Gasstreit: Gazprom vermeidet den Totalschaden

Gasstreit
Gazprom vermeidet den Totalschaden

Eine EU-Beobachtermission zur Überprüfung des Gastransfers durch die Ukraine soll nun die Lösung sein im Streit zwischen Russland und der Ukraine. Das verkündete die tschechische Ratspräsidentschaft. Ob die Einigung trägt, muss sich noch erweisen. Der Druck war jedenfalls groß: Russlands Image als Energielieferant und das der Ukraine als Transitland fingen sich schon hässliche Kratzer ein.

MOSKAU. Zudem wurde es immer dringender, technische Schäden an dem für Europa so wichtigen Gas-Transportnetz in der Ukraine zu verhindern - Experten hatten spätestens ab nächster Woche mit Problemen gerechnet, sollte bis dahin kein Erdgas durch die Leitungen strömen.

Also verhandelten sie, immer wieder. Noch in der Nacht zu Donnerstag traf der Chef des staatlichen Gaskonzerns Naftogaz Ukrainy, Oleg Dubina, in der russischen Hauptstadt ein und besprach sich mit Gazprom-Chef Alexej Miller. Fortgesetzt wurden die Gespräche in Brüssel. Heraus kam ein Kompromiss, der viele Streitfragen offenließ, aber zumindest die Wiederaufnahme der Gaslieferungen in Aussicht stellt.

Für Gazprom ein wichtiger Schritt. Denn je länger die Pipelines geschlossen sind, umso teurer wäre es für den staatlich kontrollierten größten Gaskonzern der Welt geworden. Kein Gas - kein Geld. Hinzu kommen die Strafen, die der Konzern an seine Kunden wegen der Lieferausfälle zahlen muss: Dabei, heißt es in Unternehmenskreisen, komme eine große Summe zusammen, und das in einer Zeit, in der sich Gazprom auf stark fallende Gaspreise im zweiten Halbjahr einstellen muss.

Weil der Preis für Erdgas mit einer Verzögerung an den Ölpreis gekoppelt ist, lässt sich heute schon absehen, dass die Russen in wenigen Monaten ihren europäischen Kunden nicht mehr rund 400 Dollar für 1 000 Kubikmeter in Rechnung stellen können, sondern wesentlich weniger: Der Ölpreis hat seit seinen Höchstständen im vergangenen Sommer mehr als 70 Prozent verloren.

Gazprom will aber weiterhin in diesem Jahr rund 30 Mrd. Dollar investieren. Gewaltige Projekte wie die Entwicklung des Gasfelds Schtokman stehen an. Die Kreditkrise geht an Russlands wichtigstem Konzern dabei nicht vorbei: Auch Gazprom muss trotz seiner Nähe zur Staatsführung die nötige Finanzierung der künftigen Vorhaben erst einmal stemmen.

Zwar hatte Gazprom-Vize Medwedjew immer wieder beteuert, es gehe beim Streit mit der Ukraine nur um einen kommerziellen Konflikt. Doch die Musik spielte auf einer anderen Ebene. Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew, als langjähriger Gazprom-Aufsichtsratschef bestens im Bilde, hatte in einem Telefongespräch mit seinem ukrainischen Amtskollegen Viktor Juschtschenko schon zuvor den Kompromiss skizziert: Die Transitlieferungen könnten wiederaufgenommen werden, betonte Medwedjew. Ein neues Kontrollverfahren sei aber nötig. EU-Beobachter, internationale Rechtsexperten sowie Vertreter Russlands und der Ukraine müssten kontrollieren, dass Gazprom und Naftogaz ihre Verpflichtungen erfüllen. So wird es jetzt wohl kommen.

Hoffung auf ein baldiges Ende haben derzeit vor allem die Devisenhändler - als die Nachricht vom Besuch Dubinas in Moskau die Runde machten kletterten erstmals seit Tagen die ukrainische und die russische Währung wieder in ihrem Kurs zum Euro.

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