G20-Gipfel
Deutschland und China drängen USA auf Anklagebank

Der deutsche Finanzminister Schäuble attestiert den USA Ratlosigkeit. China hält die US-Geldpolitik schlicht für falsch. Und auch Brasilien hält sich mit Kritik an der Geldmengen der Amerikaner nicht zurück. Der G20-Gipfel in der kommenden Woche dürfte damit für die Delegation aus Washington heikel werden.
  • 2

HB BERLIN. Die USA drohen wegen ihrer Geld-, Währungs- und Wirtschaftspolitik beim G20-Gipfel auf der Anklagebank zu landen. Deutschland und China, die wegen ihrer Handelsüberschüsse oft genug Zielscheibe der US-Kritik waren, gingen die US-Regierung am Freitag frontal an.

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble befand: „Bei allem Respekt, mein Eindruck ist, die Vereinigten Staaten von Amerika sind ratlos.“ Die neue Geldspritze der US-Notenbank löse die Probleme des Landes nicht, und zudem schürten die USA den Verdacht, gezielt den Dollarkurs nach unten zu drücken.

Chinas Vize-Außenminister Cui Tiankai warf der Regierung von Präsident Barack Obama gleichfalls vor, mit ihrem Vorschlag konkreter Leistungsbilanz-Zielen für Staaten falsche Schwerpunkte zu setzen. Es gebe viel wichtigere Themen, wie etwa die Geldmengenvermehrung der Vereinigten Staaten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel machte sich die Wortwahl der Kritik an den USA, die vor Schäuble schon Wirtschaftsminister Rainer Brüderle geäußert hatte, zwar nicht zu eigen. In Kreisen der Regierung hieß es aber, man könne davon ausgehen, dass die Kanzlerin ähnlich denke und das Thema beim Gipfeltreffen in der kommenden Woche in Seoul ansprechen werde. Aus ihrem Umfeld hieß es allerdings besänftigend, man müsse offenlassen, ob die jüngste verbale Aufrüstung letztlich hilfreich sei.

Seite 1:

Deutschland und China drängen USA auf Anklagebank

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " G20-Gipfel: Deutschland und China drängen USA auf Anklagebank"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ob die USA nun "anschreiben lassen"
    um ihre Nachfrage zu finanzieren,
    oder ob die USA sich das Geld einfach selbst drucken:
    es kommt doch -mehr oder weniger- aufs gleiche Ergebnis.
    (so oder so: der Lieferant der Leistung erhält einen "Papierfetzen", den er besser schnell in Sachwerte umtauscht, bevor er nix mehr wert ist ...)


    ... daß jene, welche zu blöd, zu korrupt, oder zu sehr unter der Fuchtel "unserer amerikanischen Freunde" stehen,
    um die Dollars in ihrem Portfolio schnell wieder um zu tauschen, nun lauthals losbrüllen und so tun,
    als sei dies die alleinige Schuld der US-Amerikaner,
    sollte nicht weiter verwundern.

    passend dazu:

    "Die Lust am betrug und am Selbstbetrug"

    “Die Lust am betrug und am Selbstbetrug eint Täter und Opfer. Nicht selten glaubt der Scharlatan selbst, was er sagt; das lernt er im Lauf seiner Karriere – nicht zuletzt, weil seine Kundschaft ihm fanatisch anhängt. Dabei ahnen alle die Gefahr. Doch die Hoffnung auf eine wunderhafte Wendung scheint ihnen immer noch trostreicher als der Trott des gesunden Menschenverstandes. Strenger ausgedrückt: Es ist erbärmlich anzusehen, wie die Menschen nach Wundern schnappen, um nur in ihrem Unsinn und Albernheiten beharren zu dürfen, und um sich gegen die Ohnmacht des Menschenverstandes und der Vernunft wehren zu können”

    (Goethe an Jacobi 1791).

  • Herr Schäuble, als schlauer Fuchs dürfte ihnen bekannt sein, dass China bereits seit 2001 - WTO den Yuan manipuliert, was zu ungeahnten Verzerrungen mit weltweiten Folgeentscheidungen in dieser Dekade geführt hat. blasen waren unvermeidlich. Um die Dynamik der Fehlentwicklungen innerhalb der Weltwirtschaftskrise zu brechen, versucht nun endlich die ganze Welt, China von der Marktwirtschaft zu überzeugen und den Yuan am Markt freizugeben oder zumindest vernünftiger in Marktnähe aufzuwerten.

    Weil offensichtlich verbal nicht gelingt, die Chinesen vom Markt zu überzeugen, müssen wohl Taten folgen um weiterhin überhaupt noch Geschäfte machen zu können.

    betrachten Sie es als eine Möglichkeit, dass u.a. die kürzliche US-Dollar-Flutung QE2 eine solche Tat sein könnte, um China zu Marktspielregeln zu zwingen oder wären ihrer Meinung nach gezielte import-Schutzzölle für chinesische importwaren das bessere Mittel, die Chinesen an die Marktwirtschaft zu erinnern resp. besser sie ihnen näher zu bringen - Verantwortung des Anbieters und Nachfragers.

    Weitere blasen kann sich die Weltwirtschaft doch mit effektivem Nichtstun kaum mehr leisten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%