Gastkommentar Trichet
Das Europa von morgen

Der scheidende EZB-Präsident Trichet bekräftigt seine Forderung nach einem europäischen Finanzministerium. Dies könne die Integration der Euro-Staaten weiter vorantreiben.
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BerlinObwohl die europäische Einigung oft mit den Konflikten der Vergangenheit begründet wird, ist es in meinen Augen vielmehr die Zukunft Europas, die uns zu einer engeren Zusammenarbeit zwingt. Die einzigartige Konstruktion Europas ist eine große Stärke in der neuen, globalisierten Welt. Sie erlaubt den Europäern, tiefe Wurzeln zu schlagen und starke Gemeinschaften zu bilden. Zugleich kommen wir in den vollen Genuss von Größenvorteilen und des freien Austauschs von Gütern und Kapital.

Europa benötigt jedoch eine solide Führung, um sicherzustellen, dass die Handlungen einzelner Länder sich an den gemeinsamen Zielen orientieren. Unsere bisherigen Vereinbarungen haben diesen Standard noch nicht erfüllt. Wir können unsere Prinzipien nur verteidigen und stärken, wenn wir unsere Politik danach ausrichten. Ich bin mir vollkommen darüber im Klaren, dass die Menschen in Europa nach Sicherheiten verlangen, dass unsere Gemeinschaft ein Ort der Stabilität bleibt. Dafür gilt es, Regeln zu respektieren und der Verantwortung gerecht zu werden.

Unsere Herausforderung ist es, den richtigen Weg für die Integration Europas zu wählen. Nur dann können wir das enorme Potenzial unseres Kontinents nutzen. Lassen Sie mich deshalb meine Vision für die Zukunft Europas darlegen.

Eine gute Führung verlangt, dass sowohl die einzelnen Mitgliedstaaten als auch die Institutionen der EU ihrer Verantwortung nachkommen. In einer Gesellschaft sorgen letztendlich Polizei und Gerichte dafür, dass sich die Bürger an die Regeln halten. Im Euro-Raum basiert unser System von Überwachung und Sanktionen darauf, dass jene Staaten sich beugen, die die Regeln verletzen.

Deshalb habe ich bei der Verleihung des Karlspreises einen neuen Vorschlag gemacht, wie wir unsere wirtschaftlichen Prinzipien besser durchsetzen können. Jenen Ländern, die den Zugang zu den Finanzmärkten verlieren, müssen wir helfen, dafür aber zugleich strenge Konditionen einfordern. Für diesen Weg sollte es jedoch eine klare Grenze geben. Länder, die dauerhaft die anvisierten Ziele verfehlen, müssen mit weitergehenden Maßnahmen rechnen. In dieser zweiten Stufe sollten europäische Stellen weitaus tiefer und stärker in die Wirtschaftspolitik der betreffenden Länder eingreifen können.

Dadurch würden wir aus der Lage befreit, in der alle Entscheidungen in der Hand der einzelnen Mitgliedstaaten bleiben. Europäische Institutionen könnten nicht nur, sondern müssten direkt eingreifen. Dies umzusetzen würde offensichtlich eine Änderung der europäischen Verträge bedeuten. Es würde auch ein neues Verständnis von Souveränität erfordern.

Kommentare zu " Gastkommentar Trichet: Das Europa von morgen"

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  • "Aber die Zukunft Europas bleibt in der Hand seiner Bürger. Sie müssen entscheiden, und sie sind es, denen wir dienen."

    In der Hand der Bürger, denen wir DIENEN??? Selten so gelacht!!! In der Hand der Eurokraten und Banker, die die Bürger zwangsfinanzieren das kämen wir den Realitäten näher...

  • Dieser Kommentar zeigt mir vor allem, wie weit sich die Führungsriege der europäischen Institutionen von den Erwartungen und Wünschen der europäischen Völker entfernt hat.

  • In dem freien Europa von Morgen,
    welches von der EU Junta und deren inflationärem Spielgeld EUro befreit wurde,
    sitzen solche Finanzverbrecher wie Trichet die Verträge und Gesetze gebrochen haben im Strafvollzug.

    Die Europäische ZentralBadbank hat nicht nur ihren Auftrag der Sicherung der Geldwertstabilität nicht erfüllt und Recht gebrochen. Sie hat sogar die Finanzkrise verschärft und in großen Teilen von Anfang an mitverursacht und ist auf ganzer Linie gescheitert.
    Sie gießt nicht nur weiter Öl ins Feuer sondern war auch an der Brandstiftung beteiligt.
    Trotzdem, der oberste "Verantwortliche" der europäischen Badbank Monsieur Trichet hat die Geldgeber nicht "beruhigen" können weil er nichts an der Tatsache ändern kann, daß die EU-ro Lügen offen gelegt sind.

    Tatsächlich verstößt die EZB mit ihren kriminellen Handlungsweisen konkret, zumindestens aber inhaltlich, gegen folgende Artikel des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV),
    direkt oder indirekt betroffen sind:
    Verbot des finanziellen Beistands (Art. 125 AEUV);
    Unabhängigkeit der EZB (Art. 127; 130; 282 Abs. 2 AEUV);
    Ziel der Preisstabilität (Art. 119 Abs. 2/3; 127 Abs. 1/2; 282 Abs. 2 AEUV);
    Verbot der monetären Finanzierung von Staatshaushalten (Art. 123 Abs. 1 AEUV);
    Verbot des bevorrechtigten Zugangs zu Finanzinstituten (Art. 124 AEUV);
    Währungsbeistand (Art. 143 Abs. 1 AEUV);
    Kreditgewährung (Art. 143 Abs. 2 AEUV).

    Keine Macht der EUdssr, wehret den Anfängen!

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