Gasstreit: „Massive“ Gas-Engpässe in Deutschland

Gasstreit
„Massive“ Gas-Engpässe in Deutschland

Der Energie-Streit zwischen Moskau und Kiew wirkt sich verstärkt auf Europa aus. Der russische Gasriese Gazprom habe die Versorgung für Europa über Leitungen in der Ukraine auf rund ein Drittel des Normalniveaus gesenkt, teilte der ukrainische Staatskonzern Naftogaz mit. Einige Länder verzeichnen seitdem erhebliche Lieferengpässe.

str/HB MOSKAU/KIEW/SOFIA. Die Eskalation im Gasstreit zwischen Kiew und Moskau hat am Dienstag zu erheblichen Lieferausfällen in Ost- und Mitteleuropa geführt. Bulgarien und die Türkei erhalten nach offiziellen Angaben seit der Nacht zu Dienstag kein Gas mehr. Die Lieferungen seien gestoppt, sagte der türkische Energieminister Hilmi Güler am Dienstag vor Journalisten.

Bislang hatten die deutschen Gasimporteure das Thema eher heruntergespielt. Dann änderte sich jedoch die Tonlage. Eon Ruhrgas, der mit Abstand größte deutsche Importeur, meldete, die Lieferungen der für Europa bestimmten Erdgasmengen seien "massiv eingeschränkt". Es werde damit gerechnet, dass im Laufe des Tages an der deutschen Grenzlieferstation Waidhaus die Lieferungen der über die Ukraine dorthin transportierten Gasmengen "vollständig ausfallen", teilte das Unternehmen mit. Auch der Gasimporteur Wingas meldetete deutliche Einschränkunge.

In den vergangenen Tagen hatte es stets geheißen, das Gas aus Russland ströme störungsfrei nach Deutschland, es komme allenfalls zu kleinere Druckabfällen, die aber innerhalb der üblichen Schwankungsbreiten lägen. Damit ist es nun vorbei. Das Problem hat Deutschland jetzt voll erwischt.

Dennoch bleiben die Gasunternehmen gelassen. Sie verweisen auf die großen Gasspeicher. Tatsächlich verfügt Deutschland innerhalb Europas über die mit Abstand größten Speicherkapazitäten. 46 Speicher mit einem Volumen von rund 20 Mrd. Kubikmeter stehen hierzulande bereit. Das entspricht in etwa einem Viertel des in Deutschland jährlich verbrauchten Gases. Allerdings sagt die Speicherkapazität nichts darüber aus, wieviel Gas tatsächlich derzeit unterirdisch gelagert wird. In dieser Hinsicht wollen sich die Speicherbetreiber nicht in die Karten schauen lassen. Man sei "gut vorbereitet", hatte es Ende vergangenen Jahres lediglich geheißen, als sich bereits abzeichnete, dass Russland und die Ukraine zum Jahreswechsel wieder über Gaslieferungen streiten würden. Allerdings hieß es bei Eon Ruhrgas, wenn sich Lieferkürzungen als gravierend herausstellten, sie lange anhielten und die Temperaturen niedrig blieben, stoße man an Grenzen. In der Branche heißt es, für 70 Tage dürften die Vorräte in Deutschland auch im Winter reichen.

Außerdem haben die Gasimporteure die Möglichkeit, wegfallende russische Gaslieferungen zumindest teilweise auch kurzfristig durch Gas aus anderen Quellen zu ersetzen. Etwa 37 Prozent des in Deutschland verbrauchten Erdgases kommen aus Russland, 27 Prozent aus Norwegen und 19 Prozent aus den Niederlanden. Insbesondere zusätzliches niederländisches Gas ist schnell verfügbar. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bemühte sich gestern, sorgen von Verbrauchern zu zerstreuen. "Trotz erster Lieferausfälle können sich die Verbraucher auf eine sichere Versorgung mit Erdgas verlassen", hieß es beim BDEW.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) will bei einem Gespräch mit Gazprom-Vizechef Alexander Medwedjew den russischen Staatskonzern an seine Lieferverpflichtungen erinnern. Das Gespräch werde am Nachmittag in Berlin stattfinden, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Auch will sich Glos mit Tschechiens Handelsminister Martin Riman beraten, der mit einer EU-Delegation in Kiew war.

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