Gaddafi stellt Miliz auf
Fragile Waffenruhe in Libyen

Mit dem bis an die Zähne bewaffneten Rest seiner Streitkräfte hält Muammar Gaddafi in Tripolis die Stellung. Sein Einfluss im eigenen Land schwindet jedoch immer mehr. Die USA haben derweil erste Sanktionen verhängt.
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Viel Waffen, wenig Soldaten: Muammad Gaddafi gräbt sich in Tripolis ein.

Die Zahl der Getreuen des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi schrumpft offenbar mit jedem Tag. Am Samstag kontrollierten seine Truppen nur noch wenige größere Städte. Neben der Hauptstadt Tripolis waren dies unter anderem Gadames, Sebha und Gaddafis Heimatstadt Sirte. Die internationale Gemeinschaft erhöhte inzwischen den Druck auf den libyschen Diktator - allen voran die USA. Sie verhängten noch vor den Vereinten Nationen und der EU Sanktionen gegen die Führung des nordafrikanischen Staates.

Der libysche Machthaber lässt nach Angaben von Einwohnern allerdings in Tripolis regimetreue Zivilisten bewaffnen, um gegen Demonstranten vorzugehen. In den Straßen der Hauptstadt patrouillierten zahlreiche Zivilpersonen, wie Einwohner am Samstag telefonisch berichteten. Sie sollten Kontrollstellen errichten und gegen Regierungsgegner vorgehen.

Gaddafi hatte am Freitag angekündigt, die Waffendepots zu öffnen, „sodass alle Libyer und Stämme bewaffnet werden“. Während einer Rede in Tripolis rief er Anhänger auf, die Demonstranten zu bekämpfen und „die Nation zu verteidigen“. Protestierende Regierungsgegner gerieten am Freitag bei den ersten größeren Demonstrationen in Tripolis seit Tagen in einen Kugelhagel.

Am Samstag blieben die meisten Einwohner der Hauptstadt aus Furcht zu Hause. Die Mehrzahl der Geschäfte war geschlossen, vor geöffneten Bäckereien bildeten sich Schlangen von Menschen, die sich mit Vorräten eindecken wollten.

Regimetreue Sicherheitskräfte schüchtern die Bevölkerung ein. Ein Ägypter berichtete, dass Soldaten von Haus zu Haus gegangen seien und auf Eingangstüren gefeuert hätten, damit die Menschen ihre Häuser nicht verließen. Viele Bewohner hätten keine Lebensmittelvorräte mehr.

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