Gastbeitrag

Deutschland raus aus der Euro-Zone?

Markus Kerber klagt gegen die Kredite für Griechenland und gegen den Euro-Rettungsschirm ESM. In einem Gastbeitrag skizziert der Finanzwissenschaftler, wie die Euro-Zone gegen Schuldenviren abgeschirmt werden kann.
  • Markus C. Kerber
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Akropolis in Athen. Quelle: dpa

Akropolis in Athen.

(Foto: dpa)

Als vor gut einem Jahr mit dem Ausbruch der Griechenlandkrise das Anfangssäuseln eines großen Sturms begann, wollte nahezu kein Politiker wahrhaben, welche Herausforderungen auf die EU zukommen würden.  Auch ahnte noch niemand, mit welcher Ungeniertheit die EU-Granden unter der geistigen Führung der Pariser Machthaber, Trichet in Frankfurt, Barroso und Barnier in Brüssel und damals Strauss-Kahn in Washington die Spielregeln – jenseits von rechtlichen Normen – neu definieren würden. Trotz der Illegalität dieses Vorgehens hatte das Bundesverfassungsgericht nicht den Mut, es dem Gerichtshof der Europäischen Union vorzulegen.

Markus C. Kerber ist Professor für öffentliche Finanzwirtschaft und Wirtschaftspolitik an der TU Berlin. Der Absolvent der französischen Eliteschule ENA klagt mit über 50 Mitstreitern vor dem Bundesverfassungsgericht gegen den EU-Rettungsschirm.

Markus C. Kerber ist Professor für öffentliche Finanzwirtschaft und Wirtschaftspolitik an der TU Berlin. Der Absolvent der französischen Eliteschule ENA klagt mit über 50 Mitstreitern vor dem Bundesverfassungsgericht gegen den EU-Rettungsschirm.

Mit derselben Dynamik verpasste es die politische Klasse die Regeln für den Eintritt in die Europäische Währungsunion (EWU) ökonomisch zu ertüchtigen und die Bestimmungen für Austritt und Ausschluss zahlungsunfähiger EWU-Länder neu zu schreiben.

Was 2010 im Lichte des betrügerischen Staatsbankrotts Griechenlands jedenfalls politisch anzupacken gewesen wäre – nämlich Austritt und Ausschluss mit den zu Gebote stehenden Machmittel zu regeln, um ein Zeichen zu setzen und weitere Fälle der Griechenland-Pathologie zu verhindern, käme heute zu spät, weil die Schieflage der EWU sich nicht mehr durch den Austritt einzelner Länder – unabhängig vom Problem der gerechneten Altschulden – lösen lässt. Dies werden nicht nur die „Euro-Retter“ als Gefangene ihrer Fehlprognosen zu verhindern wissen, sondern würde den verbleibenden Eurozonen-Ländern so hohe fiskalische Austrittslasten  auf Grund der zwischenzeitlich eingetretenen bail outs von Irland und Portugal auferlegen, dass sie daran wahrscheinlich kein Interesse hätten.

Daher bleibt als Antwort auf die Erpressungspolitik Griechenlands lediglich  der Austritt der Länder mit strukturellem Handelsbilanzüberschuss, also neben Deutschland, den Niederlanden, Österreich, Finnland auch Luxemburg.

"Man darf den griechischen Demonstranten dankbar sein"
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141 Kommentare zu "Gastbeitrag: Warum Deutschland die Euro-Zone verlassen sollte"

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  • Was Sie darstellen hat Konzept und Weitblick. Es geht, aber, um die Verwirklichung. Dabei könnte ein Modell der Qualitativen Demokratie Neuerung bringen. Das Modell www.GlobalVoter.org ist als Erziehungsprogramm zur interaktiven Demokratie zu verstehen.

  • Wenn Sie das Projekt GlovalVoter gelesen hätten, würden Sie anders argumentieren. Ohne strategisches Konzept wird jedes Manifest entwertet. Richtig!? Das Internet wurde bis heute nicht politisch, zur Demokratieentfaltung und Mitbestimmung entdeckt. Warum? Weil die Politikerkaste gerade dies nicht will. Anstatt auf die Straße zu gehen, würde das Internet, sofort, gesellschaftliche Forderungen diskutieren und politisch einfordern können, mittels Abstimmung und demokratischer Umsetzung/Druck auf das parlamentarische System. Was uns abhanden gekommen ist. Wem gehört Deutschland eigentlich!? Dem Bürger/Wähler oder der Politikerkaste. Wenn das Parlament, also unsere gewählten Vertreter nicht mehr das umsetzen, was das Volk will und braucht, können wir die Entscheidung selber in die Hand nehmen.(Siehe GG) Die Hierachie ist eindeutig definiert! Die Exekutive (Merkel & Co) sind nur Ausführungshandlanger, die man bei schädigender oder eigennutziger Handhabung entlassen kann! Das Parteiensystem ist gescheitert.(unter 5% der Wähler sind Mitglieder) Demokratie basiert auf Mehrheitsent-scheidung, die, gerade, nicht mehr stattfindet! Die Demokratie wird, heute, von vielleicht 0,5% der Wahlbevölkerung und Wirtschaftssubjekte gemacht!Dies ist Demokratur. Dagegen wirken radikale Manifestationen zum Gegenteiligen! Sie stärken die dominanten Eliten, die die sogenannte schweigende und manipulierte, weichgespülte Mehrheit missbrauchen! Warum, also, keine evolutionäre Neue Demokratie! Wer glaubt, die Lage im Handumdrehen wenden zu können, belügt sich, wie die Volksvertreter, die er kritisiert!

