G20 vs. US-Geldpolitik
Amerika – die isolierte Weltmacht

Die Bühne in Seoul ist bereitet, an der Rhetorik der Hauptdarsteller wird noch geschliffen. Ab Mittwoch beraten in Südkorea die 20 größten Staaten über den Kurs der Weltwirtschaft. Dabei spielen die USA die Rolle des Buhmanns - denn Washingtons Geldpolitik steht gehörig unter Beschuss.
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NEW YORK/BERLIN. Wenn es nach dem Willen der Bundeskanzlerin geht, sollen die absehbaren Konflikte innerhalb der G20-Nationen in der koreanischen Hauptstadt ruhig und sachlich beraten werden. Konfrontationen bringen nichts, weiß Angela Merkel. Vor allem nicht, wenn sie sich gegen die zwar geschwächte, aber immer noch weltgrößte Volkswirtschaft USA richten – oder gegen die kommende Supermacht China.

Im Vorfeld wurde der Vorschlag Washingtons abgeschmettert, Überschüsse und Defizite in der Handelsbilanz einzelner Länder auf einen Satz von vier Prozent des BIP zu begrenzen. Merkel ließ sich in der „Financial Times“ mit der Bewertung zitieren, dieser Vorschlag von US-Finanzminister Timothy Geithner sei unausgereift. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte Geithner gar einen „Rückfall in planwirtschaftliches Denken“ attestiert.

Inzwischen hat die US-Administration ihren Vorschlag zurückgezogen. Stattdessen will sie ein „Frühwarnsystem“ einrichten, das Handelsungleichgewichte früh aufzeigen soll. Aber selbst das wird in Deutschland sowie anderen G20-Staaten wie Brasilien und Japan mit Skepsis betrachtet. Dahinter steckt die Furcht erfolgreicher Exportnationen, an den „globalen Pranger“ gestellt zu werden, wie es in Berliner Regierungskreisen heißt.

Merkel will stattdessen auf dem Gipfel einen neuen Anlauf machen, um die seit Jahren in der Sackgasse steckende Liberalisierung des Welthandels (Stichwort Doha) wieder auf die Tagesordnung zu bringen. Hintergrund ist ihre Furcht vor einem neuen Protektionismus. Die Kanzlerin will selbstbewusst ihre Botschaft vortragen, dass die Welt mit dem Nachlassen der Krise wieder auf Konsolidierung setzen müsse. Es sei Zeit für einen Abschied von kreditfinanzierten staatlichen Konjunkturprogrammen.

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  • @Holzauge
    ich stimme ihnen weitestgehend zu. Die Frage, die sich jedem jetzt allerdings zwangsweise aufwirft ist: "was kommt jetzt"?
    Und da sind die Aussichten nicht allzu rosig. Das Konfliktpotential ist nämlich gewaltig. Auf der einen Seite eine angeschlagene, jedoch noch gefährliche USA, auf der anderen Seite ein Drache, der gerade das Feuerspeien gelernt hat, nun ausgewachsen ist und auf aggressiv expansivem Weltmachtkurs ist.
    Und dazwischen die EU, die bald auseinanderfallen könnte, weil die Spannungen zwischen den Ländern nicht viel geringer sind und noch größer werden.
    Und Russland dürfen wir auch noch nicht abschreiben mit Putin.
    Die Harmonie und der Frieden unserer Welt ist unter diesen Rahmenbedingungen massiv bedroht in der Zukunft. Solange es allen gut geht, ist man freundlich. Doch sobald es zu große Differenzen und Machtverschiebungen gibt, werden die Töne schärfer. Solange es nur bei Tönen bleibt, ist das kein Problem. Nur auf Töne folgen in der Regel auch Taten.
    Es braucht nur einer anzufangen...

  • Das Ende des kalten Krieges 1991 war nicht das Ende der Geschichte (nach Fukuyama), sondern das Ende einer Geschichte. Nämlich der Geschichte einer zweihunderrt Jahre währenden Expansion der USA, im 19. Jahrhundert über den amerikanischen Kontinent und im 20. über die Welt. Seitdem gibt es keine weiteren Expansionsmöglichkeiten mehr, es sei denn im virtuellen Raum, was die USA ja mit der dot.com-blase versucht haben.

    Nun fehlt den USA die Perspektive. in der Wirtschaft würde man sagen, die Firma hat keinen businessplan. Es wird schlicht auf Sicht navigiert. Die gehabte Finanzkrise hat hier ihren tiefsitzenden Ausgangspunkt. Und weitere Erschütterungen werden folgen, da in den USA zur Zeit jegliche Einsicht in die tieferen Zusammenhänge fehlt, sowohl bei der Regierung, als auch beim Volk.

  • http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,728228,00.html

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