Gastkommentar
Monti macht Mut

Hohe Schuldenquote, starrer Arbeitsmarkt, schwerfällige Justiz: Aus Sicht des Ökonomen Alberto Alesina krankt sein Heimatland Italien an Vielem. Doch mit Mario Monti an der Spitze könne es womöglich endlich gesunden.
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HarvardDer Rücktritt von Silvio Berlusconi und der Regierungsauftrag für Mario Monti sind gute Nachrichten nicht nur für Italien, sondern für ganz Europa. Aber das Land steht weiterhin vor großen Schwierigkeiten. Fast alle Ökonomen sind sich darüber einig, was in Italien jetzt getan werden muss: Die Schuldenquote muss gesenkt werden. Dazu müssen sowohl die Staatsausgaben verringert als auch das Wachstum der Wirtschaft durch Strukturreformen erhöht werden. Stattdessen haben die Regierungen der vergangenen zwei Jahrzehnte nur die Steuern für diejenigen erhöht, die sich dem nicht entziehen konnten. Das Ergebnis waren ein miserables Wachstum und eine Schuldenquote von 120 Prozent, gemessen am Bruttoinlandsprodukt.

Um es klar zu sagen: Italien ist nicht Griechenland. Anders als Griechenland verfügt Italien über eine stark diversifizierte Wirtschaft mit vielen exzellenten Branchen. Regionen in Norditalien sind genauso wohlhabend wie Landstriche in Deutschland. Italien kann es schaffen, aber das Land benötigt dafür einige tiefgehende Reformen. Eine davon betrifft den Arbeitsmarkt. Italien muss dort eine Art flexibles Sicherheitsnetz einführen, das den Firmen Einstellungen und Entlassungen erleichtert, aber den zeitweise Arbeitslosen eine gute Absicherung bietet. Das würde vor allem den vielen arbeitslosen Jugendlichen helfen, ins Arbeitsleben hineinzukommen. Heute hat Italien dagegen einen geteilten Arbeitsmarkt, auf dem Jugendliche immer wieder arbeitslos werden und die Jobs für ältere Arbeitnehmer nahezu garantiert sind. Das schwerfällige Wohlfahrtssystem mit seinen rigiden Arbeitsschutzregelungen verhindert es, dass Firmen den Jungen einen dauerhaften Arbeitsplatz anbieten.

Die Arbeitsmarktreformen sollten es zudem Frauen erleichtern, einen Job zu finden. Italien hat in Europa mit großem Abstand den geringsten Frauenanteil an den Beschäftigten. Durch gezielte Steuersenkungen lassen sich Anreize schaffen, um den Frauenanteil zu erhöhen. Finanzieren lassen sich diese Steuererleichterungen dadurch, dass man der ungezügelten Steuerflucht noch stärker Einhalt gebietet.

Kommentare zu " Gastkommentar: Monti macht Mut"

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  • Sehr lustig, Herr Alesina.

    Italien braucht also „eine Regierung, die frei handeln kann und unabhängig ist von den verschiedenen Lobbygruppen.“

    Aber ausgerechnet die Lobbygruppe der Vermögenden soll natürlich keinen Beitrag leisten müssen.

    Umgekehrt wird ein Schuh draus, Herr Alesina: Vermögensabgaben sind in der derzeitigen Situation ein ganz exzellentes Mittel zur Konsolidierung, weil sie erstens erhebliche Mittel generieren, zweitens im Vergleich zu den ebenfalls notwendigen kräftigen Einsparungen im Haushalt nur sehr geringe negative Auswirkungen auf Binnenkonsum und Wachstum haben und weil sie drittens eine Gerechtigkeitsbalance für die erforderliche Lohnzurückhaltung und die schmerzhaften Kürzungen im Sozialbereich darstellen.

  • Typisch BWLer

  • Die Schulden bleiben trotzden, seien Worte sind doch nur heisse Luft. Es glaubt doch niemand, dass die Schulden jemals zurückgezahlt werden.....wer das glaubt ist wohl nicht der ....

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