Gastkommentar: „China muss lernen, sich der Welt zu erklären“

Gastkommentar
„China muss lernen, sich der Welt zu erklären“

Die Regierungen Chinas und Deutschlands treffen sich ab heute Abend zu ihrem hochrangigsten Treffen seit langem. Aber noch belasten Vorurteile das Verhältnis, schreibt Pekings Vize-Außenministerin FU YING.

DüsseldorfEiner meiner jungen Kollegen, der Chef des Deutschlandreferats, erzählte mir, dass sein Team die einseitige Berichterstattung in den deutschen Medien mit einer Wucht spürt, wie es sie nur selten gegeben habe. Dennoch würden sie die Regierungskonsultationen mit großer Zuversicht vorbereiten, denn sie sind überzeugt, dass Gespräche wie diese helfen, Vorurteile abzubauen.

Das hat mich beeindruckt. Denn die in einigen Fällen sehr ungerechte Berichterstattung über China hat viele derjenigen von uns verletzt, die zum Teil seit Jahren an einer Verbesserung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern arbeiten. Manche arrogante Vorwürfe schaden auch dem Image der westlichen Medien in China.

Aber wenn ich die zuversichtlichen Gesichter der jungen chinesischen Diplomaten sehe, dann weiß ich: Trotz allem gibt es keinen Grund, pessimistisch zu sein bezüglich der Entwicklung der Beziehungen zwischen China und Deutschland. Wir arbeiten immer enger zusammen.

Während der Maifeiertage habe ich mir mit meiner Familie die deutsche Ausstellung zur Kunst der Aufklärung angeschaut. Sie wird derzeit im Nationalmuseum im Herzen Pekings gezeigt. Das Museum hat eine achtunggebietende Fassade. Innen wurde es jedoch gemeinsam von deutschen und chinesischen Architekten neu gestaltet. Es wirkt nun sehr erfrischend, modern und einladend. Als ich zwischen den Bildern und den Exponaten von Erfindungen herumgelaufen bin, manche von ihnen sind über 200 Jahre alt, musste ich unwillkürlich an die langen Jahrzehnte des Aufbruchs und der Industrialisierung Europas denken. Daran, durch welche Höhen und Tiefen Deutschland gehen musste und was dies an Unruhen, Kriegen und Kolonisierung für andere Teile der Welt bedeutet hat. Mit Gewissenhaftigkeit, Klugheit und Fleiß hat Deutschland diese schwierigen Zeiten hinter sich gelassen und dieses hohe Niveau an Demokratie und Wohlstand erreicht.

Aber selbst wenn man einen bewährten Erfolgskurs fährt, gibt es stets etwas zu verbessern. Viele europäische Länder sind gegenwärtig in großen Schwierigkeiten und müssen nun über die eine oder andere Korrektur nachdenken.

China hingegen ist ein Spätentwickler unter den Nationen. Wir rauschen in wenigen Jahrzehnten durch Entwicklungen, für die andere Länder sich Jahrhunderte Zeit lassen konnten. Wir versuchen, das Tempo ohne große Einbrüche zu halten und dabei internationale Konflikte und inländische Turbulenzen zu vermeiden. Nach 30 Jahren erfolgreicher Reformen und der Öffnung des Landes sind Stabilität und Wohlstand endlich nach China zurückgekehrt. Darauf bin ich stolz, denn das war nicht einfach.

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