Gasnetze
Polen ändert Energie-Strategie

Mehr Gashandel mit Deutschland - das will die polnische Regierung. Ein Strategiewechsel: Bisher hatte sie entsprechende Angebote abgelehnt. Warum Polen dennoch gegen die umstrittene Ostsee-Pipeline protestiert.

BERLIN. Polen lenkt nach Jahren des Streits mit Deutschland über den Bau der Ostsee-Pipeline ein. Warschau wolle nun auf Berlins Angebot zurückgreifen, und zur Stärkung seiner Energiesicherheit an das deutsche Gas-Pipelinesystem angeschlossen werden. Das gab Polens Premier Donald Tusk jetzt im Rahmen der Vorstellung der Entwicklungsstrategie "Polen 2030" in Warschau bekannt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterstützt ihren konservativen Amtskollegen und will bei der Verbindung der Gasnetze beider Länder helfen.

Tusk hatte bei der Vorstellung des Strategieplans "Polen 2030", der eine grundlegende Modernisierung des größten osteuropäischen EU-Mitgliedslandes vorsieht, den "schnellstmöglichen Ausbau der Gas-Pipelines zwischen Deutschland und Polen" verlangt. Nur durch die Verbindung der polnischen und der westeuropäischen Gasnetze könne sein Land seine Energiequellen diversifizieren und mehr Energiesicherheit erreichen. Er wolle den Bau einer Verbindungs-Pipeline zwischen Börnicke und Police. Damit leitete Tusk eine Wende in der Energiepolitik ein, denn die national-konservative Vorgängerregierung der Kaczynski-Zwillinge hatten dieses Angebot deutscher Versorgungsunternehmen immer wieder ausgeschlagen.

Die deutschen Konzerne hatten durch die Anbindung Polens ans deutsche Gasnetz Warschaus Bedenken gegen die von der russischen Gazprom zusammen mit Eon, Wintershall, der niederländischen Gasunie und der französischen Gaz de France geplanten Ostsee-Pipeline ausräumen wollen. Polens Außenministerium indes lehnt die Nord Stream genannte Rohrleitung von St. Petersburg nach Greifswald weiter ab, da "dadurch dasselbe russische Erdgas nur viel teurer nach Europa transportiert wird als über Landleitungen über Weißrussland und Polen".

Bundeskanzlerin Merkel sprach sich indes auf dem Kongress des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft gegen einen "Kampf der verschiedenen Pipelines gegeneinander" aus: "Die Nord-Stream-Pipeline, die South-Stream-Pipeline und die Nabucco-Pipeline können sehr gut nebeneinander stehen", so die CDU-Chefin in Berlin. Sie sei zudem bereit, dem Nachbarstaat zu helfen: "Wir haben angeboten, dass die Nord-Stream-Pipeline gegebenenfalls Gas nach Polen liefern könnte und dass wir dafür die technischen Fazilitäten herstellen. Wo dies aus wirtschaftlichen Gründen von den Anbietern nicht selber geleistet werden kann, sind wir bereit zu helfen, um Verbindungspipelines bauen zu können."

Unterdessen bekräftigte Warschau seine Ablehnung von Nord Stream: Die Verlegung dieser Ostsee-Leitung bedrohe den Bau des geplanten Flüssiggas-Terminals im polnischen Ostseehafen Swinemünde. Die Röhre verlaufe in so geringer Tiefe, dass die Gastanker das bereits in Vorverträgen in Katar gesicherte Flüssiggas nicht dort anlanden könnten, meldete die "Gazeta Wyborcza".

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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