G20-Gipfel
Europa steht alleine da

Der globale Druck auf Europa war spürbar beim G20-Gipfeltreffen. Die Schwellenländer wollen zwar dem Internationalen Währungsfonds mehr Kapital gewähren, aber mit der europäischen Krisenpolitik sind sie unzufrieden.
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Los CabosEuropa kann beim Kampf gegen die dramatische Staatsschuldenkrise auf Unterstützung der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer setzen. Beim Gipfeltreffen der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer im mexikanischen Los Cabos sagten weitere Staaten zu, die Mittel zur Krisenbekämpfung des Internationalen Währungsfonds (IWF) deutlich aufzustocken. Bundeskanzlerin Angela Merkel wertete die Tatsache, dass die Gelder die angepeilten 430 Milliarden Dollar noch überschreiten könnten, als „Zeichen der Solidarität“ mit Europa.

Die außereuropäischen Staaten erhöhten in Mexiko zugleich den Druck auf die Euro-Länder, alle „notwendigen politischen Maßnahmen“ zu Lösung der Krise und zur Absicherung der Weltwirtschaft zu ergreifen. Die Europäer sagten nach Worten Merkels zu, mit aller Entschlossenheit die Krisenursachen zu beheben. Merkel sprach von einem „Geist der Kameradschaft“ und vom Willen zum gemeinsamen Handeln.

„Ich glaube, dass dies ein wichtiger Gipfel war“, bilanzierte Merkel das Treffen, dessen dominierende Themen die Euro-Staatsschuldenkrise und die Konsequenzen aus den Wahlen in Griechenland am Sonntag waren. Besonders eingehend ließ sich US-Präsident Barack Obama von Merkel in einem Gespräch die Lage im Euro-Raum und die geplanten Maßnahmen gegen die Krise erläutern.

Während Merkel die große Geschlossenheit der Europäer in wesentlichen Fragen der Krisenbekämpfung hervorhob, setzte Frankreichs neuer Präsident Francois Hollande andere Akzente. Er und Merkel seien sich bewusst, dass die Euro-Zone ihren eigenen Weg aus der Krise finden müsse und sich weniger auf Hilfe von außen verlassen könne. Der IWF etwa sei nicht dazu da, vorrangig den Euro-Ländern aus der Klemme zu helfen, sagte der sozialistische Politiker. Trotz des Widerstands aus Deutschland setzt Hollande weiter darauf, mit gemeinsamen Kurzzeit-Anleihen, sogenannten Euro-Bills, ein gemeinschaftliches Kriseninstrument zu schaffen, wie einer seiner Mitarbeiter Reuters sagte.

Merkel plädierte beim Gipfel erneut für mehr Integration auf dem alten Kontinent. Mehr Europa sei nötig. Voranbringen solle die Europäer ein Mix aus Haushaltskonsolidierung, Wachstumsinitiativen und eine vertiefte Zusammenarbeit. „Bei Wachstum geht es nicht nur um Geld“, wiederholte Merkel ihr Credo.

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Nachhaltiges Wachstum angestrebt

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  • Zitat: "Die Europäer sagten nach Worten Merkels zu, mit aller Entschlossenheit die Krisenursachen zu beheben"
    Was sie sagt und was sie kann sind zweierlei.
    Sie ist gefangen der wiedererstarkten deutsch-nationalen Einstellungen die durch die Medien in Deutschland wieder gesellschaftsfähig gemacht werden.
    Der Morgenthau-Plan oder warum Europa verblutet.
    Die Euro- und EU-Verträge, von der deutsch-französische Achse entworfen und durchgesetzt, führen zu eine Art Morgenthau-Plan für die Peripherieländer der Währungsunion.
    Die wirtschaftlich schwache Euro-Länder werden, weil ihre Wirtschaft gegen die stärkere Wirtschaften nicht geschützt ist, immer schwächer. Dies führt dazu dass vielen jungen und gut ausgebildete Menschen aus diesen Länder keine andere Alternative bleibt als Europa den Rücken zu kehren und ihr Glück auf andere Kontinente zu suchen.
    Diese Hämorrhagie ist nicht nur eine menschliche Tragödie aber auch wirtschaftlich nachteilig für Europa.
    Was Europa braucht sind Vertragsänderungen die zu einer Wirtschaftskonvergenz innerhalb der Währungsunion führen und zu einer horizontalen Arbeitsteilung. Vertragsänderungen die den natürlichen Standortsnachteile der Peripherieländer entgegen wirken.

  • und vor allem braucht kein Mensch ein ständiges Wachstum sowie eine Zinses-Zins-Politik!
    Da liegt nämlich ebenfalls die Ursache zur unendlichen Verschuldung!

  • Die Motivation zur Leistung hat unsere Regierung bei uns bereits gekillt. Wir arbeiten jetzt nur noch 4 Tage in der Woche und überlegen, es auf 3 Tage zu reduzieren.

    Lieber das Geld verleben, als hinterher noch einen Haufen Steuern dafür zu bezahlen. Wozu soll man sich in D noch anstrengen? Wir haben die riesigen Löcher in den Straßen und der Club Med bekommt unser Vermögen.

    Alle auch mal hier mitlesen, auch die Redakteure:

    http://www.querschuesse.de/buba-eine-bilanz-vom-anderen-stern/

    Gute Nacht, Deutschland!

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