Gasstreit
Russen stoppen Gas-Transit über Ukraine

Mitten im tiefsten Winter erhält Westeuropa kein Gas mehr aus Russland über die Ukraine. Nach Angaben des staatlichen ukrainischen Versorgers Naftogaz hat die russische Gazprom am Mittwochmorgen den Gashahn zugedreht. Der Gasmonopolist aus Russland machte hingegen das Nachbarland für den Lieferstopp verantwortlich.

HB MOSKAU/KIEW. „Heute hat die Ukraine die letzte der vier Pipelines nach Europa geschlossen“, teilte der Konzern mit. Damit bekommt Westeuropa den sich zuspitzenden Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine immer stärker zu spüren. Europa bezieht normalerweise ein Viertel seines Erdgases von Gazprom.

Der österreichische Versorger OMV bestätigte, dass kein Gas mehr aus Russland in Österreich ankomme. Die Versorgung der Verbraucher sei aber vorerst durch den Rückgriff auf Speicher und die Eigenproduktion gesichert, versicherte die OMV. Auch der tschechische Gasimporteur RWE Transgas, die slowakische Gasfirma Slovensky Plynarensky Priemysel und das rumänische Wirtschaftsministerium meldeten den Stopp der Lieferungen aus Russland. In Ungarn wurden die Gaslieferungen an die Industrie limitiert.

Auslöser des Konflikts war das Scheitern von Verhandlungen zwischen Gazprom und Naftogaz über die Erneuerung eines Lieferabkommens für 2009. Gazprom verlangt höhere Preise und die Begleichung ukrainischer Schulden.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) forderte Russland und die Ukraine erneut dringend auf, zu einer einvernehmlichen Einigung zu finden. Im ARD-„Morgenmagazin“ sagte er: „Ich kann nur sagen, die müssen sich zusammensetzen und wieder anfangen, sich an Lieferverpflichtungen zu halten.“ Er selbst sei „nicht in der Lage zu richten, welche Seite Recht hat. Aber ich habe das Gefühl, dass viele andere Länder als Geisel genommen werden sollen in einem Streit, den die Ukraine und Russland miteinander ausfechten.“

Die gekappte Versorgung mit russischem Gas ist nach den Worten von Glos bei normalen Temperaturen für Deutschland etwa ein Vierteljahr durchzuhalten. So lange gebe es derzeit noch Gasreserven. Bei der jetzigen Kälte werde es aber schneller eng, sagte der Minister. Im Gegensatz zu anderen Ländern sei die Bundesrepublik nicht ausschließlich auf russische Lieferungen angewiesen. Glos kritisierte, dass immer mehr Gas für die Stromerzeugung verbraucht werde. „Es ist falsch, immer mehr Strom aus Gas zu erzeugen. Das bringt uns ja gerade in die Lage, dass wir immer abhängiger werden.“

Nach Worten von Glos wird der Konflikt jedoch nicht zu einem Preisanstieg für die deutschen Verbraucher führen. „Die Bürger müssen nicht unmittelbar mit höheren Belastungen rechnen, denn die Gasversorger arbeiten auf der Basis langfristiger Lieferverträge“, sagte Glos der „Saarbrücker Zeitung“. Niemand solle sich fürchten, „dass er im Winter frieren wird.“

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