G20-Gipfel
Kreditwirtschaft schlägt Alarm

Beim G20-Gipfel in Pittsburgh geht es am 24. und 25. November nach Informationen des Handelsblatts aus Finanzaufsichtskreisen auch um das Thema Kernkapital der Banken. Eine Mehrheit der G20-Staaten strebt auf Initiative der USA und Großbritanniens offensichtlich eine engere Definition an. Experten befürchten eine flächendeckende Kreditklemme.

BERLIN. Sollte es dazu kommen, befürchtet die deutsche Kreditwirtschaft eine flächendeckende Kreditklemme. Auf dem G20-Gipfel wollen sich die größten Industrie- und Schwellenländer auf eine weitere Regulierung der internationalen Finanzmärkte verständigen.

Auf G20-Ebene gibt es zudem Bestrebungen, eine verbindliche „Leverage Ratio“ einzuführen. Diese Ratio beschreibt das Verhältnis des Kernkapitals eines Instituts zu den Bilanzaktiva. Sollte die Einführung beschlossen werden, befürchtet die Kreditwirtschaft das Aushebeln der geltenden Eigenkapitalrichtlinien nach Basel II, die eine risikoorientierte Vergabe von Krediten vorsieht. Die engere Fassung des Kernkapitalbegriffs und die Einführung einer Leverage Ratio stünden „ganz oben“ auf der Prioritätenliste der G20-Staaten, hieß es in Aufsichtskreisen.

„Ich sehe die Gefahr, dass mit Einführung dieser beiden Elemente die deutsche Wirtschaft erheblich geschwächt wird“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Öffentlicher Banken (VÖB), Karl-Heinz Boos dem Handelsblatt. Er sehe die Regierung in der Pflicht, diesem Vorschlag im fundamentalen Interesse der deutschen Wirtschaft nicht zuzustimmen.

Konkret gibt es auf G20-Ebene Überlegungen, das bankaufsichtlich anerkennungsfähige Kernkapital auf das sogenannte Common Equity, also das gezeichnete Kapital einschließlich offener Rücklagen, zu konzentrieren. Damit würden hybride Eigenkapitalinstrumente wie stille Einlagen, die für deutsche Banken große Bedeutung haben, nicht mehr zum Kernkapital zählen. „Da Kredite mit Eigenkapital unterlegt werden müssen, wird sich die Kreditvergabe einschränken“, so Boos. Denn es sei nicht damit zu rechnen, dass schnell Ersatz für die wegfallenden Kernkapitalelemente gefunden werde. Folglich müssten Banken dann Risikoaktiva wie Kredite abbauen, um ihre Kernkapitalquote weiter zu halten. „Es wird dann nur eine Frage der Zeit sein, bis wir eine echte Kreditklemme bekommen", glaubt Boos. Derzeit gibt es nach einer Untersuchung der Bundesbank keine Hinweise auf eine Kreditklemme.

Wie der VÖB so setzt sich auch der Bundesverband deutscher Banken (BdB) dafür ein, hybrides Kapital weiterhin als Kernkapital anzuerkennen. Der Bankenverband halte es für wichtig, dass eine Harmonisierung der Eigenkapitaldefinition basierend auf den Prinzipien der Dauerhaftigkeit, Nachrangigkeit und Verlusttteilnahme angestrebt werde, so eine Sprecherin.

Auf Ablehnung der deutschen Kreditwirtschaft stößt auch die Absicht, verbindliche Leverage Ratios einzuführen. „Wir lehnen nicht sensitive Regulierungsnormen wie zum Beispiel die Leverage Ratio ab“, heißt es beim BdB. VÖB-Mann Boos schließt sich an. Die Leverage Ratio würde schließlich alle Bilanzaktiva gleich behandeln und sei nicht risikosensitiv wie die Basel-II-Regeln. „Wenn tatsächlich feste Leverage Ratios eingeführt werden, können sie die Eigenkapitalregeln nach Basel II in den Müll kippen“, glaubt Boos, denn dann entfalle nämlich die Risikoorientierung als Steuerelement für die Banken. Zudem würden die Sondergewichtungen für Realkredite, Staats- und Kommunalfinanzierungen entfallen. Morgen wird sich Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) mit Vertretern der Kreditwirtschaft und der Unternehmensverbände treffen.

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