Gastkommentar
Europas Schlagkraft erhöhen!

Anders Fogh Rasmussen, der Generalsekretär der Nato, fordert im Handelsblatt-Gastkommentar eine engere und flexiblere Zusammenarbeit der Streitkräfte.
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Der Nato-Einsatz in Libyen ist das erste größere militärische Engagement seit Ausbruch der weltweiten Finanzkrise. Weil die europäischen Nato-Staaten ihre Verteidigungsausgaben drastisch gesenkt haben, gab es die Befürchtung, sie seien nicht mehr in der Lage, so eine komplexe Herausforderung zu meistern. Aber Tempo, Ausmaß und Nachhaltigkeit der Operation "Unified Protector" erzählen eine ganz andere Geschichte.
Diese Operation hat gezeigt, dass die europäischen Länder, obwohl sie weniger fürs Militär ausgeben als die USA oder asiatische Mächte, immer noch eine zentrale Rolle bei einem militärischen Einsatz spielen können. Nach den USA hat Europa die modernsten Streitkräfte. Die Frage ist aber, ob das in fünf oder zehn Jahren immer noch gilt. Es gibt schon berechtigten Anlass zur Sorge, dass die Militärausgaben in Europa im Vergleich zu denen der Schwellenländer und der USA immer mehr zurückgehen - so kommt es zu einer neuen Machtverteilung weltweit. Die europäischen Länder sind zwar reicher geworden, haben aber immer weniger für die Verteidigung ausgegeben.
Viele Beobachter, darunter auch Regierungskreise auf beiden Seiten des Atlantiks, sehen die wachsende Verschuldung Europas und Amerikas als größtes sicherheitspolitisches Problem an. Da ist was dran: Ohne Geld gibt es keine militärische Macht. Andere halten dagegen, Grund für die geringeren Verteidigungsausgaben sei nur, dass Europa eine freie und friedliche Region ist. Doch wer so argumentiert, übersieht drei Punkte.
Erstens: Militärische Macht ist auch im 21. Jahrhundert noch wichtig. Die Herausforderungen für Europa umfassen Konflikte in Nachbarländern wie in Libyen, Terrorismus, der in zusammengebrochenen Staaten entsteht, und neue Bedrohungen wie die Ausbreitung von Massenvernichtungswaffen und die Kriegsführung per Internet.
Zweitens: Neue wirtschaftliche und militärische Mächte wie Brasilien, China und Indien wachsen heran. Es wäre zwar falsch, diese Länder als direkte Bedrohung für den Westen und die Nato anzusehen. Sie dürften kaum ein Interesse haben, das weltweite politische System, dem auch sie ihren Wohlstand verdanken, zu zerstören. Europa sollte sie daher als Partner sehen, deren militärische Kapazitäten zur internationalen Sicherheit beitragen. Wenn Europa zu wenig für die Sicherheit tut, könnten diese Länder theoretisch sogar die entstehende Lücke schließen. Nur: Praktisch besehen wird sich diese Hoffnung nicht erfüllen.

Die großen Schwellenländer und die westlichen Staaten haben nicht unbedingt gleiche Interessen und ähnliche Ansätze, auf Sicherheitsprobleme zu reagieren. Daraus entsteht eine paradoxe Situation: Die Weltordnung wird von mehr Mächten getragen als je zuvor - aber gleichzeitig nur von wenigen in ihrem Bestand garantiert.

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Kommentare zu " Gastkommentar: Europas Schlagkraft erhöhen!"

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  • Und wo möchte er denn überall zuschlagen?
    Ich sags ja immer wieder, usneren Politikern gefällt absolut nicht, dass wir seit 60 Jahren Frieden haben, sie sind allesamt offenbar wieder auf krieg aus, diese Drecksäcke
    Das können Sie auch Herrn Rasmussen genau so sagen

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