G20
„Iran bedroht die Sicherheit der Welt“

Der Iran hat am Freitag die Existenz einer geheimen Anlage zur Urananreicherung zugegeben. Die Nachricht sorgte für Wirbel auf dem G20-Gipfel in Pittsburgh: Die USA, Großbritannien und Frankreich reagierten sofort. Doch auch China und Russland meldeten sich zu Wort.

HB WIEN/PITTSBURGH. Der Iran verschwieg der Staatengemeinschaft den Bau der zweiten Atomfabrik. US-Präsident Barack Obama, sein französischer Kollege Nicolas Sarkozy und der britische Premierminister Gordon Brown verurteilten zusammen in Pittsburgh das geheime Projekt als Missachtung der internationalen Auflagen. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte vom Iran eine schnellstmögliche Aufklärung. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) erklärte, der Iran habe sie am Montag erstmals von der Anreicherungsanlage in Kenntnis gesetzt. Die islamische Republik bestätigte die Existenz der Fabrik, erklärte jedoch, sie sei nicht geheim und entspreche den internationalen Auflagen.

„Der Iran verletzt die Regeln, an die sich alle Staaten halten müssen“, sagte Obama, der mit Sarkozy und Brown an seiner Seite am Rande des G20-Gipfels vor die Presse trat. „Und er bedroht die Stabilität und Sicherheit der Region und der Welt.“ Sarkozy forderte neue Sanktionen, sollte der Iran bis Dezember nicht einlenken. Brown verlangte von der Staatengemeinschaft, der iranischen Republik die Grenzen aufzuzeigen.

Merkel erklärte in Pittsburgh, die Bundesregierung sei sehr besorgt. Das Land habe gegen die Auflagen der IAEA und der Uno verstoßen. In der ARD verwies sie auf das bevorstehende Treffen der fünf Ständigen Mitglieder des Uno-Sicherheitsrates und Deutschlands mit dem Iran Anfang Oktober. „Wenn diese Gespräche keinen Erfolg haben ... wird man auch vor Sanktionen nicht zurückschrecken.“ Außenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte: „Dieser Schritt bestärkt die bestehenden Zweifel gegenüber dem iranischen Atomprogramm erheblich und erschwert dadurch eine Lösung des Konflikts.“

Die islamische Republik habe IAEA-Chef Mohamed ElBaradei erstmals am Montag in einem Brief über die Existenz der neuen Anlage informiert, sagte der Sprecher der Uno-Behörde, Marc Vidricaire. Nach iranischen Angaben befinde sich noch kein Kernmaterial in der Anlage. Die Regierung in Teheran habe erklärt, die Fabrik wie alle Atomanlagen nur zur Herstellung niedrig angereicherten Urans für die Stromgewinnung zu benutzen. Der Westen wirft dem Iran vor, nach Atomwaffen zu streben. Nach Angaben aus US-Kreisen baut der Iran seit Jahren an der Uran-Anreicherungsanlage in einem Berg nahe der den Schiiten heiligen Stadt Kom. Die Fabrik sei mindestens noch Monate davon entfernt, betriebsbereit zu sein. Der Iran habe gerade erfahren, dass die amerikanischen, französischen und britischen Geheimdienste von dem Projekt wussten und daher beschlossen, die IAEA noch vor einer öffentlichen Enthüllung darüber zu informieren, hieß es weiter.

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