Gaddafi-Beamter
Nato bereitet Vormarsch der Rebellen vor

Der stellvertretende libysche Außenminister Kaim beschuldigt die Nato, mit ihren Bombardements einen Vorstoß der Rebellen auf Tripolis vorzubereiten. Außerdem seien kolumbianische Söldern zu den Rebellen gestoßen.
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TripolisEin ranghoher libyscher Beamter hat die Nato beschuldigt, mit verstärkten Luftangriffen einen Vormarsch der Rebellen auf die Hauptstadt Tripolis vorzubereiten. Der stellvertretende libysche Außenminister Chaled Kaim sagte am Donnerstag, die Nato befinde sich in der Endphase der Luftangriffe. Der geplante Vorstoß auf Tripolis werde jedoch scheitern. Zivilpersonen müssten den Preis dafür bezahlen.

Die Nato habe auf Polizeikontrollpunkte im Nafussa-Gebirge südwestlich von Tripolis abgezielt, sagte Kaim weiter. Der Angriff sei vor einem Vorstoß der Rebellen auf das Dorf Kawalisch erfolgt, dass die Aufständischen nach eigenen Angaben am Mittwoch unter ihre Kontrolle brachten. Die Rebellen seien später von Regierungstruppen zurückgedrängt worden, sagte Kaim.

Auch ein Treibstofflager in der strategisch wichtigen Ölstadt Brega sei zerstört worden, sagte der stellvertretende Außenminister. Die Nato erklärte, sie habe bei Luftangriffen Ausrüstung getroffen, die zur Wiederauftankung von Militärfahrzeugen der libyschen Regierung genutzt worden sei.

Die intensivierten Luftangriffe der Nato konzentrierten sich auf zivile Infrastruktur und Polizeikontrollpunkte sowie darauf, die Rebellen mit zusätzlichen Waffen zu versorgen, sagte Kaim. „Das Ziel dieser Angriffe ist es, den Rebellen dabei zu helfen, vorzustoßen“, sagte der Libyer. „Aber ich versichere Ihnen, es wird ein weiterer Misserfolg für sie (die Nato) sein.“ Kaim erklärte weiter, die libysche Regierung habe Beweise, dass vom Westen und den Golfstaaten unterstützte kolumbianische Söldner zu den Rebellen gestoßen seien. Gemeinsam wollten sie nun von der im Westen gelegenen Stadt Misrata nach Tripolis ziehen.

Einige der kolumbianischen Söldner seien am Mittwoch bei Kämpfen nahe Misrata ums Leben gekommen, sagte Kaim. Seine Aussage belegen konnte er aber nicht. Allerdings würden in Tripolis ansässigen Journalisten demnächst Beweise vorgeführt, sagte er.

Die libyschen Rebellen mussten bei den Gefechten vor der von ihnen gehaltenen Stadt Misrata am Mittwoch schwere Verluste hinnehmen. Soldaten des libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi feuerten mehr als 500 Raketen auf Rebellenstellungen nahe der Stadt Slitan ab. Nach Angaben eines Arztes wurden 18 Rebellen und zwei Zivilpersonen getötet, darunter ein zwölfjähriges Mädchen. 30 weitere Menschen seien verletzt worden.

Die Rebellen übernahmen am Mittwoch neben Kawalisch auch die Kontrolle über das Dorf Kikla im Nafussa-Gebirge, wie ein Mitglied des örtlichen Militärrates mitteilte. Die Aussage Kaims, wonach die Rebellen inzwischen aus Kawalisch zurückgedrängt worden seien, konnte nicht sofort bestätigt werden. Die Rebellen kontrollieren inzwischen einen Großteil des im Nordwesten von Libyen gelegenen Nafussa-Gebirges. Die meisten von den Rebellen gehaltenen Gebieten liegen im Osten des Landes.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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