G20-Sondergipfel
G20 planen schärfere Bank-Eigenkapitalregeln

Die 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) wollen Banken offenbar mit härteren Eigenkapitalregeln von riskanten Geschäften abhalten. Ein entsprechender Vorschlag der USA fand bei den Teilnehmern des G20-Sondergipfels in London Unterstützung. Im Bezug auf die Konjunkturmaßnahmen gegen Krise herrschte ebenfalls Einigkeit – anders als beim Thema Manager-Boni.

HB LONDON. Die Finanzminister und Notenbankchefs unterstützten einen US-Vorschlag für größere Risikopuffer der Geldhäuser, verlautete am Samstag aus G20-Kreisen. Eine solche Vereinbarung käme einem Durchbruch bei der umstrittenen Reform der Finanzbranche gleich. Die G20 verständigten sich einem Erklärungsentwurf zufolge zudem darauf, ihre milliardenschweren Konjunkturmaßnahmen im Kampf gegen die Rezession fortsetzen, bis eine weltweite Erholung nach der schwersten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg gesichert sei. Nicht einigen konnten sich die G20 dagegen auf Grenzen für die Bezahlung von Bank-Managern.

Die Banken müssten sich auf härtere Eigenkapitalregeln einstellen, verlautete aus den Kreisen weiter. Das bedeute, dass die Banken mehr Kapital als Puffer bereithalten müssten. Zudem solle die Expertengruppe „Financial Stability Board“ (FSB) Richtlinien erarbeiten, nach denen Finanzinstitute bei einem drohenden Kollaps sicher geschlossen werden können. Dabei seien Schritte zum Schutz der Konteninhaber vorgesehen, während der Investmentteil einer Bank abgewickelt werde.

US-Finanzminister Timothy Geithner hatte viele seiner Kollegen einen Tag vor dem Gipfel mit seinem Vorstoß für die Eigenkapitalregeln überrascht. Einige europäische Regierungen kritisierten, dass die bereits angebrachten Änderungen am bestehenden Regelwerk „Basel II“ ausreichten. Ein Vertreter des US-Finanzministeriums erklärte unterdessen am Samstag, die USA hielten sich weiter an die geplante Umsetzung von „Basel II“.

Seit dem letzten G20-Treffen zur Wirtschaftskrise im April hat sich der Konjunkturausblick deutlich verbessert. Doch die Politiker fürchten, die Erholung mit einem verfrühten Ausstieg aus der Krisenpolitik auszubremsen. „Es hat niemand gesagt dass die Krise schon vorbei ist“, sagte der deutsche Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen. Es sei aber eine Stabilisierung zu erkennen. „Es hat niemand gesagt, dass man heute die expansiven Maßnahmen der Geldpolitik, der Fiskalpolitik und der Finanzmarktstabilisierung zurückziehen soll.“ Die G20 seien sich aber einig, dass ein gemeinsamer, koordinierter Ausstieg in der Zukunft vorbereitet werden solle.

Großbritanniens Premierminister Gordon Brown warnte die G20 vor Selbstzufriedenheit angesichts der ersten Anzeichen für einen Aufwärtstrend der Weltwirtschaft. Brown stimmte in die Empörung über milliardenschwere Prämien für Bank-Manager ein. „Gehalt und Boni dürfen kein Scheitern belohnen oder zu Risiken ermutigen“, sagte Brown. Es sei eine Beleidigung für die Steuerzahler, deren Geld mehrere Banken vor dem Kollaps bewahrt habe. Riskante Geschäfte gelten als Ursache der Finanzkrise, die die Weltwirtschaft auf einen steilen Sinkflug geschickt hat. Doch auf eine Obergrenze für die Gehälter in der Finanzbranche konnten sich die Gipfelteilnehmer nicht einigen. Als Kompromiss soll nun die Expertengruppe FSB solche Limits und die gesamte Frage weiter prüfen.

Die Finanzminister und Notenbankchefs bereiten in London den G20-Weltfinanzgipfel Ende des Monats in den USA vor. Dort werde mit „maßgeblichem Fortschritt“ bei der Frage nach einer Reform des Internationalen Währungsfonds (IWF) gerechnet, hieß es am Samstag weiter. Der Einfluss der Schwellenländer solle deutlich steigen. Die BRIC-Länder - Brasilien, Russland, Indien und China - hatten am Freitag genaue Forderungen für ihren Stellenwert auch bei der Weltbank vorgelegt. Konkrete Pläne für die Reform wurden in London jedoch nicht festgelegt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%