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G20-Gipfel: „Es gibt keinen Währungskrieg!“

Harmonisches Ergebnis eines G20-Gipfels, der unter dem Schlagwort „Währungskrieg“ firmierte: Japans Inflationspolitik wurde nicht gerügt, Linien verabschiedet, Kompromisse erzielt – nur das Sparen blieb auf der Strecke.

Alle Gipfelteilnehmer im Gruppenbild. Quelle: AFP
Alle Gipfelteilnehmer im Gruppenbild. Quelle: AFP

MoskauZum Ende seiner Pressekonferenz wurde Ángel Gurría laut. Es war jedoch kein Ärger, der den Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), erregte. Er wollte seiner Botschaft nur mehr Ausdruck verleihen: „Es gibt keinen Währungskrieg!“ rief er in das gläserne Oval, dem Presseraum in der Manage, Moskaus ehemaliger Paradehalle der Offiziersreitschule. Man solle nicht die Kriege von gestern führen, erklärte Gurría - sondern sich auf die Zukunft konzentrieren. Und am wichtigsten sei es dabei, das Wachstum anzukurbeln.

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Gleichzeitig hatte Präsident Wladimir Putin gegenüber im Kreml zum Empfang geladen. Das Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der G20-Staaten in der russischen Hauptstadt nahm gerade erst Fahrt auf. Gurría aber hatte in gewissem Maße schon vorab die Marschrichtung des Gipfels benannt.

Tage zuvor dominierte vor allem eine Frage: Droht wegen Japans Inflationspolitik ein Währungskrieg? Das massiv verschuldete Industrieland stand in der Kritik, den Yen bewusst zu schwächen, um seine Exporte anzukurbeln. Die offizielle Version Tokios hingegen lautete, das Land wolle sich mit frischem Geld aus Rezession und Deflation befreien. Zusätzliches Wachstum soll später die Hauskonsolidierung erleichtern.

Hintergrund zum Währungskrieg

  • Währungskrieg

    In volkswirtschaftlichen Lehrbüchern steht der Begriff nicht, der angeblich 2010 vom brasilianischen Finanzminister Guido Mantega geprägt wurde. Gemeint ist damit, dass mehrere Länder eine Art Wettlauf starten, wer seine Währung am stärksten abwerten kann. Davon versprechen sie sich Vorteile bei der Wettbewerbsfähigkeit: Ist die eigene Währung schwach, profitieren davon Unternehmen, die ins Ausland exportieren - ihre Produkte werden billiger. Nachweisen ließ sich ein Währungskrieg bisher nicht.

  • Wechselkurs

    Der Wert einer Währung lässt sich am besten im Verhältnis zu einer anderen Währung bemessen - das nennt man Wechselkurs. In Deutschland am geläufigsten ist der Euro-Dollar-Wechselkurs, er liegt derzeit bei etwa 1,33 Dollar. Fällt dieser dauerhaft, kann man sagen, der Euro habe gegenüber dem Dollar abgewertet. Oder umgekehrt: Der Dollar hat gegenüber dem Euro aufgewertet. Es kommt immer auf die Perspektive an.

  • Zentralbanken

    Wechselkurse ergeben sich - wie die meisten Preise in einer Marktwirtschaft - in der Regel aus Angebot und Nachfrage. Eine wichtige Rolle dabei spielen die Zentralbanken, denn sie können große Mengen der einheimischen Währung (oder einer fremden) kaufen oder verkaufen und nehmen damit Einfluss auf die Wechselkurse. Ein Beispiel: Die Schweizer Notenbank hatte 2011 beschlossen, den Franken vor einer weiteren Aufwertung zum Euro im Zuge der Schuldenkrise zu bewahren beziehungsweise den Wechselkurs nicht unter 1,20 Franken fallen zu lassen. Dafür kauft die Zentralbank laufend Euro und andere Fremdwährungen.

  • Japan

    Die starke Abwertung des Yen in den vergangenen Monaten ist der Auslöser für die jüngste Diskussion über einen „Währungskrieg“. Die im Vergleich zu Dollar oder Euro günstiger gewordene japanische Währung hilft der exportorientierten japanischen Wirtschaft. Dies ist politisch - von der neuen Regierung und der Zentralbank - erwünscht, denn das Land steckt seit Jahrzehnten in der Stagnation. Mit dem Anwerfen der Notenpresse - dem „Drucken“ von Geld - hilft die Zentralbank dabei, dass der Yen an Wert verliert.

