Gaddafi trifft am Dienstag Romano Prodi
Libyen öffnet sich für Öl-Investoren

Libyen will nach der Aufhebung der internationalen Sanktionen eine größere Rolle auf dem Weltenergiemarkt spielen. Die Öl-Reserven seines Landes seien drei mal so groß wie bisher angenommen, warb Energieminister Fathi Omar ben Shatwan am Rande einer internationalen Wirtschaftskonferenz in Tripolis um Investoren.

TRIPOLIS. Die Reserven könnten sich auf bis zu 100 (bisher 36) Mrd. Barrel belaufen. Die Attraktivität Libyens für ausländische Öl-Investoren würde weit über das bisherige Maß hinaus steigen.

Der Öffnungskurs des Wüstenlandes rechnet sich: Die USA haben nach 18 Jahren ihre Handelssanktionen gegen Libyen weitgehend aufgehoben und grünes Licht für die Einrichtung einer US-Vertretung in Tripolis gegeben. US-Firmen und Einzelpersonen dürfen ab sofort wieder in Libyen tätig werden und investieren, unter anderem im Ölsektor. US-Banken ist es gestattet, solche Geschäfte zu finanzieren. Damit werde Libyens Verzicht auf Massenvernichtungswaffen gewürdigt, teilte die US-Regierung in Washington mit. Am Dienstag wird der libysche Revolutionsführer Muammar el Gaddafi zu Gesprächen unter anderem mit EU-Kommissionspräsident Romano Prodi in Brüssel erwartet. Auch in Europa bemüht sich Libyen um Investoren in seinen Ölsektor.

Sollten sich die Annahmen des Energieministers bestätigen, würde Libyen über rund 10 % der Welterdölreserven verfügen. Westliche Ölexperten in Tripolis halten diese Annahme nicht für unrealistisch. „Libyen verfügt über ein großes unerschlossenes Potenzial“, sagt Bernhard Schmidt, Vorstandsmitglied der BASF-Tochter Wintershall, die seit 1958 in Nordafrika in der Exploration von Öl und Gas aktiv ist. Um die Reserven erschließen zu können, müssen laut libyscher Regierung in den nächsten sechs bis sieben Jahren 30 Mrd. Dollar in die Modernisierung der Ölindustrie investiert werden.

Die libysche Regierung will die Förderkapazitäten sukzessive auf 3 Mill. Barrel pro Tag erhöhen. Das Land bietet jedoch noch zusätzliches Potenzial. 70 % der Landfläche Libyens sind nach Angaben des Planungsdirektors der libyschen National Oil Corporation, Tarek Hassen-Beck, nicht systematisch nach Ölreserven erforscht worden. Zur Zeit fördert Libyen täglich mehr als 1,4 Mill. Barrel. Die von der Opec zugestandene Quote beträgt allerdings nur 1,26 Mill. Barrel. Je nach Ölpreis nimmt Libyen 12 bis 15 Mrd. Dollar jährlich aus der Ölförderung ein, das entspricht gut 90 % aller Staatseinnahmen.

Spätestens Mitte Mai will Tripolis die Opec-Vorgaben wieder einhalten. Dem Handelsblatt erklärte der Energieminister allerdings, Libyen wolle sich bei der Opec dafür einsetzen, die Fördermenge künftig auf 2 Mill. Barrel zu erhöhen, auch um neue Anreize für Investoren zu schaffen. Diese Marke hatte Libyen bereits Ende der siebziger Jahre erreicht. Doch das jahrzehntelange Embargo von USA und Uno sowie der damit versperrte Zugang zu moderner Technik haben Libyens Ölanlagen in Mitleidenschaft gezogen.

Nach dem Fall der US-Sanktionen wird nun damit gerechnet, dass US-Unternehmen nicht nur ihre seit dem Embargo 1986 ruhenden Konzessionen wieder aktivieren, sondern auch Milliardenbeträge in die Vergabe neuer Explorations- und Förderrechte investieren. Ölkonzerne wie Conoco Phillips, Oasis Group oder Occidental Petroleum haben sich im März, unmittelbar nachdem Präsident Bush die Reiserestriktionen für US-Firmenvertreter aufgehoben hatte, wieder gen Tripolis aufgemacht. Die nächste Lizenzvergaberunde für fünf bis acht Öl- und Gasblocks (Epsa-4) will Libyen im Mai abhalten. Dann bieten auch die Amerikaner mit. 

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