationen unter Druck.
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PEKING/ZÜRICH. Die Zentralbank erhöhte den Mindestreservesatz für Geschäftsbanken um 0,5 Prozentpunkte. Peking verknappt damit für die eigene Wirtschaft das Geld. Dagegen hatte die Notenbank der USA vor einer Woche eine starke Ausweitung der Liquidität beschlossen.

"Die lockere Geldpolitik in Amerika bedeutet großen Druck für China", sagt Li Ruogu, Präsident der staatlichen China Eximbank. Überschüssiges Kapital aus den USA würde nach Fernost fließen und zur Überhitzung der Märkte beitragen. US-Präsident Barack Obama nahm gestern die entgegengesetzte Haltung ein - und verlangte schriftlich von China und Deutschland einen deutlichen Beitrag zum Abbau des US-Handelsdefizits.

Doch auch vom Handelsblatt befragte Ökonomen (siehe Beistücke) in China und Brasilien sehen in der Dollar-Flut die größte Gefahr für ihre Wirtschaften. Nach ihrer Meinung ist die Zeit vorbei, da die US-Notenbank ihre Geldpolitik nur an eigenen Interessen orientieren kann. Die Vertreter der Schwellenländer fordern deshalb ein neues Weltwährungssystem mit festen Wechselkursen. Europäische Volkswirte sehen dagegen beide Seiten in der Pflicht. Wenn Überschussländer wie Deutschland und China ihre Nachfrage erhöhen würden, könnte Amerika zu einer restriktiveren Geldpolitik zurückkehren.

Dass sich die G20 auf eine derartige Arbeitsteilung einigt, ist unwahrscheinlich. Zu groß ist die Verzweiflung in den USA angesichts der hohen Arbeitslosigkeit von fast zehn Prozent. Und zu groß ist die Angst der Schwellenländer, dass hohe Kapitalzuflüsse ihre Volkswirtschaften aus den Angeln heben.

Investoren stürmen Hongkong

Experten der Credit Suisse haben bereits einen starken Mittelzufluss an den Finanzplatz Hongkong ausgemacht. Hongkong gehört zu China, die Banken dort agieren jedoch außerhalb der Kapitalkontrollen des Landes. Schon in Erwartung der geldpolitischen Lockerung durch die US-Notenbank sind seit September 107 Mrd. Hongkong-Dollar an Anlegergeld auf dortige Konten geflossen; auch der örtliche Aktienindex und der Währungskurs sind deutlich gestiegen. Die Zentralbank in Peking registriert zudem trotz dichter Kontrollen einen Zufluss von Spekulationsgeld in Yuan-Geldanlagen.

Auch die Exportwirtschaft holt weiter zusätzliche Mittel ins Land. Der Exportüberschuss lag im Oktober mit 27,1 Mrd. Dollar weit höher als erwartet. China schwimmt in Liquididät. Das Geld treibt die Preise. Heute kommen in Peking die Inflationszahlen für Oktober heraus. Ökonomen sagen einen Anstieg auf über vier Prozent voraus.

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  • Frau Merkel sollte nicht vergessen, wo die meisten ihrer Kunden zu Hause sind: in Europa und in Deutschland, wo 43% der alleinerziehenden Mütter von Hartz 4 leben und 19% der Kinder in Armut, wo die Einkommen oft gerade für Miete und Auto reichen und wo Zehntausende immigranten mit Studienabschluss nicht arbeiten können, weil das System sie ncith anerkennt. Auf www.volatility-management.com wird er Zusammenhang gut dargestellt.

  • Der Elan der wichtigsten Wirtschaftsnationen dieser Erde darf jetzt nicht nachlassen, der Finanzwelt feste Regeln zu geben. Die Krise darf sich nicht wiederholen. Diese einfache Erkenntnis sollte auch jetzt beim Treffen der G 20 allen Teilnehmern vor Augen stehen, so wie uns Deutschen und Europäern: http://bit.ly/c6Lqp8

  • Der Elan der wichtigsten Wirtschaftsnationen dieser Erde darf jetzt nicht nachlassen, der Finanzwelt feste Regeln zu geben. Die Krise darf sich nicht wiederholen. Diese einfache Erkenntnis sollte auch jetzt beim Treffen der G 20 allen Teilnehmern vor Augen stehen, so wie uns Deutschen und Europäern: http://bit.ly/c6Lqp8

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