  • Teuerung

    Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Stärke beziehungsweise Schwäche einer Währung und der Teuerungsrate. Stark vereinfacht gesehen verschärft eine Abwertung die Inflation, bei einer Aufwertung schwächt sich die Preissteigerung hingegen ab. Geht diese gegen null oder fallen die Preise, spricht man von Deflation. Dies ist für eine Volkswirtschaft viel gefährlicher als eine moderate Inflation. Einflussmöglichkeiten haben wiederum die Notenbanken, die ja in erster Linie über die Preisstabilität wachen. In der Eurozone spricht man von stabilen Preisen, wenn die Teuerung mittelfristig bei knapp unter zwei Prozent liegt.

Der Schuldenabbau sollte das zweite dominante Thema in Moskau werden – vor allem der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wollte mit Nachdruck an die 2010 in Kanada vereinbarten Toronto-Ziele erinnern. Dort hatten sich die führenden Industrie- und Schwellenländer verständigt, ihre Staatsdefizite bis 2013 zu halbieren und den Schuldenstand bis 2016 zu stabilisieren.

Anders als Deutschland erreichen die meisten Länder das erste Ziel in diesem Jahr jedoch nicht. Neben Japan traten vor allem die USA hier auf die Bremse. Ein zweiter Konflikt bahnte sich an. Unterstützung erhielt Schäuble von den Russen. Es sei sein Ziel als Gastgeber, eine Nachfolgeregelung für Toronto zu vereinbaren, kündigte Finanzminister Anton Siluanow an.

Am Samstagnachmittag vermeldeten die Teilnehmer des Gipfels dann ein recht harmonisches Ergebnis: Ein Währungskrieg sei abgewendet. Die Beteiligten sprachen sich gemeinsam und klar gegen einen Abwertungswettlauf der Währungen aus. In ihrer Abschlusserklärung hieß es: „Wir werden von gezielten Abwertungen absehen. Wir werden uns keine Wechselkursziele aus Wettbewerbsgründen setzen, werden uns allen Formen von Protektionismus widersetzen und werden unsere Märkte offen lassen.“

  • 16.02.2013, 18:08 UhrGast

    "nur das Sparen blieb auf der Strecke."

    Ja, dann braucht es auch keinen Währungskrieg. Hat ja dann keinen Zweck.

  • 16.02.2013, 18:17 Uhrkraehendienst

    WAS ist denn das für ein AufbauschK(R)AMPF der Medien??? Dann sollen diese diätensubventionierten Politkrimis doch EINE GLOBALE WÄHRUNG schaffen - IMMER spricht man von Globalisierng, was sollen dann mehrere Blockwährungen nebeneinander???

  • 16.02.2013, 18:23 UhrSayTheTruth

    Anno 1784 fing es an, als Anselm Rothschild, als Freund von Adam Weishaupt (Gründer Illuminaten-Orden), mit seinen Brüdern den Regierungen in Europa in grossem Stil Anleihen abkauften für Geld durch ihre Landes-Zentralbanken die in UK, Frankreich Italien, Deutschland von ihnen als "Netzwerk" gegründet wurden.

    Dadurch wurden die Staaten erpressbar durch die Zentralbanken Europas die heute EZB heisst und in Frankfurt steht.

    Es geht nur um die Wertstabilitität der Staats-Anleihen, die den Wohlstand der Welt-Elite garantiert, in deren Namen die Regierungen handeln und deren Marionetten sie letztendlich sind.

    Demokratie ist dabei nur eine entweder nützliche oder lästige "potomkinsche Fassade".

    Die Steuerzahler der Welt sollen der Welt-Elite "ewige Zinsen" garantieren, das ist der Kern von G20 und der Kern der "EU in Brüssel".

    Bitte nicht verwechseln mit beliebtem "Banken-bashing" gegen gierige "Investment-Banker" oder "Banker-Boni". Das sind "kleine Brötchen" im Vergleich dazu und dient nur der Veralberung und Ablenkung der Bürger und Wähler (macht die SPD besonders gerne zum Beispiel).

    Der Kern des Übels ist der erpresste Staat durch die Verschuldung in die er sich seit 1784 begeben hatte.

    Erst befreit davon kann Demokratie wieder neu beginnen !

    Erhebt mal 60 % Steuern auf Diäten und Pensionen von Politikern ! Warum bekommt Frau Schavan 13.000 EUR (unversteuerte) Pension und 200.000 EUR "Übergangsgeld" ?

    Politiker und Beamte sollen auch Steuern zahlen !!! ... damit sie endlich auch mal unter ihren fatalen Entscheidungen zu leiden haben und nicht nur immer der brave Bürger. Ansonsten geht denen doch alles nichts an. "Saus-und-Braus kann weitergehen ..."

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