G20-Gipfel
Kleine Erfolge ohne den großen Krach

Die 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländern konnten zum Abschluss ihres Gipfel in Seoul den Währungsstreit zwischen den USA und China nicht beilegen, aber die Wechselkurse stehen nun auf der Agenda. Den ganz großen Krach haben die Regierungschefs in Südkorea noch einmal vermieden. Beim nächsten Treffen in Frankreich dürfte es wilder werden.
  • 1

HB SEOUL. „Alles in allem waren das sicherlich mühselige Verhandlungen, manchmal auch schwierige“, gestand Kanzlerin Angela Merkel am letzten Gipfeltag ein. Am Ende aber habe es sich gelohnt. Es gab auch gar keine Alternative, könnte man hinzufügen. Schließlich sendet ein Gipfel der Staats- und Regierungschefs immer ein Signal aus in Zeiten der noch nicht ganz überwundenen Finanzkrise - gerade an die Märkte. Und ein „Signal der Handlungsunfähigkeit“ vom wichtigsten internationalen Abstimmungsforum in der globalen Finanz- und Wirtschaftspolitik wäre eine Katastrophe.

Das wussten auch Merkel und US-Präsident Barack Obama. Sie bemühten sich am ersten Gipfeltag sichtlich um verbale Abrüstung. Der Streit über Ungleichgewichte, die lockere US-Geldpolitik und künstlich niedrig gehaltene Wechselkurse war aus dem Ruder gelaufen. Der Gipfel in Seoul endete mit einem dünnen Kompromiss: Man einigte sich auf „indikative Richtlinien“ für Handelsungleichgewichte, die aber erst kommendes Jahr festgelegt würden, erklärte der französische Präsident Nicolas Sarkozy.

Auch mit dem dritten Streithahn China sicherte der angeschlagene US-Präsident den Burgfrieden und versuchte zum Abschluss des Treffens die Differenzen herunterzuspielen. Das allerdings ändert nichts daran, dass das wirtschaftlich immer mächtiger und politisch selbstbewusster auftretende Riesenreich ein schwieriger Partner blieben wird - etwa wenn es um den seit Jahren währenden Streit um den als massiv unterbewertet geltenden Yuan geht.

Es gibt Grund genug, den Gipfel als Erfolg zu werten. Keinen großen, keinen rauschenden - aber einen relativen, gemessen an den schlechten Ausgangsbedingungen. Immerhin haben die Staats- und Regierungschefs mit Basel III und der IWF-Reform zwei Großvorhaben abgesegnet, die der Welt mehr Finanzstabilität bringen sollen. Die schärferen Eigenkapitalregeln für Banken - Basel III - sollen dafür sorgen, dass künftig nicht mehr gleich die Steuerzahler einspringen müssen, wenn ein wichtiges Finanzinstitut ins Trudeln kommt. Nun müssen die Banken sich selbst mit größeren Kapital- und Liquiditätspuffern wappnen und so Vorsorge treffen. Und mit dem IWF wird der wichtigste Frühwarner vor weltwirtschaftlichen Störungen und beste Koordinator der globalen Krisenpolitik gestärkt.

Seite 1:

Kleine Erfolge ohne den großen Krach

Seite 2:

Kommentare zu " G20-Gipfel: Kleine Erfolge ohne den großen Krach"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Eurolands Wachstum schrumpfte von 1,0% im vorigen Quartal auf nur noch 0,4%. ich kann hier keinen "Aufschwung" feststellen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%