G20-Gipfel in Australien
Der sorgenvolle Blick auf die Schattenbanken

Auf der Agenda des G20-Gipfels in Australien am Wochenende steht das Thema Schattenbanken weit oben. Diese Finanzinstitute sind bisher kaum beschränkt – die Regierungen wollen das ändern.
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BerlinWenn es um die großen Risiken für das globale Finanzsystem geht, richtet sich der sorgenvolle Blick vieler Experten immer stärker auf die Schattenbanken. Hedgefonds, Geldmarktfonds und andere vergleichsweise wenig regulierte Finanzhäuser gewinnen zunehmend an Bedeutung. Denn je mehr die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) versuchen, die Bankenbranche mit schärferen Auflagen krisenfest zu machen, desto mehr Geschäft wandert zu den Finanzinstituten ab, die bisher kaum beschränkt werden. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel räumte kürzlich ein, der Schattenbankensektor sei ein „Bereich, der regulatorisch ziemlich nackt dasteht“.

Die Regierungen wollen das ändern: Auf der Agenda des G20-Gipfels in Australien am Wochenende steht das Thema Schattenbanken weit oben – als letzter Nachklang der Finanzkrise 2008. Die Regierungen planen vor allem strengere Veröffentlichungs- und Registrierungspflichten sowie höhere Standards für die billionenschweren Geschäfte. Damit soll mehr Licht in das Reich der Schattenbanken gebracht werden. Auch direkte Eingriffe der Aufseher in Hedgefonds-Geschäfte sind im Gespräch.

Bei den meisten Vorschlägen mangelt es bislang vor allem an der Umsetzung. Vor einem Jahr beim G20-Gipfel in Sankt Petersburg haben die Regierungen einen ersten Zeitplan hierfür auf den Weg gebracht, dieser soll nun fortgeschrieben werden.

Doch selbst Aufseher sind skeptisch, dass man diese Finanzfirmen wirklich in den Griff bekommt. „Da wird man auf dem Gipfel sicher wieder etwas ankündigen. Aber passieren wird da wohl auch in Zukunft nichts“, sagt ein Bankenregulierer, der anonym bleiben will. „Da ist man seit sechs Jahren nicht über die Analyse hinausgekommen.“

Gefährlich für das Welt-Finanzsystem sind die Schattenbanken weniger wegen ihrer Größe, sondern eher wegen ihrer engen Vernetzung mit den Banken und Versicherungen. Die Institute verkaufen angesichts der schärferen Regulierung immer mehr riskante Geschäfte in das Reich der Schattenbanken, die sich hiervon wiederum hohe Renditen versprechen. „Die Risiken verlagern sich in das System der Schattenbanken“, warnt IWF-Kapitalmarktexperte Jose Vinals. Dadurch blieben sie aber im Gesamtsystem. Auch die EU-Kommission sieht die Gefahren: „Jede Insolvenz kann erhebliche Ansteckungseffekte nach sich ziehen.“

Unumstritten ist bei Politikern und Aufsehern somit, dass die Schattenbanken das Potenzial haben, das globale Finanzsystem aus den Angeln zu heben. Sie verleihen Milliarden oder legen diese an, ohne direkten Zugang zu Zentralbankgeld zu haben. Zudem sitzen sie oft in exotischen Finanzzentren oder Steuerparadiesen und sind damit der Aufsicht der G20-Staaten entzogen.

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„Fluch und Segen“ für das Finanzsystem

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