G20-Treffen in London
US-Finanzminister Timothy Geithner ist zurück

Kaum im Amt, reihte US-Finanzminister Timothy Geithner Panne an Panne. Er wackelte. Nun reist er gestärkt zum Treffen mit den Amtskollegen der G20 in London – denn selbst Kritiker sagen, der Minister müsse einiges richtig gemacht haben.

WASHINGTON. Timothy Geithner platzt der Kragen. Er sitzt in einem großen nüchternen Konferenzraum im Finanzministerium an der Pennsylvania Avenue. Versammelt sind dort alle, die etwas mit Finanzaufsicht, Wertpapieren und Banken zu tun haben. Die Chefs von Bundesagenturen, Finanzgremien, Behörden. Zerfetzt hatten sie in den Wochen zuvor Geithners Pläne, die Kontrolle über das Finanzwesen komplett umzukrempeln und Kompetenzen neu zu verteilen. Kein gutes Wort haben sie an seinem Vorhaben gelassen.

Jetzt ist für den Finanzminister der Tag der Abrechnung gekommen. „Genug ist genug!“ brüllt der 48-Jährige. „Es reicht!“ Die Regulierer hätten genug Zeit gehabt, ihre Einwände zu äußern, es sei an der Zeit, damit aufzuhören. Und auf diese Einleitung folgen noch etliche nicht druckreife Ausdrücke, die Teilnehmer der Sitzung nur vage als „Obszönitäten“ umschreiben.

Gut vier Wochen sind seit diesem Spektakel vergangen, seit dem Machtwort des Politikers. Und kaum eine Begebenheit sagt mehr über die Verfassung des Timothy Geithner aus. Der Finanzminister ist in den vergangenen Monaten selbstbewusster, aggressiver geworden. Er kann es sich leisten.

Der Mann, der zunächst als Fehlbesetzung galt, als einer der ersten Kandidaten für die Ablösung im Kabinett von US-Präsident Barack Obama, dieser Mann hat eine beachtliche Wandlung hingelegt. Selbst kritische Beobachter wie der Nobelpreisträger Paul Krugman, der Geithner immer wieder Fehlentscheidungen vorgeworfen hat, sind verstummt oder gönnen ihm zumindest eine Atempause. Denn es sieht so aus, als habe Geithner, der oberste Krisenbekämpfer der Obama-Regierung, doch einiges richtig gemacht.

Die Banken an der Wall Street haben wieder Gewinne erwirtschaftet – zumindest auf dem Papier. Der freie Fall der Konjunktur ist gestoppt. Aber Geithner weiß auch, dass seine Aufgabe noch lange nicht erledigt ist. Sein Erfolg hängt davon ab, ob es ihm gelingt, den Bankensektor dauerhaft zu sanieren und zu stabilisieren. Wenn das klappt, kann auch Barack Obama als erfolgreicher Präsident in die Geschichtsbücher eingehen.

Immerhin aber kann Geithner souveräner in das heutige Treffen der G20-Finanzminister in London gehen als noch ein halbes Jahr zuvor. Er ist jetzt in einer deutlich stärkeren Position, wenn er mit Deutschen und Franzosen über die Notwendigkeit von weiteren staatlichen Hilfen für die Wirtschaft streitet oder über die Höhe von Boni für Banker diskutiert.

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