Gaddafis Flotte
NATO-Kampfjets attackieren Schiffe im Hafen von Tripolis

Libyens Diktator Gaddafi macht nun auch auf dem Meer Jagd auf die Rebellen. Mit Kriegsschiffen unterstützt er seine Truppen beim Kampf um die Küstenstädte. Nun will die Allianz die Flotte des Diktators zu schwächen.
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BengasiDie NATO hat in der Nacht zum Freitag den Hafen der libyschen Hauptstadt Tripolis bombardiert und sechs Schiffe beschädigt. Nach Angaben der libyschen Regierung wurden fünf Schiffe der Küstenwache und ein Kriegsschiff getroffen.

Reporter konnten Flammen und Rauch sehen, der von dem Kriegsschiff in den nächtlichen Himmel aufstieg.

Die NATO bestätigte in Brüssel, dass Kampfflugzeuge der Allianz auf die Schiffe geschossen hätten und begründete die Aktion mit dem vermehrten Einsatz von Schiffen der libyschen Regierung in deren Kampf gegen die Rebellen. Das Militärbündnis warf der Regierung von Machthaber Muammar al Gaddafi vor, die Schiffe unter anderem beim Versuch eingesetzt zu haben, die Einfahrt zum Hafen der westlibyschen Stadt Misrata zu verminen. Die NATO habe „keine andere Wahl gehabt, als rigoros durchzugreifen, um die Zivilbevölkerung in Libyen und die NATO-Streitkräfte im Meer zu schützen“, sagte der stellvertretende Kommandeur des NATO-Einsatzes in Libyen, Russell Harding.

Der Generaldirektor des Hafens von Tripolis, Mohammed Raschid, sagte vor Journalisten, die Schiffe der Küstenwache würden für die Patrouille im Meer vor der libyschen Küste eingesetzt, um nach Booten von Einwanderern Ausschau zu halten, sowie für Such- und Rettungsaktionen. Die NATO-Luftangriffe hätten dem Hafen geringfügigen Schaden zugefügt, sagte Raschid.

Ein Beamter der libyschen Regierung äußerte die Befürchtung, der NATO-Luftangriff werde Schiffsbesatzungen entmutigen, den Hafen von Tripolis zu nutzen, wodurch Einfuhren zurückgehen und die Kosten für einfache Güter für die libysche Bevölkerung steigen würden.

Die NATO hat ihre Luftangriffe auf die libysche Hauptstadt Tripolis offenbar in dem Versuch verstärkt, die wichtigste Hochburg Gaddafis zu schwächen und potenziell auf den Machthaber selbst abzuzielen. Bei einem NATO-Luftangriff am Freitagmorgen sei eine Polizeiakademie im Stadtteil Tadschura getroffen worden, sagte ein libyscher Regierungsbeamter.

Der libysche Regierungssprecher Mussa Ibrahim sagte auf einer Pressekonferenz am späten Donnerstagabend, bei einem Treffen mit einer russischen Delegation Anfang der Woche habe ein Gesandter angeboten, die libyschen Streitkräfte aus Städten abzuziehen, sollten die Rebellen dies auch tun.

„Wir sind sogar bereit, soweit zu gehen, alle Truppen aus libyschen Städten und urbanen Zentren abzuziehen“, erklärte er. „Das ist ein neues Angebot.“ Als Teil eines Friedensabkommens müsse die NATO ihre Luftangriffe im Gegenzug auch einstellen, sagte Ibrahim. Eine Stellungnahme der in Bengasi ansässigen Rebellenführer gab es zunächst nicht.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Gaddafis Flotte: NATO-Kampfjets attackieren Schiffe im Hafen von Tripolis"

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  • Also eine Nato-Aktion ist das definitiv nicht! Dafür haben zuviele Nato-Staaten bewußt "NEIN" gesagt. Es ist eine Allianz aus wenigen Staaten, die man dann auch nennen sollte. Sonst könnte man ja denken, es greifen dort z.B. deutsche Kampfjets an (gehören ja auch zur Nato), was ja definitiv NICHT der Fall ist!

    Aber Beiträge auf diesem Level gibt es leider nicht wenige!

  • ein sehr, ein ganz Kluger, dieser Pedro....

  • Klar doch.Die NATO ist ja "böse" und Gadaffi möchte nur Demokratie in Libyen durchsetzten.

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