G7-Gipfel der Finanzminister
Brainstorming im Barockschloss

1000 Polizisten, hohe Stahlgitter, viel Symbolik: In Dresdens historischer Altstadt wollen die G7-Finanzminister über das politische Tagesgeschäft hinausdenken. Schäuble erinnert und mahnt. Doch ein Problem holt ihn ein.
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DresdenInspiriert haben Wolfgang Schäuble die Briten. Als sie vor zwei Jahren G7-Gastgeberland waren, luden sie die Finanzminister und Notenbankgouverneure erstmals zu einem reinen Dialog-Treffen ein, das auf Beschlüsse bewusst verzichtete: Wie zu Beginn der Gipfeltreffen in den 70er-Jahren sollte die Zeit nicht für den Streit um Formulierungen im Detail, sondern zum Nachdenken genutzt werden.

So ganz aus der Welt wie der englische Landsitz damals ist Sachsens Landeshauptstadt natürlich nicht. 1000 Polizisten und hohe Stahlgitter, von Sachsens Regierung extra mit barocken Verzierungen bestellt, schirmen das Taschenbergpalais und das Residenzschloss ab. Die übrige Altstadt bleibt aber frei zugänglich, sogar die Gaststätten rund um die Frauenkirche, dem Ort der festlichen Eröffnung am Mittwochabend, bedienen an Tischen auf dem Platz. Und eine kleine Gruppe Demonstranten der Entwicklungshilfe-Organisation „One“ lässt Luftballons, bedruckt mit den Köpfen der G7-Regierungschefs, über dem Neumarkt schweben, den die Delegationsbusse überqueren.

Die barocke Altstadt taugt für Gastgeber Schäuble zum Symbol. In der Frauenkirche erinnert er seine Kollegen aus den USA, Japan, Frankreich, Großbritannien, Italien und Kanada an die Zerstörung Dresdens durch britische Brandbomben am 13. Februar 1945 und an den Wiederaufbau der Ruine mit privaten Spenden nach der deutschen Wiedervereinigung. Geld, das vor allem auch aus Großbritannien kam.

Aber er spricht auch von den Islam- und fremdenfeindlichen Pegida-Demonstrationen, die aus Angst vor dem Unbekannten entstanden seien. „Wir müssen diesen Ängsten entgegentreten“, sagte Schäuble: „Denn kein Land kann die Herausforderungen der Globalisierung alleine meistern.“

Für Schäubles britischen Kollegen George Osborne, der die Festrede hält, ist die Frauenkirche Symbol für die Macht der Zerstörung, aber auch die Kraft des Wiederaufbaus: Die Kampfpiloten damals kamen aus den G7-Staaten Großbritannien, Kanada und den USA, erinnert er. Doch das Kreuz auf der neuen Kuppel fertigte der Sohn eines der britischen Kampfpiloten. „Nur die Deutschen schaffen es, eine Kathedrale innerhalb des Zeitrahmens und des Budgets wiederaufzubauen“, sagt Osborne. Welcher deutsche Zuhörer denkt da nicht an den Berliner Großflughafen? Und Osborne mahnt: „Wir sollten aber nicht nur die Länder sein, die historisch führend waren, sondern wollen dies auch in Zukunft sein“.

Um auf neue Ideen zu kommen, haben die G7 an diesem Donnerstag erstmals berühmte Wirtschaftswissenschaftler eingeladen, darunter Robert Shiller, Kenneth Rogoff und den früheren US-Finanzminister Lawrence Summers.

Kommentare zu " G7-Gipfel der Finanzminister: Brainstorming im Barockschloss"

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  • Die wichtigste Aufgabe von W. Schäuble ist, nunmehr die unangemessen hohe Staatsquote von dzt. 52% in der BRD auf wettbewerbsgerechte 30% zu senken. Das geht durch solide Politik: Abbau des mit nicht hoheitlichen Aufgaben aufgeblähten Beamtenapparats (Bahn, Post, Lehrer, Verwalter....die kosten über 200 Mia jährlich) und durch Ausbau der Autobahnen im Westen entsprechend dem seit 25 Jahren mehr als verdoppelten Verkehrsaufkommen. Das sind die Hausaufgaben seit mehr als zwei Jahrzehnten!

  • 1000 Polizisten, hohe Stahlgitter"
    Die Typen um Murksel bekommen immer mehr Angst von ihren Multi-Kulti-Kreaturen.
    Die eigenen Völker können die Bande auch nicht mehr ertragen, eine Schande für Europa die EU
    und ihre Freunde.

  • Diesem Verschieben von Gewinnen könnte man ganz schnell einen Riegel vorschieben, indem jede ausländische Gesellschaft eine inländische Betriebsstätte eröffnen und eine Konzernbilanz vorlegen muss. Der Konzerngewinn wird dann nach den jeweiligen Umsätzen in den verschiedenen Ländern aufgeschlüsselt und versteuert. Die inländische Bilanz hätte nur noch Bedeutung für Sonderfaktoren. Eine internationale Zustimmung dürfte dieses Modell wohl nicht erhalten. Auch ist es mehr als fragwürdig, ob Deutschland als Exportnation steuerlich davon profitieren würde. Aber dem Unfug, dass internationale Konzerne mit einem Briefkasten in einer Steueroase ihren Konzernsitz begründen dürfen, muss ein Ende bereitet werden!

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