Gabriel droht Vietnam
„Methoden, die man sonst in finsteren Filmen sieht“

Nach der mutmaßlichen Entführung eines Unternehmers droht die Bundesregierung Vietnam mit weiteren Maßnahmen. Außenminister Gabriel verurteilt die Tat. Der asiatische Staat hält an seiner Version der Geschichte fest.
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WolfsburgFür die Bundesregierung ist der Fall des aus Berlin verschwundenen vietnamesischen Geschäftsmannes Trinh Xuan Thanh noch lange nicht erledigt. Außenminister Sigmar Gabriel sagte am Freitag in Wolfsburg: „Das ist etwas, das wir nicht dulden werden und nicht dulden können.“ Über weitere Maßnahmen gegen Vietnam werde zurzeit noch beraten. Mit der Ausweisung der dafür Verantwortlichen sei die Angelegenheit keineswegs abgeschlossen, fügte er hinzu. Den Vertreter des vietnamesischen Nachrichtendienstes an der Botschaft in Berlin hatte das Auswärtige Amt am Mittwoch mit einer Frist von 48 Stunden zur Ausreise aufgefordert.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass der vietnamesische Geheimdienst und die Botschaft der Sozialistischen Republik an der Verschleppung des Asylbewerbers und ehemaligen Funktionärs der Kommunistischen Partei nach Vietnam mitgewirkt haben. Zeugen hatten am 23. Juli in Berlin beobachtet, wie ein Mann und eine Frau mit Gewalt in ein Auto bugsiert wurden. Später tauchten beide in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi auf.

Thanhs Berliner Anwälte sind überzeugt, dass sie gekidnappt wurden. Gabriel sagte: „Jedenfalls ist der mit Methoden außer Landes gebracht worden, nach unserer Auffassung, die sie ansonsten in finsteren Filmen über den Kalten Krieg sehen können.“

Aus dem Auswärtigen Amt hieß es am frühen Abend, das Ministerium gehe davon aus, dass der Diplomat, der zur „Persona non grata“ erklärt worden war, Deutschland inzwischen verlassen hat. Eine 48-stündige Frist für seine Ausreise war am Nachmittag abgelaufen.

Das vietnamesische Staatsfernsehen hatte am Donnerstag Aufnahmen mit einem vermeintlichen Geständnis des Geschäftsmanns gezeigt. Dabei war Thanh zu sehen, wie er behauptete, sich selbst gestellt zu haben. Ihm sei klar geworden, dass „ich zurückkehren und der Wahrheit ins Gesicht sehen, meine Fehler zugeben und mich entschuldigen muss“. Unklar war, unter welchen Bedingungen die Aufnahme entstand.

Thanh wird zur Last gelegt, als Chef einer Tochterfirma des staatlichen Öl- und Gaskonzerns PetroVietnam für Verluste von umgerechnet etwa 125 Millionen Euro verantwortlich zu sein. Bei einer Verurteilung droht ihm im schlimmsten Fall die Todesstrafe.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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