"Gas-Opec"
Russland baut Kooperation mit Gasförderländern aus

Weil die Preise für Öl und Gas sinken, verstärkt Russland den Dialog mit anderen öl- und gasexportierenden Ländern Auch wenn Energieriese Gazprom Preisabsprachen dementiert, befürchten die Abnehmerstaaten, dass eine "Gas-Opec" die europäische Gasversorgung gefährden könnte.

BERLIN. Angesichts sinkender Öl- und Gaspreise auf den Weltmärkten verstärken die Produzentenländer ihre politischen Kontakte. Russland kündigte am Dienstag an, einen engeren Dialog mit der Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC) zu beginnen. Zugleich baut die sogenannte "Gas-Troika" der größten Gasförderländer - Russland, Iran und Katar - ihre Abstimmung aus. Ängste der westlichen Abnehmerländer, dass Preisabsprachen das Ziel seien, wies der Chef des russischen Gasversorgers Gazprom, Alexej Miller, entschieden zurück.

Im Ölsektor hatte Russland bisher stets Abstand zur OPEC und dort getroffenen Absprachen über Fördermengen gehalten. Der russische Energieminister Sergej Schmatko kündigte nun aber an, dass Russland seine Produktion drosseln wolle, um einen Preisverfall zu verhindern. Mit der OPEC werde man sich künftig enger bei solchen Fragen abstimmen.

Eine ähnliche Entwicklung vollzieht sich auf dem Gassektor. Die "Gas-Troika" werde sich künftig mindestens drei bis vier Mal im Jahr treffen, sagte Gazprom-Chef Miller dem Handelsblatt. Zudem würden gemeinsame Positionen der Gasländer auch bei der OPEC vorgestellt. Hintergrund sei, so vermuten Experten, dass der Gaspreis bei langfristigen Lieferverträgen an den Ölpreis gekoppelt ist - und die Gasförderländer deshalb von Entscheidungen der Öllieferanten abhängen.

Die drei Länder der "Gas-Troika", die im Iran auch "Gas-OPEC" genannt wird, verfügen zusammen über 55 Prozent der Welt-Erdgasreserven. Sie haben bereits ein Technisches Oberkomitee gegründet. Seyyed Reza Kasaeizadeh, Managing Director von Irans Gasexportgesellschaft NIGEC, wurde dazu beim Dreiertreffen der Gas-Troika Anfang November in Katars Hauptstadt Doha zum Chef der Gruppe bestimmt.

Auch das seit 2001 bestehende Forum der Erdgas exportierenden Länder (GECF) strebt festere Strukturen an. So will die Organisation heute eine Charta vereinbaren, die am 23. Dezember in Moskau abgesegnet werden soll. Neben den drei Gas-Großproduzenten gehören der GECF Ägypten, Algerien, Bolivien, Brunei, Indonesien, Libyen, Malaysia, Nigeria, Trinidad-Tobago, Venezuela und die VAE an. Norwegen und Äquatorial-Guinea haben Beobachterstatus. Die Gruppe umfasst somit die Staaten mit 73 Prozent der weltweiten Gasvorkommen und 42 Prozent der Förderung.

Seite 1:

Russland baut Kooperation mit Gasförderländern aus

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%