G20-Gipfel in der Türkei
Kampf dem Terror in der Fünf-Sterne-Festung

Unter dem Eindruck der jüngsten Terroranschläge treffen sich heute die G20-Mitglieder im türkischen Luxusferienort Belek. Präsident Erdogan fordert eine Abschlusserklärung, „an die man sich noch in Jahren erinnern wird“.

BelekWo man auch hinsieht: Zäune. Der beschauliche Ferienort Belek, etwa 30 Kilometer östlich der türkischen Touristenmetropole Antalya, wirkt wie eine Geisterstadt. Ein kilometerlanges Polizeigitter umspannt den Ort wie ein Belagerungsring. Die Häuser sind leer, ebenso die Geschäfte für Wassersportzubehör, Kleidung und Lebensmittel, die man durch die Polizeigitter erahnen kann.
Das Dorf ist komplett abgesperrt worden, weil es in der „Roten Zone“ liegt. So wird der Bereich um das Areal genannt, in dem sich ab Sonntagmittag zwei Dutzend Staats- und Regierungschefs treffen werden. In Luxushotels direkt am kilometerlangen Sandstrand, in denen sonst vor allem deutsche, russische und britische Touristen ihren Pauschalurlaub verbringen, werden neben Bundeskanzlerin Angela Merkel, Russlands Präsident Wladimir Putin, Großbritanniens Regierungschef David Cameron unter anderem der Gastgeber Recep Tayyip Erdogan und auch wahrscheinlich US-Präsident Barack Obama über die großen Themen der Welt sprechen.

Wohl kaum ein Gipfeltreffen der größten Staatslenker hat bereits im Vorfeld so viel Aufmerksamkeit erregt wie der diesjährige G20-Gipfel in der Türkei. Und selten waren die Anforderungen an die Teilnehmer so hoch wie dieses Mal. Die Gruppe der G20 wurde 1999 ins Leben gerufen, als mehrere asiatische Länder in eine tiefe Finanz- und Wirtschaftskrise stürzten. Die Gründer wollten erreichen, durch finanzielle Zusammenarbeit neuen Krisen vorzubeugen. Nahmen zunächst nur die Finanzminister an diesem Treffen teil, versammelten sich 2008 zum ersten Mal die Staatschefs – in dem Jahr begann die Finanz- und Staatsschuldenkrise in den USA, das damals auch Gastgeber war.

In diesem Jahr dürfte sich kein Regierungsmitglied und die wenigsten der 2469 offiziell akkreditierten Journalisten für die Regulierung der Finanzmärkte, für Zinsen oder Kernkapitalquoten interessieren. „Es scheint, als würden die Standardthemen dieses Mal etwas unter den Teppich gekehrt“, sagte eine Delegierte dem Handelsblatt. Die Attentate in Beirut am Donnerstag und vor allem in Paris am Freitagabend fordern Merkel & Co nämlich über das herkömmliche Maß heraus. Der türkische Präsident Erdogan erklärte auf einer Pressekonferenz im Vorfeld des Gipfels: „Terrorismus hat keine Religion, keine Nation, keine Rasse, kein Vaterland. Die Logik ‚Mein Terrorist ist gut, deiner ist schlecht‘ darf nicht mehr gelten.“ Damit ist die Agenda gesetzt.

Mehr als zwei Dutzend Strandhotels sind für den Gipfel mehr oder weniger beschlagnahmt worden, sie beherbergen derzeit mehr als 10.000 Delegierte, Regierungsbeamte sowie einen Großteil der Journalisten. Weil das immer noch nicht reicht, kommen einige Teilnehmer in benachbarten Luxushotels unter, die alle der Reihe nach an einem 15 Kilometer langen Strand liegen. Um die teils großen Entfernungen zu überbrücken, gibt es mehrere Shuttle-Verbindungen. Alle 50 Meter stehen Polizeigruppen im Schatten der Pinienbäume, für die die Region so bekannt ist. Mehrmals werden die Busse angehalten und die darin sitzenden Personen nach ihren Akkreditierungsausweisen gefragt. An jedem Hoteleingang gibt es Sicherheitskontrollen wie am Flughafen. Die Absperrzäune ragen bis ins Meer hinein.

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