  • es gibt eine partei PDV ? ist das nicht das Kürzel für Polizeideinstvorschift? PDV 122 besagt zum beispiel, wo und wie wasserwerfer eingesetzt werden. viele werden sich dabei nach s21 zurücksehnen;-)

  • schluss wort: dieser artikel hat jetzt schon 100 komments überschritten. ein wahrhaft beispielloses rumgelaber (leider auch von mir) auf höchstem, manchmal aber auch auf unterstem @ daytrader z. bsp.) niveau. wenn nur 1 % der energie fürs schreiben in wirkliche taten umgesetzt würde, dann würden merkel und co. das lachen vergehen.

  • Faszinierend dieser Artikel. Insbesondere der Stil! Er zeigt deutlich, dass selbst ein nüchtern denkender Wissenschaftler (das ist Herr Kerber doch hoffentlich) auf "Stammtischniveau" absinkt, wenn man ihn nicht gebührend zur Kenntnis nimmt. Schlimmer noch, nicht in Demut seine Auffassung übernimmt. Inhaltlich ist nichts zu erkenn, was die Überschrift unterstreichen würde. Und dann die Kommentare (zumindest die überwiegende Anzahl). Sich über die angebliche Diktatur der Eurokraten beschweren, Volksenscheide fordern, aber wenn's zur Europawahl geht kriegt man nicht den Hintern hoch. Sehr glaubwürdig. Und dann dieses Gerede über konzertierten oder teilweise Austritt aus der Währungsunion. Ich möchte mir wirklich nicht vorstellen, was dies für ein Land wie die Bunderepublik bedeuten würde vor dem Hintergrund einer globalisierten Welt. Rosinenpicken geht leider nicht, wenn der Nachbar die Rosine auch will. Auf Modellrechnungen der Wissenschaft möchte ich mich in diesem Punkt lieber nicht verlassen. Die haben bisher schon heftig versagt. Und was die Verschuldung anbetrifft gäbe ich mein Geld lieber einem der sogenannten Wackelkanditaten in Europa (vielleicht mit Ausnahme von Griechenland) als einer hoch verschuldeten Bundesrepublik. Denn diese Länder haben - wenn auch nicht ganz freiwillig - begriffen oder zumindest akzeptiert, dass Stabilität nur durch Sparen erreicht wird. Unsere Regierung ist da noch nicht so weit, zumindest, wenn ich die derzeitigen Diskussionen verfolge

  • @Zeitzeuge
     
    Von der Vergewaltigung der Griechen konnte bis vor wenigen Monaten nicht die Rede sein. So gerne wie die Deutschen exportieren, so gerne haben die Griechen importiert.
    Das was jetzt in Griechenland läuft, dass die kleinen Leute für das Eliteversagen den Kopf hinhalten müssen, das ist eine Vergewaltigung. Das tut die sozialistische Regierung aber ihrem Volk an. Die Deutschem sind da nur mittelbar beteiligt.
     
    Die Deutschen sind aber ebenso die gekniffenen, denn die Schulden werden nicht zurückbezahlt. Das ganze Krumlegen für immer weniger Lohn bringt ihnen nun noch nicht bezahlte Rechnungen ein, die sie über ihre Steuergelder finanzieren dürfen. Die exportierenden Unternehmen machen natürlich ihren Schnitt. Wie in Griechenland zahlen auch in Deutschland die kleinen Leute die Zeche.

    Wir könnten nun lernen, weder das Exportieren auf Teufel-komm-raus noch das Importieren auf Teufel-komm-raus kann am Ende funktionieren. Was für eine "überraschende" Erkenntnis. Was aber tut Frau Bundeskanzler? Sie ruft zu vermehrten Exportanstrengungen auf. Die Frau hat das Wirtschafts-Crash-Gen ihrer früheren Einheitsparteigenossen ins Kanzleramt eingeschleppt.

  • Hätte es das Handelsblatt bei der Reichsgründung durch Bismarck gegeben, hätte ma genau die gleiche Kommentare wie heute hier lesen können.

  • Euer_Ehren
    Da weiß eine Person nicht mehr welchen Schrott er

    schreibt .Wahrscheinlich hat er seine Droge intus .

    Nehme doch bitte keine Drogen mehr !

  • "Was ist wohl preiswerter, ein dritter Krieg oder die Griechen und einige andere auf Trapp zu bringen? Das ist doch wohl die Frage!"

    Eine gute Preisfrage. Wenns nicht so zynisch wäre, könnte mann es durchrechnen. Nein, das ist nicht ernst gemeint! Aber die Preisfrage bleibt: Können wir die Griechen auf Trapp bringen? Lassen die sich von uns oder sonstwem auf Trapp bringen, die stolzen Griechen? Gegenfrage: Wollten Sie das ernsthaft versuchen?

  • Leute habt Ihr Zeit. Ich hab ja heute Urlaub und deshalb tue ich mir das mal an, aber ist das für die Produktivität einer Gesellschaft wirklich gut, wenn sich alle über alles Gedanken machen? Ich wähle die Politiker oder Partei, damit sie meine Linie und Gesellschaftsvorstellung vertreten und in den Gremien die Entscheidungen entsprechend zu beeinflussen suchen. Nach meiner Wahl kann ich mich um mein Leben/Arbeit kümmern und meine Energie da reinsetzen.

    Wenn jetzt alle auf alles aufpassen, wer tut dann eigentlich noch was???????? Die Politiker, die ich gewählt habe, muss ich auch nicht dauernd überwachen, deswegen habe ich mir vorher (und das dauert einen Tag) überlegt wo ich mein Kreuz mache, z.B. CSU... Wenn ich natürlich jedem Populisten nachlaufen will und den dazu überreden will eine Partei zu gründen, dann kostet mich das natürlich mein Leben. Get a life!!, sagt der Ami.

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