G20-Gipfel
Die Bausteine der neuen Finanzordnung

Die Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Industrienationen sind fest entschlossen, die Finanzmärkte viel stärker als bisher zu regulieren. Ob strengere Überprüfung von Ratingagenturen, Zähmung der Hedgefonds oder Trockenlegen von Steueroasen - kein Akteur soll küntig unkontrolliert bleiben. Folgendes will der G-20-Gipfel beschließen.

Finanzaufsicht: Wachhunde fürs Finanzsystem

LONDON. Eine Weltfinanzaufsicht werden die G20-Staaten nicht vereinbaren, so viel steht fest. Sie ist politisch nicht durchsetzbar – nicht nur die USA würden es ablehnen, ihre Banken von einer internationalen Organisation kontrollieren zu lassen.

Als Ersatz für eine mächtige globale Behörde werden verschiedene Gremien, in denen die nationalen Aufsichtsbehörden zusammenarbeiten, das internationale Finanzwesen überwachen. Sie sollen die Finanzmärkte und ihre wichtigsten Akteure beobachten und vor systemischen Risiken durch Fehlentwicklungen warnen. Das Ziel ist, bedrohliche Fehlentwicklungen zu verhindern – wie den aufgeblasenen Markt für Subprime-Hypothekenkredite in den USA, mit dem die gegenwärtige Krise begann.

Gegen solche Risiken einzuschreiten bleibt dann den nationalen Aufsichtsbehörden überlassen. Wie effektiv ein solches Frühwarnsystem auch ist, letztlich wird es auch weiterhin vom politischen Willen vor Ort abhängen, ob Fehlentwicklungen tatsächlich korrigiert werden.

Die meisten der Gremien, die das Frühwarnsystem betreiben werden, gibt es bereits; sie werden ausgebaut oder gestärkt. Eine zentrale Rolle wird dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zukommen. Das bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel angesiedelte Finanzielle Stabilitätsforum (FSF) hat bereits seine Mitgliedschaft an die G20 angepasst, um ebenfalls Überwachungsfunktionen wahrnehmen zu können.

Ein wichtiges Instrument für die Überwachung soll nach den Vorschlägen der G20-Arbeitsgruppe für Finanzregulierung das bereits 1999 von IWF und Weltbank gestartete Financial Sector Assessment Program (FSAP) sein, das Berichte über die Stabilität nationaler Finanzsektoren produziert. Die Arbeitsgruppe schlägt vor, dass künftig alle G20-Staaten regelmäßig Selbsteinschätzungen über ihre Finanzsektoren und die Einhaltung internationaler Standards vorlegen. Diese Einschätzungen würden dann von IWF-Experten überprüft.

Weiter schlägt sie vor, dass FSF und IWF regelmäßige Treffen der nationalen Finanzaufseher organisieren. Auf diesen sollen sich die Experten über systemische Risiken und mögliche Reaktionen darauf austauschen. So hofft man, Fehlentwicklungen im Finanzsektor zu erkennen, bevor sie sich zu destabilisierenden internationalen Problemen auswachsen.

Die Vermeidung solcher Risiken soll nach dem Willen der G20 nicht nur in der Arbeit der nationalen Aufsichtsbehörden und der internationalen Finanzorganisationen, sondern in allen Gremien, die Standards für die Finanzwirtschaft setzen, in den Mittelpunkt rücken. Das gilt etwa für das International Accounting Standards Board (IASB), das Bilanzierungsregeln formuliert, und die Internationale Vereinigung der Börsenaufsichten (IOSCO).

Seite 1:

Die Bausteine der neuen Finanzordnung

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Seite 6:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%