G20-Treffen
Rato warnt vor Inflationsrisiken

Der Chef des Internationalen Währungsfonds, Rodrigo Rato, ermahnt beim Treffen der G20-Staaten in Melbourne die internationalen Währungshüter, sehr wachsam die Inflationsraten zu beobachten.

HB MELBOURNE. Die Finanzminister und Notenbankchefs der 20 wichtigsten Industrie- und Entwicklungsländer sehen das weltweite Wirtschaftswachstum auf einem guten Weg. Rato warnte jedoch davor, angesichts des in den vergangenen Monaten gesunkenen Ölpreises die Inflationsgefahren zu vernachlässigen. Die Währungshüter müssten extrem wachsam in Bezug auf den Inflationsdruck sein, nicht nur in Industriestaaten sondern auch in Entwicklungsländern, sagte Rato. Es gebe keinerlei Anzeichen für einen anhaltenden Rückgang der Ölpreise, und der Spielraum für weitere Ausweitungen der Produktionskapazitäten in der Weltwirtschaft sei begrenzt. Zusammengenommen ergäben diese Faktoren einen möglichen Inflationsdruck.

Ähnlich äußerten sich auch andere Finanzexperten. In der Eurozone hätten die Inflationsrisiken kurzfristig zwar abgenommen, langfristig seien sie aber nach wie vor vorhanden, sagte Bundesbankpräsident Axel Weber. In der Eurozone sieht Rato durch ein stärker als erwartetes Wachstum Raum für eine weitere Straffung der Geldpolitik. „Wir sehen Bedarf, dass die geldpolitischen Behörden in Europa sich weiter auf Neutralität zubewegen, aber wir sehen keine Notwendigkeit für eine restriktive Geldpolitik, sicherlich nicht jetzt“, sagte der IWF-Chef. Wie dicht die Europäische Zentralbank an einem „neutralen Zinssatz“ ist, wollte er nicht sagen. Die Mehrheit der Analysten rechnet damit, dass die EZB den Leitzins im Dezember auf 3,5 Prozent anheben wird. Viele sehen in diesem Satz den Beginn einer neutralen Spanne.

Auch die chinesische Währungspolitik stand auf der Tagesordnung des Treffens. Kritiker Chinas - darunter vor allem die USA - werfen der Regierung in Peking vor, den Yuan bewusst unterbewertet zu halten, um so die Exporte anzukurbeln. Im Vorfeld des Treffens sagte der chinesische Notenbankchef Zhou Xiaochuan, China sei bislang nicht konkret auf seine Währungspolitik angesprochen worden. Der Finanzsektor sei mittlerweile deutlich stabiler als vor drei oder vier Jahren. Damit sei das Umfeld für Währungsreformen besser.

In Reichweite ist Rato zufolge der Abschluss eines Welthandelsabkommens. Die Politiker müssten jedoch eine stärkere Verantwortung übernehmen, um Differenzen zu überbrücken und die Verhandlungen der Doha-Runde zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Die Doha-Runde war im Juli im Streit über Beihilfen für die Landwirtschaft in den USA und der Europäischen Union gescheitert.

Etwa 5 000 Globalisierungsgegner demonstrierten größtenteils friedlich gegen das Treffen. Etwa 20 Vermummte provozierten Augenzeugen zufolge am Rande der Demonstrationen Zusammenstöße mit der Polizei. Sie durchbrachen eine Absperrung, warfen Flaschen und schlugen das Fenster eines Polizeifahrzeugs ein. Die Polizisten gingen mit Gummiknüppeln auf die gewalttätigen Demonstranten vor, Festgenommen wurde niemand.

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