G20-Gipfel
Euro-Schwäche erregt Unmut bei den USA

Die USA haben auf der G20-Konferenz angesichts des schwachen Euros eindringlich vor einem Abwertungswettlauf gewarnt. Europa sieht dafür allerdings keine Anzeichen.
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IstanbulIn den großen Industrie- und Schwellenländern (G20) regt sich angesichts der Euro-Schwäche Unmut, vor allem in den USA. US-Finanzminister Jack Lew warnte die Partnerländer am Dienstag beim Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs in Istanbul davor, mit gezielten Abwertungen ihrer Währung einseitige Handelsvorteile zu suchen.

„Minister Lew hat mit Nachdruck betont (...), dass kein Land seinen Wechselkurs nutzen sollte, um seine Exporte zu erhöhen“, sagte ein US-Regierungsvertreter. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann und sein EZB-Ratskollege Christian Noyer dagegen sehen nach eigenen Angaben keine Anzeichen eines Abwertungswettlaufs.

In der G20-Abschlusserklärung wird das Wechselkursthema allerdings nur lapidar abgehandelt. „Wir bleiben bei unseren bisherigen Wechselkurs-Festlegungen“, hieß es dort. In Erklärungen früherer Treffen war häufig die Versicherung enthalten, man werde alles unterlassen, was einen Abwertungswettlauf auslösen könnte.

Allerdings warnte der Bundesbank-Präsident davor, dass Deutschland wegen seines riesigen Leistungsbilanzüberschusses, der durch einen schwachen Euro noch gefördert wird, rasch wieder in den Fokus der G20-Debatte rücken könnte. Er erwartet, dass dieser Überschuss in diesem und im nächsten Jahr hoch bleiben wird, ehe er danach etwas sinken könnte.

Allerdings sei diese Situation eine Konsequenz von marktwirtschaftlichen Prozessen, und nicht einer gezielten Steuerung. Der niedrige Euro ist, darin sind sich Weidmann und Finanzminister Wolfgang Schäuble einig, unter anderem Folge auf die extrem lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zurückzuführen, die im G20-Kommunique ob ihrer konjunkturfördernden Wirkung gelobt wird.

In der Einschätzung der Weltkonjunktur durch die G20 dominierte das Moll. Insgesamt seien die Wachstums-Aussichten in einigen Schlüsselländern, wie den USA, zwar günstig, hielt die Staatengruppe fest. Dem stünden aber in vielen Industrieländern, namentlich der Euro-Zone und in Japan, eher schwächere Tendenzen entgegen.

Auch in wichtigen Schwellenländern lasse der Auftrieb nach. Dem setzte Weidmann entgegen, in Deutschland hätten sich zuletzt die Aussichten wieder verbessert. Wachstumsprognosen von 1,5 Prozent für 2015 halte er inzwischen für nachvollziehbar.

Sollten sich Stagnationsrisiken in wichtigen Teilen der Weltwirtschaft bewahrheiten, will die G20 dem mit zusätzlichen Impulsen durch die Finanz- und Geldpolitik begegnen. „Wir werden laufend unsere Finanz- und Geldpolitik überprüfen und wenn nötig entschieden handeln“, heißt es im Kommuniqué. US-Finanzminister Lew hält es schon aktuell für nötig, dass vielerorts mehr für die Stärkung der kurzfristigen Nachfrage getan wird.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " G20-Gipfel: Euro-Schwäche erregt Unmut bei den USA"

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  • die extrem lockere Geldpolitik der USA hat doch vorher für einen zu hohen Wert des Euros gesorgt.

    Die EU zieht doch gerade nur nach...

    Den Währungskrieg hat die USA 2010 begonnen.

  • Bei aller Unterstützung für Herrn Weidmann, wenn die USA einmal fundiert argumentieren, das Wort "staatliche Manipulation" in den Raum stellen, dann ist dem so bei sachlicher Betrachtung der Vorgänge.

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