Gastbeitrag zu Tsipras und Varoufakis Ein Lehrstück für Demagogie

Europa ist in Gefahr: Griechische Linkspopulisten bedrohen den Integrationsprozess. Tsipras und Varoufakis gelingt es, Europas Politiker reihenweise vorzuführen. Wie kann das sein? Gastbeitrag eines Populismusforschers.
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Tsipras neuer Plan: Geld NUR aus dem Rettungsschirm

Tsipras neuer Plan: Geld NUR aus dem Rettungsschirm

BonnLange war die Blickrichtung einseitig: „Die zentrale Gefahr für den europäischen Integrationsprozess geht von rechtspopulistischen Demagogen aus”. Kaum eine politische Sonntagsrede nationaler und europäischer Eliten ist in den letzten Jahren ohne diese Wendung ausgekommen. Nun dreht sich das Blatt in Richtung links, und zwar mit einem Kollateralschaden für die mühsam aufgebaute europäische Währungsunion, Europas Flagschiff.

Griechische, hochideologische Linkspopulisten – angeführt von Alexis Tsipras und Yanis Varoufakis – führen Europas Politiker mit dem Nasenring durch die Manege. Nur ist das keine nette Zirkusvorstellung, sondern absurdes Theater, eine mittlerweile endlos scheinende Seifenoper.

Der Politologe forscht zu den Themen Populismus, Parteien und Extremismus.
Florian Hartleb

Der Politologe forscht zu den Themen Populismus, Parteien und Extremismus.

Das nun verblüffte Deutschland hätte eigentlich gewarnt sein müssen. Aus eigener Erfahrung. Dank Gregor Gysis Charme hat sich die tot geglaubte SED über die PDS erfolgreich in die Linke transformiert und im politischen System etabliert. Gysi klatscht auch schon lange für Tsipras, den griechischen Rattenfänger, eifrig Beifall, würdigt ihn als Glückfall Europas. Ein Charmeur steht für einen anderen Spalier.

Viele Rechts- und Linkspopulisten in Europa tun es spätestens jetzt Gysi gleich, bis hin zu Marine Le Pen. Kein Wunder, sie eint viel: eine charismatische Führungspersönlichkeit an der Spitze, die Kritik an den etablierten Parteien, das Spiel mit dem „Volk” via Politik auf der Straße, Euro-Skeptizismus, die neue Nähe zu Russlands Präsident Wladimir Putin als Kontrapunkt zum transatlantischen Dogma.

Da spielt der starke Marxismus innerhalb von Syriza, der Partei von Tsipras, keine Rolle mehr,. Ideologie wird zur Fußnote – mit tragischen Folgen: Tsipras bringt mit seinem Finanzminister Varoufakis das europäische Modell ins Wanken, das auf den Säulen Konsens, Kompromiss und vor allem dem Symbol der Einigkeit, dem Euro besteht.

Vor der Wahl im Januar 2015 trieb der durch die fundamentale Krise epischen Ausmaßes groß gewordene Tsipras die klientelistischen Regierungsparteien vor sich her. Tsipras versprach viel, eine sozialistische Politik nach dem Gießkannenprinzip: keine Einsparungen, stattdessen Hilfsgelder, Schuldenschnitt und ein Weiter-so mit dem Euro.

Nach dem Wahlsieg im Januar 2015 schmiedete Alexis Tsipras in Rekordzeit eine Regierungskoalition mit einer eindeutigen rechtspopulistischen Partei, den Unabhängigen Griechen. Die deutsche Linke um Gregor Gysi war vom neuen, strahlenden Regierungschef dennoch begeistert und vergaß trotz des unliebsamen Partners allen Antifaschismus und den üblichen Kampf gegen Rechtspopulismus.

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127 Kommentare zu "Gastbeitrag zu Tsipras und Varoufakis: Ein Lehrstück für Demagogie"

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  • @ Sascha Fischer

    Gut beschrieben! Ich sehe bei den Medien sogar den eigentlichen Erfinder der Populismus-Keule. Ich habe festgestellt, dass meine politische Meinung in den Radio- oder Fernsehnachrichten ständig diffamiert wird.
    Meine Reaktion darauf: Hass auf die Verantwortlichen (wer läßt sich schon gerne immer wieder beleidigen?) und immer häufigeres Abschalten.
    Deshalb habe ich mir auch diesen Artikel hier nicht angetan.

  • Ich hätte gerne mal von den Griechen gewusst, wie sie ihre Wirtschaft wieder auf Schwung bringen wollen. Davon hört man weder etwas von den Griechen noch von der EU. Man redet immer wieder von neuen Hilfspaketen. Es kann doch nicht sein, daß das ganz Europa für dieses schlampige wirtschaften herhalten muss. Solange die Griechen ihre Milliardäre nicht zur Kasse bitten, dürfte die EU keinerlei Unterstützung mehr gewähren.

  • Lesen sollte man es schon, aber wenn ich Populismus höre oder lese, werde ich extrem kritisch.
    Populismus ist nämlich nur eine weitere Keule wie die Nazikeule um unliebsame Meinungen zu diskreditieren, weil einem die Argumente fehlen um auf intelligente Weise Konter zu geben.

