G20-Sondergipfel
Europäischer Streit um Boni eskaliert

Bei G20-Sondergipfeltreffen der Finanzminister in London zeigt sich Frankreich mit seiner Forderung nach Obergrenzen für Boni unnachgiebig. Frankreichs Finanzministerin betonte, alles zu tun, um Bonuszahlungen zu kappen und geht damit auf Konfrontationskurs mit Großbritannien.

HB LONDON/KÖLN. Finanzministerin Christine Lagarde sagte, die Europäer seien „entschlossen“, die Regeln zu ändern. Damit reagierte sie auf die Haltung der Briten und der USA, dass eine Obergrenze für Boni schwer durchsetzbar sei. „Durchführbarkeit ist auch eine Frage der Entschlossenheit. Es gibt immer Lösungen“, sagte Legarde. Sie wäre „überrascht“, wenn das „exzellente britische Rechtssystem keine Wege finden würde, um einen gemeinsamen Entschluss durchzusetzen“.

Das Thema Boni steht bei dem Londoner Treffen der Finanzminister der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer an diesem Samstag ganz oben auf der Agenda. Auch Deutschland hatte sich für eine harte Gangart gegen exzessive Bonuszahlungen ausgesprochen.

Derweil wird der britische Premierminister Gordon Brown laut vorab verbreiteter Rede die anderen Länder auffordern, weiter die Konjunkturmaßnahmen voranzutreiben, die beim G20-Gipfel im April in London beschlossen worden waren. Gleichzeitig warnt er vor „Selbstzufriedenheit oder übermäßigem Vertrauen“ in einen Wirtschaftsaufschwung.

Es sei ein „ernsthafter Fehler“ für Länder, die aus der Rezession kämen, von den Konjunkturprogrammen abzulassen. Zwar spricht Brown keine Länder direkt an, aber Deutschland, Frankreich und Japan hatten zuletzt wieder ein Wirtschaftswachstum verzeichnet.

Mit dem Londoner Treffen wollen die Länder den G20-Gipfel Ende September im amerikanischen Pittsburgh vorbereiten. Neben dem Streit um die Boni gibt es auch Uneinigkeit in der Frage, inwiefern Banken mit mehr Kapital ausgestattet werden sollen. Vor allem Großbritannien und die USA wollen dies vorantreiben.

Auch der Wirtschaftsnobelpreisträger Edmund Phelps hat im Vorfeld des G-20-Gipfels schärfere Regeln für Banken gefordert. „Im Finanz- und Unternehmenssektor gibt es nach wie vor keine Abkehr vom kurzfristig orientierten Denken“, sagte der amerikanische Ökonom dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die G-20-Staaten müssten Regeln beschließen, die „Banken daran hindern, vollkommen bizarre Wetten auf Schuldenbasis zu machen, um damit irreale Renditeziele zu erreichen“. Zudem müssten die Vorschriften für das Eigenkapital der Banken verschärft und Bonussysteme auf die langfristige Entwicklung ausgerichtet werden. Eine Deckelung der Boni-Höhe sei dagegen nicht notwendig.

Die Folgen der Krise schätzt er vor allem für sein Heimatland dramatisch ein. „Es wird in den USA rund 15 Jahre dauern, bis die privaten Ausgaben wieder auf dem Niveau von vor der Krise angekommen sind“, sagte er. „Genau so lang wird es dauern, bis der finanzielle Schaden durch Haus-, Vermögens- und Aktienverluste ausgeglichen ist.“

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