Gaspreis
Russland kassiert in Kiew kräftig ab

Moskau erhöht den Gaspreis um die Hälfte, aber auch die Ukraine erhält mehr Geld für den Transit. Damit ist die Basis für eine Entpolitisierung des Gasstreits und für normale Beziehungen zwischen beiden Ländern gelegt. Der neue Preis orientiert sich fortan am Weltmarktpreis.
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KIEW. Russland hat der Ukraine kräftig den Gaspreis erhöht. Bereits ab dem 1. Januar 2010 muss das stark von der Weltwirtschaftskrise getroffene Land 300 bis 310 Dollar (209 bzw. 216 Euro) pro 1 000 Kubikmeter für den Rohstoff aus Russland zahlen. Im auslaufenden Quartal hatte Kiew nur 208 Dollar pro 1 000 Kubikmeter gezahlt. Da gleichzeitig Kiew mehr Geld für den Gastransit bekommt und seinen internen Energiemarkt endlich liberalisieren will, könnte damit die Basis für marktwirtschaftliche Verhältnisse und eine Entpolitisierung des Gasstreits gelegt werden.

In den vergangenen Monaten hatte der ukrainische Energiekonzern Naftogas immer wieder große Schwierigkeiten, die Gasrechnung pünktlich in Moskau zu begleichen. Nur mit Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF), der im November 2008 einen Stand-by-Kredit in Höhe von 16,4 Mrd. Dollar (11,4 Mrd. Euro) genehmigte, konnte das klamme Land seine Energiekosten in diesem Jahr überhaupt bezahlen - und damit einen neuen Gaskrieg wie zu Beginn des Jahres verhindern.

Der neue Preis orientiert sich formal am Weltmarktpreis. Damit zahlt die Ukraine zum ersten Mal ähnlich hohe Preise wie die EU-Länder Tschechien, Ungarn oder Rumänien. Als Grundlage für die neue Preispolitik gilt der im Januar 2009 von Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin und seiner ukrainischen Amtskollegin Julia Timoschenko ausgehandelte, auf zehn Jahre angelegte Gasvertrag.

Das Papier regelt die Liefermengen sowie die Kosten für den Rohstoff und den Transport. "Wir zahlen jetzt so viel wie die Länder der Europäischen Union", klagt Wladimir Omeltschenko vom Razumkow-Center für strategische Studien in Kiew. Laut Vereinbarung zwischen Gasprom und Naftogas wird der Gaspreis für die Ukraine vierteljährlich nach einer speziellen Formel berechnet. Als Ausgangspreis gelten 450 Dollar (314 Euro) pro 1 000 Kubikmeter, der durch weitere, bisher nicht veröffentlichte Parameter modifiziert wird. Im Gegenzug gibt auch Moskau für die Durchleitung der gewaltigen Gasmengen nach Europa mehr aus. Statt bislang 1,7 Dollar zahlt Gazprom 3,1 Dollar pro 1 000 Kubikmeter. Dennoch spricht Omeltschenko von einem "schlechten Deal".

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