G7-Gipfel auf Schloss Elmau Warum die Demonstranten gefrustet sind

Der Protest gegen den G7-Gipfel ist fast in sich zusammengebrochen: Wegen Horst Seehofer, feuchter Schlafsäcke, dem Wetter – aber vor allem wegen der Gipfelgegner selbst. Unser Elmau-Korrespondent zieht Bilanz.
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G7: Falsches Format und falsche Köpfe

MünchenHorst Seehofer hätte aus seiner Sicht wohl keine besseren Worte finden können. Nachdem der bayerische Ministerpräsident am Sonntag alle Staatsgäste auf dem Münchner Flughafen begrüßt und ihnen ausgiebig die Hand geschüttelt hatte, befand er schließlich: „Wir können Gipfel“.

Allen war klar, was er damit meinte: Wenn Bayern ein solches Großereignis ausrichtet, bei dem keine Störungen erwünscht sind – dann gibt es auch keine Störungen. Der Protest in Elmau fiel aus, der für diesen Montag geplante Protestmarsch wurde kurzerhand abgesagt (Begründung: „Sind schon so viel gelaufen“). Überhaupt hatten die Gipfelgegner kaum einen Auftritt – geschweige denn einen guten. Und das hat mehrere Gründe.

Zuerst einmal haben die Gipfelgegner selbst einen großen Anteil an ihrem Versagen. Durch die Aufspaltung in ein moderates und ein radikaleres Lager, die an zwei verschiedenen Orten (München und Garmisch) für zwei verschiedene Anliegen (Systemreform und Systemsturz) eintraten, war die Gruppe von vorn herein geschwächt. Der Kampf um Geld, Aufmerksamkeit und Einfluss kostete am Ende nicht nur allen Beteiligten Nerven, sondern überforderte offenbar auch die Protestierenden.

Der sogenannte Schwarze Block, vor dem vor allem die bayerische Staatsregierung immer wieder gewarnt hatte, blieb fast vollständig weg – wohl auch, weil er sich bei den EZB-Krawallen im März in Frankfurt verausgabt hatte. Das war eine gute Nachricht für alle Einheimischen und auch für die friedlichen Demonstranten. Und doch müssen sie unzufrieden sein. Denn insgesamt kamen weit weniger Menschen zu den Aktionen als erwartet.

Die Lehre daraus ist aus Sicht der Demonstrannten, sich vor Großereignissen künftig auf einen gemeinsames, gewaltloses Aktionsbündnis zu einigen. Das sorgt nicht nur für mehr Geschlossenheit – es führt auch dazu, dass die Politiker und die Medien die Demonstranten und ihre Anliegen ernster nehmen.

Der nächste Grund für den ausgefallenen Protest liegt in München bei der bayerischen Staatsregierung und der Einsatzleitung der Polizei. 20.000 Beamte waren während den Gipfeltagen in Südbayern im Einsatz, zeitweise kamen fünf Polizisten auf einen Protestierenden. Gegen diese staatliche Übermacht hatten sie einfach keine Chance – und die Behörden hätten ihnen wohl auch keine gelassen.

Nicht nur die Menschen in Garmisch fühlten sich ob der massiven Polizeipräsenz unwohl. Auch die inoffiziellen Bilder des Gipfelortes können niemanden befriedigen. Eine Demokratie, die sich so massiv gegen Demonstranten wehren muss, die Telefone abhört, Grenzen überwacht und den Luftraum sperrt - eine solche Demokratie zeigt Angst. Nach den Krawallen rund um die EZB-Eröffnung in Frankfurt war das vielleicht sogar gerechtfertigt.

Übertriebene Scheriff-Politik
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37 Kommentare zu "G7-Gipfel auf Schloss Elmau: Warum die Demonstranten gefrustet sind"

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  • Man kann über diesen Gipfel nur gefrustet sein, die Teilnehmer feiern doch nur sich selbst. Dass sich die Bevölkerung von von Krün als lebendige Fassade eines potemkinschen Dorfes nicht zu schade ist!? Für ein blödes Frühstück, und die Aussicht ins Fernsehen zu kommen, würde ich nicht das Klatschäffchen geben.
    Ich bin bestimmt kein Freund von Gewalt, aber friedliche Demonstrationen kann man auch gleich ganz lassen. Die werden schlicht gar nicht nur zur Kenntnis genommen. Die Presse tanzt eh geschlossen nach Erikas Pfeife - warten wir einfach ab, bis Churchill wieder Recht bekommt: "Die Deutschen hat man nie auf Augenhöhe, entweder zu Füßen oder an der Kehle." Der Propaganda-Expertin sei Dank, noch liegen ihr die Deutschen zu Füßen...

