G20-Gipfel
Das hat der G20-Gipfel beschlossen

Mit Mühe haben sich die Regierungschefs geeinigt, wie sie gemeinsam die Folgen der weltweiten Wirtschaftskrise bekämpfen wollen. Eine strengere Finanzaufsicht, Freihandel und mehr Geld für die Entwicklungsländer sollen die Welt vor weiterem Schaden bewahren. Ein Misserfolg des gemeinsamen Konzepts hätte schlimme Folgen.

LONDON. Die beste Verkäuferin eigener Erfolge ist Angela Merkel nicht. Während Gordon Brown die Gipfelergebnisse voller Pathos preist, ringt sich die Bundeskanzlerin gerade mal zu folgendem Satz durch: "Wir haben fast, glaube ich, einen historischen Kompromiss gefunden." Dabei hätte gerade sie allen Grund zum Triumph. Was sie am Vorabend mit Frankreichs Präsidenten gefordert habe, habe sich in den Abschlussdokumenten niedergeschlagen, stellt sie nüchtern fest. Es hat sich also gelohnt, die Harmonie vor dem Start des bedeutendsten Wirtschaftsgipfels seit Jahrzehnten mit deutlichen Worten zum Thema Finanzregulierung zu stören.

Dem lauten deutsch-französischen Knall vom Mittwochnachmittag war noch am selben Abend die Versöhnung mittels stiller Sitzdiplomatie gefolgt. Beim Arbeitsessen der Regierungschefs in Downing Street platzierte Großbritanniens Premier und Gastgeber Brown kurzerhand Merkel neben Taro Aso. Der japanische Regierungschef hatte Deutschland vorgeworfen, sich nicht angemessen an der globalen Konjunkturstimulierung zu beteiligen. Merkel nutzte die Gelegenheit, um ihrem Kollegen aus Fernost zu erläutern, dass der Beitrag überhaupt nicht zu gering sei, sondern im Gegenteil nach Daten der OECD mit zu den höchsten weltweit zähle. Dass Japan dagegen mit seiner hemmungslosen Verschuldungspolitik inzwischen ein Staatsdefizit von 170 Prozent des BIP aufgehäuft hat, ließ Merkel nicht unerwähnt. Auch Nicolas Sarkozy, der zu Beginn des Gipfels der chinesischen Regierung ungewohnt deutlich eine Blockade beim Thema Steueroasen vorgehalten hatte, musste sich während des Dinners in stiller Diplomatie üben: Der französische Präsident fand sich neben Chinas Präsidenten Hu Jintao wieder.

Die Streithähne zusammenzubringen, darum war Brown beim Spitzentreffen sichtlich bemüht. Denn er braucht dringend einen Erfolg. Der britische Premier steht unter innenpolitischem Beschuss. Die Krise trifft London als Finanzzentrum ins Mark. Verunsicherte Banker, die sich aus Angst vor Demonstranten mit Jeans und Pullover tarnen, fürchten das Ende der Vormachtstellung der City.

Auch US-Präsident Barack Obama wollte seine erste Europareise und seinen großen Auftritt beim Treffen der 20 stärksten Wirtschaftsnationen nicht mit einem Streit beschließen. Einen Lagerkampf zwischen Angloamerikanern und Kontinentaleuropäern galt es also ebenso zu verhindern wie eine Frustreaktion der Schwellenländer.

So zeigten sich die Chinesen bei der Bekämpfung von Steueroasen auch deshalb sperrig, weil die G20 bei diesem Thema ausschließlich auf die Standards der OECD setzt. China aber ist kein Mitglied der Wirtschaftsorganisation und fürchtet auch mit Blick auf seine Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macao, in dieser Frage künftig völlig außen vor zu bleiben.

Indien oder Brasilien hingegen mochten sich den Streit über die Regulierung von Hedge-Fonds oder Ratingagenturen nicht zu eigen machen. Die Schwellenländer plagen andere Probleme. Sie leiden viel stärker darunter, dass der Zufluss privaten Kapitals aus den Industriestaaten dramatisch eingebrochen ist. Es musste also ein Mittelweg gefunden werden.

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