Gastkommentar
Die Nuklearoption für Europa

Im Dissens zwischen Berlin und Paris über den europäischen Rettungsschirm geht es um mehr als nur technische Details. Frankreich will mit dem unbegrenzten Rettungsschirm vor allem Spekulanten abschrecken.
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Deutschland und Frankreich arbeiten eng zusammen, und dennoch gibt es auch jetzt wieder große Meinungsverschiedenheiten. Wer das als Dissens über technische Details verniedlicht, wird die eigentlichen Ursachen nie verstehen. Meiner Ansicht nach gibt es drei essenzielle Gründe: Beide Länder haben eine unterschiedliche Erinnerung an die Wechselkurskrisen der 90er-Jahre; es gibt wirtschaftspolitische Differenzen; und Frankreich ist geschwächt durch einen schlechten "Track-Record" bei seinen Staatsfinanzen.

Gerade Letzteres bringt Frankreich in eine heikle Lage bei den Verhandlungen über die nächste Etappe bei der Bewältigung der Euro-Krise. Mein Land kann sich nicht darauf berufen, seine Finanzen gut geführt zu haben. Weil es zu den schlechten Schülern zählt, ist seine Verhandlungskraft geschwächt. Es erweckt den Eindruck, mit Blick auf die eigene Verletzlichkeit zu argumentieren und die Konsolidierung aufschieben zu wollen, wie in der Vergangenheit.

Das allein aber erklärt nicht die französische Haltung. Man muss auch die Erfahrungen mit dem früheren Währungssystem EWS berücksichtigen. In Frankreich hat man noch die Verwerfungen der 90er-Jahre im Europäischen Wechselkursmechanismus in Erinnerung. Sie endeten damit, dass die Lira und das Pfund ausscheiden mussten. Dem Franc wäre fast dasselbe widerfahren. Der Schlüssel für einen erfolgreichen Kampf gegen "die Märkte" war die unbedingte Unterstützung durch die Bundesbank, die sich mit der Banque de France abstimmte, um den Wechselkurs des Franc gegenüber der D-Mark zu halten. Ohne diese Unterstützung hätte der Franc nicht standgehalten. Im Falle der Lira und des Pfunds war das gegenseitige Engagement schwächer, die Spekulanten siegten und katapultierten die beiden Währungen aus dem System.

Kommentare zu " Gastkommentar: Die Nuklearoption für Europa"

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  • Bazooka aus Londonia, Nuklearreaktionen aus Paris, Rettungsschirme, Eurorettung ist gleich Europarettung,
    eine einzigige Frage: Wie gross ist der bereits produzierte Shit, was kommt noch auf uns zu und eine einzige Bitte: verschont normale Menschen mit einer derartigen Blöd-Toy-Spielsprache. So degeneriert sind wir nicht.

  • Feuerkraft maximieren, abschrecken, Nuklearoption? Ja sind wir denn wieder im kalten Krieg? Und bevor eine Bananendemokratie oder eine Banke verliert, wird lieber die ganze Welt gleich mitgenommen?

  • Da kann man als Bürger dieses Staates nur noch fassungslos zuschauen, welcher finanzpolitische Irrsinn sich morgen im Parlament abspielen wird.
    Und das nur für den Größenwahn, die Habgier und den Machthunger eurowahnverblendeter, inkompetenter Parlamentarier.

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