  • "weil die sich verlaufen würden und dann vom Bären gefressen werden."
    Klingt gut! (:

  • Die Chaoten sind unberechenbar - und damit auch nicht "Deutschland". Geht´s noch? Überprüfen Sie ihre Argumentation doch mal auf Stringenz bevor Sie sich so aus dem Fenster lehnen. Oder ist das Ihr Verständnis von Demokratie? Alleine wären Sie damit allerdings wohl nicht. seufz...

  • Nachtrag zu "halben Milliarde US-Dollar an Kosten ... gar nicht mehr darstellbar"

    Der von Ihnen immerwährend verteidigte Herr Putin weiß um die Wirkung von Werbung und Imagepflege und handelt entsprechend. Vielleicht haben Sie ihren aufkeimenden Unmut gegen die immensen Kosten für Sotschi ja unterdrückt, um ihren Schutzbefohlenen Putin nicht zu beschädigen. Oder messen auch Sie mit zweierlei Maß, so wie sie es "dem Westen" vorwerfen?

  • Hallo,

    wenn ein Gipfel ungefähr 300 Mio Euro kostet, dann finde ich, dass das sehr viel Geld ist.

    Wäre es nicht besser einfach in der Wüste oder am Nordpol für ca 2 Mio Euro ein Hotel zu bauen, wo der Gipfel statt finden kann?

    Demonstrationen wird es dann keine geben. Man braucht weder Polizei noch Sicherheitsdienste, weil niemand den langen Weg an den Nordpol/Wüste/Südpol etc. unternimmt. Grönland ginge auch. Oder igendwo in Kanada im Wald. Da kommt nie einer der Demonstranten an, weil die sich verlaufen würden und dann vom Bären gefressen werden. Wald in Kanada = so gross wie Europa...

    Oder b) Einfach Videokonferenz. Ist noch billiger und sollte im Jahre 2015 ja wohl gehen. Siehe Marvel Film : The winter soldier.

    c) Einfach ein Schiff für 1 Woche mieten. Alle Regierungsleute drauf und den Demonstranten wird die Grundlage entzogen, weil sie keinen festen Ort mehr haben, wo sie noch Demonstrieren können.


    VG
    Marvel

  • Sind damit auch friedliche Pegida-Demonstranten gemeint- oder nur die "guten" Antifanten??

  • Fortsetung

    "halben Milliarde US-Dollar an Kosten ... gar nicht mehr darstellbar"

    Die wirtschaftliche Wirkung von Werbung und Imagepflege ist auch Ihnen sicher nicht unbekannt. "Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm" - dorthin orientieren sich die Menschen - seinen sie nun arm oder reich - dort wollen sie leben und arbeiten, dort investieren sie für ihre Zukunft.
    Die Bilder gehen um die ganze Welt. Hier wurde eine außergewöhnliche Chance von unserer Regierung sehr gut genutzt zum Vorteil von Deutschland - der liegt doch auch Ihnen am Herzen.

    ---

    "die Ergebnisse ... stehen erst recht nicht im Verhältnis zu den Kosten"

    Die Wirkungen von persönlichen Begegnungen sind nicht immer in Heller und Pfennig zu messen. Was wäre aus der Wiedervereinigung geworden ohne das so - also durch persönliche Begegnung - bei Gorbatschow zu Kohl entstandene Vertrauen? Im Zweifelsfall befände sich der Osten Deutschlands und damit sicher einige der hier Kommentierenden noch hinter "schützendem" Stacheldraht.

  • "Eine Demokratie, die sich so massiv gegen Demonstranten wehren muss, die Telefone abhört, Grenzen überwacht und den Luftraum sperrt - eine solche Demokratie zeigt Angst."
    und ist vielleicht bereits am Ende.

  • (o:)

  • Seehofer kann gar nichts außer bescheuert zu sein.

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