G8-Gipfel
Augenwischerei zwischen den Wolken

Die Anwohner nennen es nur noch die "Gipfel-Hölle": Das G8-Treffen in Toyako soll für Japans Umwelttechnologie werben, wirbelt aber nur den beschaulichen Ort durcheinander. Mit Massenprotesten wie in Heiligendamm rechnet niemand - dabei sind die Themen durchaus brisant.

TOKIO. Weit oben auf einem Berggrat, 620 Meter über der spiegelnden Wasserfläche des Toya-Sees, werden sich die Mächtigen der Welt versammeln. Noch sind es zwei Wochen bis zum G8-Gipfel in Toyako auf Japans Nordinsel Hokkaido. Doch das Treffen der Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen und Russlands wirft schon heute seine Schatten voraus: "In letzter Zeit kommen viel weniger Touristen als sonst", klagt die Wirtin des Spezialitätenrestaurants Okadaya am Fuß des Berges unter dem Tagungshotel. "Aber immerhin haben wir 20 000 Polizisten mehr in der Region - und davon essen immer einige bei uns zu Mittag."

Andere Anwohner sprechen heute schon unverblümt von der "Gipfel-Hölle". Ununterbrochen patroullieren Polizeiwagen mit Blaulicht in den eingezäunten Straßen, alle paar hundert Meter steht ein Polizist in hellblauer Uniform. "Das schafft eine angespannte Atmosphäre, und dann sollen in zwei Wochen auch noch Randalierer kommen", sagt ein älterer Mann und zeigt anklagend auf das Windsor-Hotel, wo die Regierungschefs per Hubschrauber anreisen werden.

Von oben haben die Politiker einen schönen Blick auf den See, in dessen Mitte sich eine Insel aus zwei Vulkankegeln erhebt. Für den britischen Premier Gordon Brown, Frankreichs Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und Russlands neuen Kreml-Chef Dmitrij Medwedjew ist es der erste G8-Gipfel. Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi nimmt dagegen schon zum sechsten Mal teil.

Japan ist zum vierten Mal Gastgeber, die Bürokraten in Tokio wissen also, woran sie sind: "Seit Januar bin ich ununterbrochen für den Gipfel unterwegs", sagt Masaharu Kono, Staatssekretär im japanischen Außenministerium. "Derzeit wird es hektischer als je zuvor." Kono bereitet den Gipfel für Japans Premier Yasuo Fukuda vor, der ebenfalls ein Gipfel-Neuling ist. Als sogenannter Sherpa muss er sich mit seinen Kollegen aus den anderen sieben Ländern über die Themen abstimmen. Diesmal wird es um den Klimawandel, steigende Nahrungs- und Ölpreise und die Entwicklung Afrikas gehen. Dazu kommen Beratungen über das internationale Finanzsystem und internationale Krisenherde wie Nordkorea und Afghanistan.

"Es wird dieses Jahr ein ganz anderer Gipfel als voriges Jahr in Heiligendamm", sagt Kono. Die weltweite Ernährungskrise sei etwa erst vor zwei Monaten auf dem Radar der G8 aufgetaucht. "Dieses Mal zeigt sich stärker, dass die globalen Probleme alle irgendwie zusammenhängen."

Seite 1:

Augenwischerei zwischen den Wolken

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%