G8-Gipfel in Camp David: Alle gegen Merkel

G8-Gipfel in Camp David
Alle gegen Merkel

Europas Krisenmanagement steht im Mittelpunkt des G8-Gipfels. Dabei richten sich alle Augen auf Kanzlerin Merkel und ihren umstrittenen Sparkurs. Die US-Regierung will damit nicht zuletzt von sich selbst ablenken.
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WashingtonGeht es nach dem Willen der Strategen im Weißen Haus, dann wird der G8-Gipfel im Camp David eine Konferenz der Konsolidierung. "Back to basics" haben die USA das heute beginnende Treffen der Regierungschefs etikettiert. Doch tatsächlich wird sich auch dieser Gipfel vor allem mit Krisenmanagement beschäftigen. Kanadier und Briten läuten seit Tagen die Alarmglocken. Im Fokus dabei: Angela Merkel.

Der britische Premier David Cameron warnte diese Woche, dass der Euro "vor dem potenziellen Zerfall" stünde, da sich die Mitglieder der Euro-Zone nicht auf eine einheitliche Wirtschaftspolitik einigen könnten. Und der kanadische Finanzminister Jim Flaherty prophezeite einen "Finanzschock", der auch sein Land erfassen würde. Unabhängig davon, ob man diese Einschätzungen teilt: Die G8- und Euro-Zonen-Mitglieder Deutschland, Frankreich und Italien werden auf dem Feriensitz des US-Präsidenten Obama erklären müssen, wie sie die Euro-Krise in den Griff bekommen wollen.

"Sie müssen die Welt davon überzeugen, dass sie den Herausforderungen gewachsen sind", legte US-Finanzminister Timothy Geithner kurz vor dem Gipfel die Marschroute fest. Matthew Goodman vom Center for Strategic and International Studies (CSIS) in Washington hofft gar auf "peer pressure", verstärkten Druck der Partner, "damit sich Europa weiter bewegt". Denn der Fiskalpakt und weitere Finanzzusagen der Europäer reichen den meisten nordamerikanischen Beobachtern nicht aus. Sie glauben, dass es noch erheblich mehr Geldes bedarf, um einen möglichen Kollaps Spaniens oder Italiens abzufedern.

Die US-Medien spekulierten am Donnerstag bereits darüber, ob sich die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Gipfel flexibel zeigen werde. In einem Interview mit dem amerikanischen Fernsehsender CNBC sprach sie von einer "Wachstumskomponente", die zu dem Fiskalpakt gehöre. Als Neuausrichtung der bisherigen Linie wurde auch das klare Bekenntnis der Kanzlerin interpretiert, dass Griechenland Mitglied der Euro-Zone bleiben solle und dass man "offen" sei für Konjunkturhilfen, die Athen zugutekommen könnten. Merkel wird in den USA seit Monaten heftig für ihren Sparkurs attackiert, der auf den Abbau von Defiziten setzt.

Kommentare zu " G8-Gipfel in Camp David: Alle gegen Merkel"

Alle Kommentare
  • Viele Politiker haben es immer noch nicht begriffen: der Zug fährt gegen die Wand, Deutschland wird von den anderen heruntergezogen und wird selbst ertrinken, wenn es auf der Euroschiene so weitermacht. Deutschland muss sich also erst einmal freischwimmen, und das heisst, eine eigene Deutsche Währung.

    Das Gegenargument der Aufwertung muss man auch ein wenig differenzierter betrachten:

    1. Deutschland hatte auch zu DM Zeiten Handelsüberschüsse, nicht -defizite.

    2. Eine DM Aufwertung hatten wir ständig seit der DM Einführung und hat Deutschlands wirtschaftlichen und sozialen Wiederaufstieg nach dem Krieg doch nicht aufgehalten, sondern ganz in Gegenteil das Deutsche und in der ganzen Welt bewunderte Wirtschaftswunder erst hervorgebracht!

    3. 40% der Exportprodukte kommen selbst aus Importprodukten und werden also billiger durch eine Aufwertung der DM.

    4. Führt eine Aufwertung der DM zu mehr Kaufkraft der Deutschen Bevolkerung, das heisst, der deutsche Arbeitnehmer kriegt wieder etwas für sein Geld statt ständig zu verlieren, wie unter dem Euro! Das ist die sogenannte Sozialdividende. Deshalb ist ja auch der Lebensstandart in starken Wahrungsländern wie der Schweiz und in der Bundesrepublik zu DM Zeiten so hoch gewesen!

    5. Eine stärkere DM führt zu mehr Innenkaufkraft und damit mehr Importen, was anderen Ländern zugute kommt und deren Wirtschaftleistung fördert und hilft, von Transferleistungen unabhängig zu werden.

    6. Die Abwertungen, zB der griechischen Drachme und der italienischen Lira, führen zu deren Wettbewerbsstärkung und damit der Möglichkeit, nicht auf Pump anderer, sondern eigenständig zu wachsen.

    7. Summa summarum werden Europa und die Welt nicht stärker, wenn die letzten noch funktionierenden Wirtschaften auch noch kurzsichtig kaputtgemacht werden.

    Deswegen brauchen wir in Deutschland und in Europa unsere eigenen Länderwährungen, um dadurch wirtschaftlich wieder in Fahrt zu kommen und unsere politische Freiheit zu retten.

  • Es ist doch alles nur noch ein offensichtliches Theater, das Macht und Politik uns vorspielen, aber es wird immer weiter durchschaut. Hier ist ein sehr erhellender Artikel darüber, wie die Geldeliten die Fäden in der Hand halten und sich die Intellektuellen als Handlanger hörig machen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=13260

  • [+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++]

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