    Das lächerlichste an dieser ganzen Sache ist aber, das in einer Demokratie, wo das Volk das letzte Wort haben sollte "Populismus" negativ ist. Das heisst, Themen und Meinungen die beim Volk Anklang oder Interesse finden werden runtergemacht.

    Es gibt kaum etwas demokratiefeindlicheres als die Notion, dass der Politiker dem Volk sagen, ihr seid alles nur unmündige und dumme Schreihälse und wer euch nach dem "Mund" redet ist ein Populist (negativ belegt).

    Wir bewegen uns im Bereich des Schizophrenen und die Medien machen fleissig mit und unterstützen diesen absoluten Mumpitz.

  • @Hr. Köhler

    Ein Stipendium oder gar die Arbeit als Pressereferent des Deutschen Bundestags diskreditiert alleine sicherlich nicht. Allerdings, bekommt man bereits eine Vorahnung welch politische Ausrichtung man erwarten könnte. Ehrlich gesagt, erkenne ich wenig Argumente in diesem textlichen Sammelsurium, das .....und sind wir uns doch ehrlich, lediglich der Diskredition dient. Wenn der Schreiber eine vom Volk demokratisch gewählte Partei, oder einzelne Personen als Rattenfänger. bezeichnet, so ist das für mich eine populistisch, diskreditierende Meinungsmache. Während die eine Seite als gutgläubig und harmoniesüchtig beschrieben wird, verdreht die andere Fakten, betreibt Demagogie und hat radikale Ansichten. Ferner ist sie nicht interessiert an einer Lösung und trägt keine Krawatten. Dieser Gastbeitrag ist nicht die Spur neutral und die Abneigung gegen diese Partei ist so eindeutig herauszulesen, dass sicher auch sie es bemerken. Würden Sie diesen Beitrag als politisch neutral bewerten ? Was das Referendum betrifft, so stellte bereits die Vorgängerpartei eines in Aussicht. Die Pasok führte das Land über 20 Jahre und ins Verderben. Sollte ein Dominoeffekt eintreten, suchen sie die Schuldigen doch da.

  • Hoffentlich stimmen alle Griechen gegen neue Kredite, dann haben alle roten Weltverbesserer ein 2. Land nach Nordkorea wo sie hin können.

  • << Populismusforscher >> Wie bitte???

    Populismus ist für mich ganz klar das Unwort des Jahrzehnts. Wer mir mit diesem Wort ankommt, dem höre ich nicht weiter zu. Dass es für diesen arroganten Ausgrenzungs- und Diskriminierungsbegriff jetzt also auch noch eine "Forschung" geben soll, macht dieses Land nun endgültig zum Tollhaus.

    Den Artikel habe ich nicht gelesen. Man muß nicht die Nase in die Sch***** stecken, um zu wissen, dass sie stinkt!

  • Herr Fred Meisenkaiser
    "Ich sags mal so: Der Trog ist immer der gleiche - nur die Schweine sind andere!
    Unsere Machthaber lügen vor der Wahl das Blaue vom Himmel herunter. NAch der Wahl sind sie an nichts gebunden, und durch niemand kontrolliert. und für nichts verantwortlich zu machen!"
    Sie bringen es auf den Punkt. Ohne Referendum in allen Mitgliedsländern von oben verordnet bleibt die EU und damit der Euro immer ein fragwürdiges, krisenaffines Projekt.

  • Ich sags mal so: Der Trog ist immer der gleiche - nur die Schweine sind andere!
    Unsere Machthaber lügen vor der Wahl das Blaue vom Himmel herunter. NAch der Wahl sind sie an nichts gebunden, und durch niemand kontrolliert. und für nichts verantwortlich zu machen!

  • Der Verfasser dieses Artikels könnte auch gut seine Brötchen in den USA der McCarthy-Ära als Kommunistenjäger verdienen. Was das alles inhaltlich mit "Forschung" zu tun haben soll, ist ausgesprochen obskur. Jetzt scheinen alle möglichen Speichellecker von Mutti aus den Löchern zu kriechen. Völlig überflüssige Zeitgenossen oder aber die Wahren Demagogen !

  • Ganz wichtig, Direkte Demokratie und MItbestimmung bei politischen Grundsatzfragen wie Währungsaufgabe, Großprojekten, Hilfsprogrammen usw.
    Ich wünsche mir Transparenz bei unserern parlamentarisch gewählten Abgeordneten in Bezug auf Ihre Lobbyistentätigkeiten und Nebenbeschäftigungen und zusätzichen Bezüge/Honorare/Vergütungen, damit ich weiss, wer wen bezahlt und welche Interessen und Ziele diese Volksvertreter dann agendamässig verfolgen.
    Ebenso wünsche ich mir eine freie von Wirtschaftsinteressen unabhängige Medienlandschaft und Medienvertreter mit Anstand und Rückgrat, die sich Ihrer Verantwortung für die gesamte Gesellschaft und ein Europa des friedvollen Zusammenlebens unter fairen Bedingungen bewusst sind. Die sich nicht mit ihrer politischen Führung oder Wirtschafts- oder Ideologieinteressen gemein machen und den Bürger seit Jahren durch einseitige Berichterstattung hinters Licht führen @ BILD!

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