G8-Gipfel in Japan
Aufbruch zu neuen Horizonten

Der Klimaschutz galt als eines der heikelsten Themen des G8-Gipfels im japanischen Toyako. Doch unter der Schirmherrschaft der USA wurde erstaunlich schnell eine Einigung über das weitere Vorgehen erzielt. Was Diplomaten als verblüffenden Erfolg feiern, ist Umweltschützern jedoch bei weitem nicht genug.
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TOYAKO. Wie schnell sich das G8-Karussell dann doch drehen kann. Während sich medienerfahrene G8-Führer wie Silvio Berlusconi, Nicolas Sarkozy oder Angela Merkel nach langen Verhandlungen oben in ihren Hotelzimmern für die Kameratermine des nächsten Tages ausschliefen, saßen unten in den Konferenzräumen noch die Sherpas und knobelten einen Fortschritt in der Klimafrage aus. Das Treffen der acht Gipfelberater dauerte bis drei Uhr früh – nicht ungewöhnlich für eine große Konferenz.

Ohne die Vorgabe von US-Präsident George W. Bush, einen Kompromiss zuzulassen, wäre freilich nichts passiert. Doch als die ausgeschlafenen hohen Herren und die eine Dame sich dann im Windsor-Hotel auf der nordjapanischen Insel Hokkaido zur Besprechung trafen, mussten sie nur noch kleine Korrekturen am Entwurf der Sherpas vornehmen. Die entscheidenden zwei Sätze waren bereits fixiert: Die G8 hat die „Vision“, gemeinsam mit der Uno den weltweiten Treibhausgasausstoß zu halbieren. Und sie verlangen von den Schwellenländern zunächst nur, sich ebenfalls anzustrengen – ohne konkrete Vorgabe.

Die Verhandlungen liefen erstaunlich glatt, berichten Teilnehmer vom Berggipfel. Eine Weile war es still geworden um das Zauberwort „Heiligendamm“, jetzt tauchte es plötzlich wieder auf. Der Kurort an der Ostsee gilt nun als der Platz, der die konkrete Formulierung von Hokkaido möglich gemacht hat. Denn während Merkel in Heiligendamm noch um jede Nebensatz-Windung ringen musste, konnte der diesjährige Gipfel mit dem Abschlussdokument von 2007 fortfahren. Von der Wortwahl, zu „prüfen“, die Treibhausgase bis 2050 zu halbieren, bis zur „Vision“, war der Weg halt doch nicht so weit wie befürchtet.

Dafür bleibt der Weg vom offiziellen Arbeitsort der Medien zum Schauplatz des barocken Gipfelzirkus auf einem Berggipfel endlos weit. Der Kontakt zwischen den Journalisten und den Akteuren war diesmal besonders schwer. Damals, in Heiligendamm. war das G8-Tagungshotel zwar von einem mehrere Kilometer langen Zaun umfasst – es lag aber nicht, wie diesmal, am Rand eines Vulkankraters auf einem schroffen Kliff. Knapp 200 Millionen Euro gibt die japanische Regierung allein für die Sicherheit der Gipfelteilnehmer aus. Im Meer kreuzen Fregatten, um Angreifer und Störer abzuschrecken. Über dem Toyako-Nationalpark herrscht Flugverbot. Alle Maschinen auf dem Weg von Tokio zur Präfekturhauptstadt Sapporo müssen einen Umweg fliegen.

Das alles geschieht zum Wohl der acht Staats- und Regierungschefs, deren Wichtigkeit durch den enormen Aufwand rund um das G8-Treffen demonstriert wird. Am Dienstagnachmittag lächeln die Gipfelteilnehmer stolz auf den Fernsehbildern des Regierungs-TV. Die großen Flachbildschirme sind im 30 Kilometer entfernten Medienzentrum allgegenwärtig. Nur der gastgebende Premier Yasuo Fukuda spricht ruhig und leise wie immer. Doch dann blitzen seine Augen doch, als er vom „Erfolg des G8-Summits bei uns in Toyako“ spricht. Sein Gipfel ist ein Erfolg – und gute Nachrichten hat Fukuda innenpolitisch dringend nötig. Die Opposition macht ihm derzeit mit vielen Angriffen das Leben schwer.

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