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Gastkommentar: Nicht von Amerika lernen

Der Berater des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney, Glenn Hubbard, erklärt in seinem Gastkommentar, warum Obama auf dem falschen Weg und Sparen die Voraussetzung für nachhaltiges Wachstum ist.

Gastkommentator Glenn Hubbard hält Sparen für den richtigen Weg Quelle: ap
Gastkommentator Glenn Hubbard hält Sparen für den richtigen Weg Quelle: ap

Die europäische Schuldenkrise bedroht das Wachstum in der Euro-Zone und in der Welt. Diese Krise ist in Wahrheit eine Vertrauenskrise, und jeder Lösungsversuch muss dies beachten. Leider gehen die Ratschläge der US-Regierung zur Lösung der Krise in die Irre. Für Europa und insbesondere für Deutschland.

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In einer bisher ungewöhnlichen Art und Weise versucht die Obama-Administration, Deutschland dazu zu zwingen, für finanziell schwache Regierungen und Banken in der Euro-Zone einzustehen, damit die griechische Krise nicht andere Staaten ansteckt. Konkret fordert das US-Finanzministerium Euro-Bonds. Das hätte zur Folge, dass Deutschland die Schulden für alle Mitglieder der Währungsunion garantiert. Ebenso fordert es die Rekapitalisierung der insolventen spanischen Banken über den Rettungsfonds ESM und den Aufkauf von Staatsanleihen der schwachen Länder durch die Europäische Zentralbank (EZB) im großen Stil.

Diese Ratschläge sind nicht nur unklug. Sie offenbaren auch Unkenntnis über die Ursachen der Krise und über einen Wachstumspfad in die Zukunft.

Commentary Fiscal credibility and the European debt crisis

Glenn Hubbard explains why the Eurozone and the US have a problem of credibility and that the advice of the US Government for Europe is unwise and reflects a limited understanding of the source of the crisis.

Niedrige Zinsen im Euro-Raum hatten zu einem privaten und öffentlichen Kreditboom in vielen Staaten geführt. Diese Verschuldung offenbart die unkluge Fiskalpolitik, die in der Währungsunion gemacht wurde. Die Staatsfinanzen waren kaum kontrollierbar. Außerdem führten starke Unterschiede in der Wettbewerbsfähigkeit zu Leistungsbilanzüberschüssen in Ländern wie Deutschland und großen Defiziten in Ländern wie Griechenland. Mehr Wachstum ließe sich erzeugen, wenn die finanziell angeschlagenen Euro-Länder ihre Staatsausgaben (und damit die künftige Steuerbelastung) reduzieren würden.

Euro-Bonds werden in den USA als Lösung der europäischen Schuldenkrise im Sinne Hamiltons angesehen. Das bezieht sich auf Amerikas ersten Finanzminister Alexander Hamilton, der nach dem Unabhängigkeitskrieg eine Übernahme der Schulden der amerikanischen Einzelstaaten durch die Bundesregierung befürwortete. Dieser kühne Schritt verbesserte das Vertrauen in die Finanzkraft der neuen Republik. Aber das war eine einmalige Sache.

Die Bundesregierung hat danach den Einzelstaaten keineswegs Kredite auf Dauer zugestanden.

  • 09.06.2012, 15:08 UhrHagbard_Celine

    Für Staaten gilt dasselbe wie für Unternehmen, nämlich das ein Verzicht auf sämtliches Fremdkapital das Wachstum verlangsamt während zuviel Fremdkapital Instabilität zur Folge hat.

    Die Regierung Obama mit einer Neuverschuldung von 10% GDP (wie auch die Regierung Cameron) erhofft sich nicht ganz zu unrecht - kurzfristige - Wachstumsimpulse von einer erhöhten Neuverschuldung Deutschlands die aus Eurobonds etc. resultieren würde.

    Die sind jedoch Strohfeuer die langfristig weder Deutschland noch den USA helfen.

    Langfristiges Wirtschaftswachstum schafft man durch eine vernünftige Politik was Demographie, Bildung, Staatsfinanzen und Infrastruktur angeht.

    Die letzte deutsche Regierung die der Demographie ihren gebührenden Stellenwert in der Politik eingeräumt hat war diejenige die die Autobahnen gebaut hat.

    Ohne vernünftiges Personal in ausreichender Menge - kann - man keine Unternehmen entwickeln, mit Staaten ist es nicht anders.

    Deutschlands bzw. Mitteleuropas Wirtschaftsmodell hat sich als das leistungsfähigste in der EU bewährt und es hat somit Vorbildcharakter.

    Die Politik in der anderen Statten der EU hat im Grunde genommen die Pflicht es zu kopieren, Rufe noch deutschen Geld um eigene Missstände zu zementieren sind ein Skandal.

  • 09.06.2012, 15:35 Uhrmatze

    sehr interessante realitätsnahe aussagen aus den usa - der eine oder andere "schwarze peter" geht zwar noch in richtung brd - aber der ganze realwirktschaftnahe ton ist fast scho wohltuend. vielleicht finden die usa ja mit einem solchen denken und handeln in ein paar jahren wieder zu ihrer "natürlichen stärke" zurück.

  • 09.06.2012, 16:11 UhrBuerge-r

    Die von Hubbard geäußerten Gedanken ist zuzustimmen. Allerdings wird sein Weg der "Kürzung der ungedeckten Versprechen aus den staatlichen Sozial- und Gesundheitsprogrammen" ohne Flankierung durch eine Rückumverteilung von Einkommen/Vermögen von oberen (Zehntausend) zu den unteren nicht funktionieren. Diese maßvolle Rückumverteilung ist nicht nur menschlich/moralisch angemessen, Massenverlendung zu verhindern sondern auch ökönomisch sinnvoll. Schließlich würde damit Geld von den spekulationsnahen zu den konsumnahen Einkommen umverteilt, was die Wirtschaft stabilisieren und stimulieren würde.

    Dabei ist zu betonen, dass es sich dabei nicht um ein Prellen der Reichen um die wohlverdienten Früchte ihrer Arbeit handelt, sondern es sich um einen Ausgleich für die leistungslose systematisch bedingte Umverteilung (Gravitationsgesetz des Kapitalismus: wo viel ist wird noch mehr angezogen) handelt. Diese hat empririsch bestätigt in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen (ohne, dass die Leistung der Betroffenen im gleichen Maß zugenommen hätte!) und ist eine wichtige Mitursache der derzeitigen Krise.

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