Gasstreit
Ukraine fehlt Geld für Gasrechnungen

Der Ukraine steckt erneut in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten. Trotz Hilfen des IWF fehlt dem Land schon wieder das Geld, um seine Gasrechnungen an die russische Gazprom zu zahlen. Allein für Juli benötigt das Land fast eine Milliarde Euro.

KIEW. Wegen ihrer Geldnot wandte sich die ukrainische Regierung mit einem Hilferuf an die Europäische Union und bat um einen Kredit von drei Mrd. Euro. Sollten die Gasschulden nicht beglichen werden, droht Russland mit einem Lieferstopp - und Europa stünde eine neue Gaskrise ins Haus.

Der ukrainische Staat kämpft seit Monaten mit den Auswirkungen der internationalen Finanzkrise, doch die Ursachen reichen weiter zurück und liegen tiefer. Das jahrelang anhaltende Wirtschaftswachstum von über sieben Prozent, der Boom des Bankensektors und des Immobilienmarktes - alles auf Pump finanziert und über Nacht kollabiert. Im ersten Quartal brach das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um geschätzte 20 bis 25 Prozent ein. Trotz eines IWF-Kredits über fast zwölf Mrd. Euro und der Zusage internationaler Finanzinstitutionen auf weitere Mittel in Höhe von knapp fünf Mrd. Euro in diesem Jahr, gerät die ehemalige Sowjetrepublik immer stärker unter Druck.

Mit dem Staat geraten auch strategisch wichtige Unternehmen ins Wanken. Die Krise trifft vor allem den Energiekonzern Naftogaz, zu hundert Prozent im Staatsbesitz und mit 170 000 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber des Landes. Der Monopolist konnte seine Ausgaben in den vergangenen Monaten nur noch über Kredite finanzieren. Für Juni stehen keine Mittel mehr zur Verfügung.

Naftogaz ist seit Jahren Spielball der ukrainischen Politik und der Interessen verschiedener Geschäftsclans. Seit der letzten Gaskrise, die im vergangenen Januar drei Wochen lang die Verbraucher in Südosteuropa frieren ließ, tobt zudem innerhalb von Naftogaz ein Machtkampf um die Neuordnung des Konzerns.

Das hochverschuldete Unternehmen hat allein 3,5 Mrd. Euro an Kreditschulden angehäuft. Die Inlandsverbindlichkeiten belaufen sich auf 2,5 Mrd. Euro. In wenigen Tagen müsste die Gasrechnung für Juni in Höhe von 180 Mill. Euro an Russland überwiesen werden. Ministerpräsidentin Timoschenko sagte, ihr Land werde die Junirechnung pünktlich bezahlen. Für Juli soll Naftogaz aber gar 720 Mill. Euro benötigen, weil im Sommer die 13 unterirdischen Speicher gefüllt werden, damit im Winter niemand im Kalten sitzt.

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